Schnellzug auf Trasse der S1

Geheimplan: Flughafen prüft eigene Expressbahn

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Der geplante Flughafen-Express soll nur 3 Stopps und 20 Minuten Fahrzeit haben.

München - Wer von der Innenstadt zum Flughafen will, ist derzeit mindestens 35 Minuten unterwegs. Der Aiport empfindet das als Wettbewerbsnachteil und plant daher einen eigenen Schnellzug auf der Trasse der S1.

Über sieben Jahre ist es her, dass der Transrapid zum Flughafen gescheitert ist. Damit wollte einst Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) eine schnelle Verbindung von der City zum Airport erreichen. Zwar wurde 2008 viel über Expresszüge als Ersatz diskutiert, passiert ist nichts. Nun prüft der Flughafen auf eigene Kosten eine provisorische Expresslinie auf der Trasse der S1.

Wer mit der S-Bahn zum Flughafen will, fährt ab Marienplatz mindestens 36 Minuten lang ins Erdinger Moos, ab dem Hauptbahnhof sind es 40 Minuten. Die Bahnanbindung galt von Beginn an als Geburtsfehler des Airports, den der Flughafen schnellstens beseitigten will: „Die langen Fahrzeiten mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Innenstadt entpuppen sich zusehends als Wettbewerbsnachteil für unseren Flughafen“, erklärt Flughafensprecher Ingo Anspach. Das bisherige Expresszug-Konzept setzt den 2. Stammstreckentunnel und eine weitere Röhre in Daglfing voraus. Anspach: „Man ist aber nicht in der Lage, dafür ein Zieldatum zu benennen. Wir können aber nicht weiter warten.“

"Flughafenexpress" soll über Westachse fahren

Nun soll also möglichst ein Zug auf der Westachse fahren. Das bislang geheime Projekt sieht laut Anspach so aus: „Der Flughafenexpress startet in der Haupthalle des Hauptbahnhofs, damit unsere Fluggäste direkt vom Fernverkehr umsteigen können.“ Dann sind nur noch je ein Halt in Feldmoching und Neufahrn geplant, um Umsteiger von S- und U-Bahn mitnehmen zu können. Dieser Zug könnte in 20 Minuten vom Hauptbahnhof am Terminal sein. Anspach will eigene Züge anschaffen: „Wir denken an Zugmaterial, wie es der Heathrow-Express in London verwendet mit großen Gepäckabteilen und Anzeigetafeln für die Abflüge.“ Wer den Zug betreiben soll, steht nicht fest, möglichweise tut es der Flughafen selbst. Auch um einen Finanzierungsbeitrag wird er kaum herumkommen.

Allerdings gibt es ein Problem: Auf der Strecke gibt es vier Bahnübergänge, an denen die Bürger schon jetzt im Schnitt 35 Minuten pro Stunde an geschlossenen Schranken stehen. Jetzt fahren dort 240 Züge am Tag, bei einem Zehn-Minutentakt des Flughafen-Express kämen weitere 120 hinzu. Allerdings hat die Stadt dieses Thema schon längst in Angriff genommen: Der am meisten frequentierte Bahnübergang in der Feldmochinger Straße soll eine Unterführung bekommen, die in vier Jahren fertig sein könnte. Auch an zwei weiteren Übergängen wird schon geplant. Bleibt das Lärmproblem. Anspach verweist zwar darauf, dass Personenzüge nicht laut sind. Feldmochings Bezirks-Chef Markus Auerbach (SPD) mahnt aber bereits an: „Wenn dieser Express kommt, muss ein vollwertiger Lärmschutz her.“

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