Vater will tote Tochter bergen

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Bernd Gans vor dem Computer, auf dem ein Bild seiner verstorbenen Tochter zu sehen ist.

Vaterstetten - Bernd Gans aus Vaterstetten will seine Tochter Ines heimholen. Sie ist eines der Opfer, die beim Absturz des Air-France-Fluges 447 am 1. Juni 2009 ums Leben kamen.

Gans und andere Angehörige wurden am Montag vom französischen Verkehrsministerium endlich aus erster Hand informiert. Wenn unter den jetzt georteten Leichen im Atlantik in 4000 Metern Tiefe seine Tochter zu identifizieren wäre, will ihr Vater sie überführen und beerdigen lassen. „Es ist ein Gebot der Nächstenliebe, sie zu bestatten“, sagt er dem Münchner Merkur.

Meine Tochter zu begraben - das würde trösten

Unter den Familien die bei dem Flugzeugabsturz eine geliebte Person verloren haben, ist die Ansicht dazu geteilt. „Es gibt auch Angehörige, die sagen: ,Lasst sie in Ruh'", erzählt Gans. Dass von der ersten Nachricht, es seien im Atlantik nicht nur Wrackteile des Unglücksflugzeuges, sondern auch Leichen geortet worden, bis zur Unterrichtung der Angehörigen jetzt über eine Woche verstrichen ist, findet 70-Jährige Vaterstettener untragbar. „Die Angehörigen waren bisher nicht informiert worden, sondern erst acht Tage später. Wir haben alles über die Presse erfahren müssen“, klagt der 70-Jährige.

Todesflug AF 447: Erste Bilder vom Meeresgrund

sdsdsd

Eigentlich war abgesprochen, dass die von dem Unglück vor der brasilianischen Küste betroffenen Familien zeitnah und zuerst informiert werden. Die Lage ist nach wie vor unklar: Zuerst habe das Ministerium davon gesprochen, „man könne die Leichen identifizieren“, berichtet Gans. Davon sei der Staatssekretär im französischen Verkehrsministerium, Thierry Mariani, zusammen mit der Untersuchungsbehörde aber zuletzt etwas abgerückt. „Die Fachleute waren zum Teil eher skeptisch“, berichtet der Vaterstettener. „Aufklärung ist jetzt aber das Allerwichtigste“, schildert er.

Dieses ständige Auf und Ab – mit den neuen Nachrichten ist die Tragödie bei Gans wieder präsenter denn je. Nach den Informationen, die die Angehörigen haben, wird derzeit von einem großen Schiff zum Verlegen von Kabeln auf dem Meeresgrund die Bergungsaktion organisiert. Auch ein Roboter soll zum Einsatz kommen. „Sie glauben, die Blackbox heben zu können“, berichtet Gans. Die würde Hinweise darauf geben, warum das Flugzeug nach seinem Start von Rio de Janeiro über dem Atlantik plötzlich an Höhe verlor, abstürzte und sank. Gans glaubt, dass es „jetzt noch zu früh ist“, um an die Aktion konkrete Erwartungen zu richten. Man müsse abwarten, bis „sie sich die Teile holen“.

Dass die Aufklärung alleine den französischen Behörden überlassen bleibt, stößt bei den deutschen Angehörigen auf Kritik. Ines Gans feierte einen Tag vor dem Unglück ihren 31. Geburtstag. Dazu hatte sie ihren jüngeren Bruder in Rio de Janeiro besucht und vor dem Rückflug noch mit ihren Eltern telefoniert. Es war das letzte Lebenszeichen. In dem Todes-Airbus der Air France saßen 228 Menschen, 28 davon stammten aus Deutschland.

Michael Seeholzer

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