Spezielle Lektion

Abiturienten unter Polizeiaufsicht

Feiernde Dachauer Schüler am Dachauer Bahnhofsvorplatz vor drei Jahren. foto: cf

Dachau - In der Schule lernt man fürs Leben, heißt es. Die Dachauer Gymnasiasten erhielten jetzt eine spezielle Lektion: Ein Vertreter der Polizei erklärte den zwölften Klassen, wie man richtig feiert.

Anlass war die bevorstehende Facharbeitsabgabe, die einigen Bürgern ein Dorn im Auge ist.

Monatelang schreiben die Gymnasiasten an ihrer Facharbeit, zumindest theoretisch. Dem Termin der Abgabe, dem oft durchgearbeitete Nächte vorhergehen, fiebern sie entgegen. Ist die Arbeit abgegeben, fällt von den Schülern enormer Druck ab - der sich in Feierlaune entladen kann. Dieser Tag der Abgabe ist in einer Woche: am Dienstag, 4. November.

Den Anwohnern graut vor dem Termin, an dem die Schüler der beiden Dachauer Gymnasien ihre Facharbeit abgeben müssen: Sie berichten von feiernden Jugendlichen, die durch die Straßen ziehen - und Schlimmerem: Ein Schüler ist im vergangenen Jahr betrunken mit dem Auto in einen Zaun gefahren, Fenster wurden eingeworfen.

Außerdem zündeten die Schüler der Oberstufe des Ignaz-Taschner-Gymnasiums im vergangenen Jahr eine Stinkbombe in der Aula des Josef-Effner-Gymnasiums: als „Racheaktion“ für eine Polonaise durch das Taschner vor zwei Jahren. Davon haben zwar die Anwohner nichts mitbekommen, trotzdem greift die Polizei in diesem Jahr härter durch. Zum einen mit einer Informationsveranstaltung der Polizei für die Schüler der zwölften Klassen, die vergangene Woche im JEG stattfand. „Ich verstehe, dass die Polizei uns informiert“, sagt Schülerin Anja (die Schüler wollen ihre Familiennamen nicht nennen). Ihre Mitschülerin Isabella ergänzt: „Uns wurde mit Strafanzeigen und Geldstrafen gedroht, falls wir uns auf öffentlichen Plätzen versammeln.“ Anja findet die Drohungen peinlich. „Nur weil einige Spinner sich aufgeführt haben, kann uns doch das Feiern nicht verboten werden.“

„Wir wollen keine Partycrasher sein“, stellt Polizeisprecher Michael Richter klar. „Die Aktion ist präventiv.“ Am Tag der Facharbeitsabgabe wird die Polizei sehr präsent sein: Sieben zusätzliche Streifen sind geplant, besonders stark werden Spielplätze kontrolliert, in den vergangenen Jahren häufig ein Ziel der feiernden Jugendlichen.

Erwin Lenz, Schulleiter des ITG, ist nicht grundsätzlich gegen die Feier seiner Schüler: „Nur bitte an einem Platz, wo sie niemanden stören.“ So ein Platz ist aber nicht leicht zu finden: „Wir dürfen in der Schule nichts veranstalten, auf Grünflächen und Spielplätzen keinen Alkohol trinken“, sagt Alex vom JEG.

Triebfeder des verstärkten Polizeieinsatzes sind Anwohner, die sich von den feiernden Gymnasiasten belästigt fühlen. Sogar eine Bürgerinitiative wurde gestartet, wöchentlich erkundigten sie sich bei der Polizei nach dem Termin der Facharbeitsabgabe. Rudolf Langenegger, der in unmittelbarer Nähe des JEG wohnt, sieht die Sache gelassen: „Wir haben doch früher auch gefeiert. Die Schüler sollen ruhig ihre Party machen, solange das im Rahmen bleibt.“

Bleibt es laut Schulleiter Kurt Stecher aber nicht: „Früher gab es bei der Abgabe keine Eskalationen, aber in den letzten Jahren hat sich das so entwickelt.“ Lenz ergänzt: „Es wurden Grundstücke vermüllt und in Gärten gepinkelt, das geht nicht. Dieses Jahr haben wir aber einen sehr netten Jahrgang, da bleiben solche Vorfälle hoffentlich aus.“

Feiern will dieser nette Jahrgang aber auch, und dank der Polizeiberatung haben die Schüler jetzt einen Partyort gefunden: den Karlsfelder See. „Das hat uns der Jugendbeauftragte der Polizei vorgeschlagen. Dort ist das Feiern in Ordnung“, sagt Alex. Und Thomas aus seinem Jahrgang fügt hinzu: „Wir haben einen langen Zug von der Schule bis zum See geplant.“ Mal sehen, wie er abläuft - und wie Anwohner und Polizei reagieren.

Clemens Finger

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