Witwe Elke J. will Schmerzensgeld

Ärzte-Pfusch? "Eric hätte nicht sterben müssen"

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Witwe Elke J. verklagt die Kreisklinik Fürstenfeldbruck und den Kardiologie-Chefarzt.

München - Der Mann von Elke J. wurde mit Herzproblemen in die Klinik eingeliefert, aber schnell wieder entlassen. Einen Tag später war sie Witwe. Nun verklagt sie den Herz-Professor.

Als Elke J. vor Gericht die letzten Minuten ihres Mannes Eric schildern muss, kommen ihr die Tränen: „Ich wollte ihn noch in die Klinik bringen. Nach ein paar hundert Metern ist er mir ins Lenkrad gefallen.“ Er könnte noch leben, klagt die 57-jährige Bautechnikerin aus Emmering, hätte ein Herz-Professor in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck die dramatische Erkrankung rechtzeitig erkannt. Jetzt verklagt sie ihn und die Klinik auf ca. 120.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz!

Kardiologie-Chefarzt Prof. Dr. Bernhard P.

Mit Blaulicht und Martinshorn war Eric J. am 25. August 2011 ins Krankenhaus eingeliefert worden – wegen Verdachts auf einen Herzinfarkt. Er litt unter extremem Bluthochdruck, klagte über Kopfschmerzen und einem Druck in der Brust. Zwei Stunden später habe ihn Professor Bernhard P. bereits wieder entlassen, berichtet die Witwe. „Er hat gesagt, das ist nichts Tragisches. Die Schmerzen kommen von der Gartenarbeit.“

Einerseits sei ihr Mann froh gewesen, dass ihm nichts Ernsthaftes fehle. Andererseits: „Er war blass und hat sich ständig ans Herz gefasst. Er hat nicht mal die Kraft gehabt, um die Gardinen aufzuhängen“, sagt , so Elke J. Sie brachte ihn am nächsten Tag zur Hausärztin, diese empfahl eine rasche Herzuntersuchung.

Alarmierende Laborwerte

Doch bevor Eric J. einen Termin bekam, verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. „Er hat plötzlich so komisch gehustet“, berichtet Elke J. Sie habe ihn schnell ins Augustinum nach München bringen wollen, doch er brach leblos zusammen.

Als die Witwe nach der Obduktion erfuhr, dass ihr Mann bei einer rechtzeitigen Behandlung noch leben könnte, wandte sie sich an den Münchner Medizin-Anwalt Wolfgang Putz. Beim Landgericht München II reichte er Klage ein. Putz wirft dem Professor vor, eine Herzkatheder-Untersuchung unterlassen zu haben.

 „Man hätte rechtzeitig Stents in den Herzkranzgefäßen setzen müssen.“ Die Laborwerte seien alarmierend gewesen, sagt Putz. Der Troponin-Wert sei um das Dreifache überhöht gewesen.

Professor Bernhard P. wiegelt indessen vor Gericht ab: „So wie sich der Patient mir präsentiert hat, konnte man eine Herzkatheder-Untersuchung einfach nicht rechtfertigen.“ Und er Troponin-Wert sei allenfalls „im Graubereich“ gewesen. Das Gericht schaltet jetzt einen Sachverständigen ein.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Professor vor Gericht steht. Schon 2002 hatte ihn der Landrat fristlos gefeuert. Bernhard P. klagte sich jedoch an seinen Arbeitsplatz zurück.

Eberhard Unfried

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