Ärger mit neuer Wohnung

Familie droht wegen Schwarzbau Obdachlosigkeit

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Florian Bosse vor dem Haus, in das er mit seiner kleinen Familie einziehen wollte

Garching - Aus dem Traum der eigenen vier Wände wurde für Florian Bosse und seine Familie ein Albtraum. Statt des Umzugs in die Eigentumswohnung droht dem Paar mit kleinem Sohn die Obdachlosigkeit.

Der 35-jährige Vater Florian Bosse ist verzweifelt: „Eigentlich wollten wir in diesen Tagen umziehen.“ Bis zum 15. Januar muss die Familie aus der gemieteten Wohnung in Garching (Kreis München) raus, in der sie seit April 2006 lebt, berichtet der selbstständige IT-Consultant. „Aber wir finden einfach nichts.“

Es ist eine Kettenreaktion, in der sich das Ehepaar Bosse verfangen hat. Geplant war der Umzug schon zum 15. Dezember, doch weil es keine neue Unterkunft gab, verlängerte der Vermieter die Frist. Doch nun geht es nicht mehr länger. Er hat die Wohnung bereits wieder vermietet und der neue Mieter hat ebenfalls schon gekündigt und muss einziehen, sonst steht er auf der Straße.

Angefangen hat die verhängnisvolle Entwicklung aber schon Ende August 2013. Damals fand die Familie Bosse nach langem Suchen eine 143 Quadratmeter große Wohnung mit fünf Zimmern in Dietersheim (Kreis Freising), die zum Verkauf stand und über einen Makler auf dem Markt angeboten wurde. „Das war für uns ideal. Ich hätte ein eigenes Arbeitszimmer gehabt, das ich für meine selbstständige Tätigkeit unbedingt benötige“, berichtet Bosse.

„Da sollte ich einziehen“: Der verhinderte Wohnungsbesitzer vor dem Haus, dessen Dachgeschoss offenbar illegal ausgebaut wurde.

345.000 Euro sollte die Wohnung im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses kosten. Errichtet war sie als Maisonette-Wohnung mit zwei Zimmern im ausgebauten Dachspitz. „Wir haben uns die Immobilie mehrfach angeschaut, ließen uns Zeit, zahlten schon einmal 900 Euro Reservierungsgebühr. Wir sprachen mit der Bank, hatten über 100.000 Euro Eigenkapital angespart“, sagt Bosse. „Der Kredit für die Finanzierung wurde bewilligt und am 12. September unterschrieben wir beim Notar den Kaufvertrag.“ Damit schien alles klar. Wie vereinbart überwies Bosse die erste Zahlung von knapp 105.000 Euro an den Verkäufer der Wohnung. Das Paar freute sich auf den Einzug mit ihrem 15 Monate alten Sohn Timmy.

Die böse Überraschung kam auf dem Grundbuchamt beim Amtsgericht Freising, als Bosse sich als neuer Besitzer eintragen und die Teilungserklärung entsprechend ändern lassen wollte. „Dabei fiel auf, dass nur die Wohnung im Obergeschoss mit drei Zimmern genehmigt war. Nach den vom Bauamt Freising genehmigten Bauplänen war nur der Ausbau des Dachspitzes, nicht aber die Erweiterung als Wohnung genehmigt“, sagt Bosse. „Erst wenn das Bauamt die zwei Zimmer im Dachspitz als Wohnraum genehmigt, können wir sie nutzen. Bis dahin ist das ein Schwarzbau.“

Er beauftragte umgehend einen Anwalt und erklärte seinen Rücktritt vom Kauf. Der Anwalt setzte eine Frist, bis zu dieser der bereits überwiesene Betrag wieder erstattet werden soll. Diese Frist ist inzwischen verstrichen. „So wie es derzeit aussieht, läuft das alles auf einen langen Rechtsstreit hinaus. Ich bin zuversichtlich, diesen zu gewinnen, schließlich wurde mir etwas verkauft, das so nicht hätte verkauft werden dürfen. Aber das kann dauern, und es löst nicht die derzeitige Situation“, so Bosse. Verzweifelt sucht er nach einer neuen Wohnung. In Baierbrunn im Süden des Landkreises kann er möglicherweise eine andere Eigentumswohnung kaufen. „Die Bank hat schon signalisiert, dass sie bereit ist, diese zu finanzieren. Aber sie ist teurer und ich brauche einen höheren Kredit, weil mir im Augenblick das angesparte Eigenkapital von 105.000 Euro fehlt. Außerdem ist ein höherer Zinssatz fällig“, so Bosse. Erst im März kann die Familie umziehen, „wenn alles ordnungsgemäß läuft“, meint Bosse.

Er ist nach den gemachten Erfahrungen vorsichtig geworden. Mit etwa 40 Maklern hat er inzwischen gesprochen, um kurzfristig eine Mietwohnung zu finden. „Aber alle Vermieter wollen nur über einen langen Zeitraum vermieten und nicht nur für ein paar Monate.“

Hilfesuchend wandte er sich an die Gemeinde Garching, ebenfalls vergeblich. Sein Einkommen ist zu hoch, um Anspruch zu haben, eine Wohnung zugewiesen zu bekommen. „Die Alternative ist, die Möbel einlagern zu lassen und in ein Hotel oder eine Pension zu ziehen. Ich habe mir auch schon überlegt, einen gebrauchten Wohnwagen zu kaufen. Aber als Selbstständiger brauche ich meine Computer, muss ich telefonisch erreichbar sein. Sonst gehen mir schnell die Aufträge verloren und dann sind wir nicht nur obdachlos, sondern auch finanziell am Ende“, so Bosse. Schnelle Hilfe ist notwendig, eine vorübergehende Unterkunft zum Leben und Arbeiten. Noch hofft Bosse, doch mit jedem Tag schwindet die Hoffnung etwas mehr.

Siggi Niedergesäß

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