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Abschüsse am Tegernsee: Wieder müssen Graugänse ihr Leben lassen

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Von: Gabi Werner

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Auf den gepflegten Rasenflächen am Seeufer – wie hier am Rottacher Schorn – fühlen sich die Graugänse besonders wohl. Für viele sind sie eine Plage.
Auf den gepflegten Rasenflächen am Seeufer – wie hier am Rottacher Schorn – fühlen sich die Graugänse besonders wohl. Für viele sind sie eine Plage. © Thomas Plettenberg

Weil sie mit ihrem Kot die Badeplätze verschmutzen, sind die Graugänse am Tegernsee vielen ein Dorn im Auge. Um die Population in den Griff zu bekommen, wurden erneut einige Tiere abgeschossen.

Tegernseer Tal – Dort, wo die Liegewiesen schön gepflegt sind, fühlen sich nicht nur die Badegäste, sondern auch die Graugänse besonders wohl. „Das ist für die Gänse wie ein frisch gedeckter Tisch“, weiß Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU). In der Folge gibt es am Tegernsee seit einigen Jahren ziemlich viel Unmut über das Federvieh. Um die Population in den Griff zu bekommen, hat es nun erneut Abschüsse gegeben. Sechs Graugänse mussten kürzlich ihr Leben lassen – es werden wohl nicht die letzten gewesen sein.

Graugänse am Tegernsee: Untere Jagdbehörde erteilt zwei Schießerlaubnisse

Weil die großen Kothaufen der Graugänse die Badestrände verdrecken, bekommen es die Orte rund um den Tegernsee immer wieder mit Beschwerden zu tun. Die Gemeinden Rottach-Egern und Bad Wiessee haben daraufhin auch heuer bei der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes Anträge auf Entnahmen gestellt. Mit Erfolg. Die Behörde habe zwei Schießerlaubnisse erteilt, berichtet Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler. Damit war das Schicksal einiger Gänse besiegelt: Sechs Entnahmen hätten in diesem Sommer bereits stattgefunden. Es war nicht das erste Mal, dass die Tiere am Tegernsee bejagt wurden. Im Jahr 2021 waren schon einmal 17 Gänse geschossen worden.

Tegernsee-Gemeinden wollen keine Zustände wie im Englischen Garten

Man wolle den Tieren ihren Lebensraum hier nicht streitig machen, betont Köck. Der Bestand solle aber sukzessive auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Dabei gehe es auch darum, eine weitere Zunahme der Population zu verhindern – „ansonsten haben wir irgendwann eine Situation wie im Englischen Garten“, sagt Köck mit Blick auf das üppige Gänse-Vorkommen dort. Wehret den Anfängen, lautet daher das Motto am Tegernsee.

Hier leben laut Köck derzeit insgesamt rund 70 Graugänse. Meist treten sie geballt an den attraktiven Uferflächen wie am Schorn in Rottach-Egern, am Segelhafen in Bad Wiessee oder an der Point in Tegernsee auf. Auf etwa 55 Tiere würde Köck den Bestand gerne drücken.

Landratsamt: Es gibt ausschließlich Vergrämungsabschüsse

Wie das zu erreichen ist, darüber gehen die Meinungen von Fachleuten und Tierschützern allerdings auseinander. Nach Auskunft Stadlers würden am Tegernsee „ausschließlich Vergrämungsabschüsse vorgenommen“. Heißt: Es werden einzelne Gänse entnommen mit dem Ziel, dass die anderen Tiere aus der Population dadurch gestört und somit verscheucht werden.

„Mit dieser Methode wurden bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht“, versichert die Sprecherin. Ob weiteren Graugänsen das tödliche Schicksal blüht, hängt vom Vergrämungserfolg ab. Grundsätzlich gilt: Bei Graugänsen handelt es sich um jagdbares Wild. Die Jagdzeit hat der Gesetzgeber laut Landratsamt aktuell auf die Zeit zwischen 1. August und 15. Januar festgelegt.

Köck würde zudem dafür plädieren, während der Brutzeit der Graugänse im Frühjahr Gelege zu entnehmen, um dem Wachstum der Population vorzubeugen. „Das wäre vielleicht verträglicher als eine Entnahme“, meint der Bürgermeister.

Vorsitzende des Tierschutzvereins fordert alternative Maßnahmen

Grundsätzlich keine Option sind die Abschüsse in den Augen von Johanna Ecker-Schotte. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal ist überzeugt: Bestandsreduzierungen in Form von Abschüssen und auch reinen Vergrämungsschüssen würden auf Dauer nichts bewirken. Das hatte die Rottacherin auch in einer Stellungnahme an die Untere Jagdbehörde deutlich gemacht. „Von der negativen Außenwirkung, dass es am Tegernsee wieder einmal kracht, ganz abgesehen.“

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In ihrer Stellungnahme fordert Ecker-Schotte, „dass aus Gründen des Tierschutzes die Gemeinden nichts unversucht lassen sollten, Bestände mit alternativen Methoden auf einem akzeptablen Niveau zu halten“. Dies wäre möglich, so die Tierschützerin, wenn man sich ernsthaft mit dem Gänsemanagement der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und deren Vergrämungsmethoden beschäftigen würde.

Ecker-Schotte: Abschuss von Wild „eine weitaus größere Baustelle“

Ein besonderes Anliegen ist es Ecker-Schotte, in diesem Zusammenhang auf ein anderes Abschuss-Problem hinzuweisen: „Eine weitaus größere Baustelle bei uns im Landkreis“, sagt sie, „ist die Bestandsreduzierung unseres Rot-, Reh- und Gamswildes“. Hier würde sie sich manchmal eine ebenso große Empörung aus der Bürgerschaft wünschen. gab

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