Beamte räumen Sportgelände des Gymnasiums Grafing

Abistreich endet mit Polizeieinsatz

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Die Polizei Ebersberg räumte am Sonntag das Gelände des Gymnasiums Grafing. Dort wollten Schüler im Vorfeld des für Montag geplanten Abiturstreiches übernachten.

Der Spaß war vorbei, zwei Stunden, nachdem er begonnen hatte. Am Sonntag räumte die Polizei Ebersberg den Sportplatz des Gymnasiums Grafing. 

Grafing – Dieter Lerchl, der Leiter der Polizeiinspektion Ebersberg, war auf Anfrage der EZ sichtlich um Deeskalation bemüht. „Das war nichts Dramatisches“, sagt er, bestätigt aber den Einsatz an sich, bei dem zwei Streifenfahrzeuge mit vier Beamten vor Ort gewesen seien. Man habe etwa 60 Schüler angetroffen. Wer hatte sie angezeigt? „Das Landratsamt war es nicht. Die Polizei hat der Hausmeister geholt“, berichtet Behördensprecherin Evelyn Schwaiger. Die Kreisbehörde ist der Sachaufwandsträger und damit der Hausherr auf dem Gelände.

Hinsichtlich der Zahlen divergieren die Angaben der Betroffenen. Während die Polizei von 60 Schülern und zwei Streifenfahrzeugen berichtet, berichten wiederum Schülereltern und Schulleiter Paul Schötz von 116 Schülern. „Mindestens sechs Polizeibeamte und drei Streifenfahrzeuge“, sagen die Eltern, seien im Einsatz gewesen. Es sei der Vorwurf des Hausfriedensbruchs im Raum gestanden. „Da Hausfriedensbruch ein Antragsdelikt ist, ist davon auszugehen, dass diese Initiative vom Hausherren der Liegenschaft, dem Landratsamt ausging“, so ein Vater. „Da das am Sonntag vorgefallen ist, macht uns das eher unverdächtig“, meint hingegen Schwaiger.

Wie Inspektionsleiter Lerchl aus seinen Einsatzdaten ersehen kann, ist bisher jedoch keine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs bei der Polizei eingegangen. „Das ist bei uns im Haus noch gar nicht bekannt gewesen“, sagt auch Schwaiger überrascht.

Lerchls Informationsstand ist, dass es im Vorfeld zu der Aktion eine Absprache gegeben habe, „aber wohl nicht so“, wie es dann abgelaufen sei. Die Eltern wiederum legen Wert darauf, dass ihre Kinder „in vorbildlicher Weise streng darauf geachtet haben, dass keine Getränke oder Gläser mitgebracht werden. Ebenso wurde darauf geachtet, sich so ruhig wie möglich zu verhalten, um Anwohner nicht zu stören“. „Die Maßnahme erscheint vor diesem Hintergrund als völlig überzogen und äußerst befremdlich“, sagt ein Schülervater. „Dazu wurde von der Polizei kaum das Gespräch mit den Abiturienten gesucht.“

Inspektionsleiter Lerchl schätzt, dass der ganze Einsatz etwa eine gute Stunde gedauert habe. „Personalien wurden nicht festgestellt, sonst wären wir nicht so schnell fertig geworden.“ Er bestätigt, dass die Schüler auf Aufforderung das Gelände verlassen hätten. Das wiederum deckt sich auch mit dem, was Eltern berichten. „Die tief enttäuschten Abiturienten packten wortlos ihr Zeug, um woanders noch ein paar Stunden zu feiern, um dann nach Hause zu gehen.“ Besonders beachtenswert sei außerdem, dass es sich lediglich um einen harmlosen und friedlichen Abistreich gehandelt habe. „Es wurde zu keiner Zeit jemand belästigt, gefährdet, behindert noch geschädigt.“

„Das war nicht so abgesprochen“, sagt Schulleiter Schötz und ergänzt, „dass es bei 116 Leuten auch jemand gibt, der sich nicht an etwas hält.“ Er verteidigte die Handlungsweise des Hausmeisters. An einem bestimmten Punkt müsse man sagen, was geht und was nicht, meinte Schötz, ohne konkreter zu werden: Es sei aber „alles gut abgelaufen und nichts kaputt gegangen.“ Der eigentliche Abistreich am Montag bestand unter anderem dann darin, dass Schüler von den Abiturienten in den Klassenzimmern „umverteilt“ wurden.

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