Dachauer: So ist mein Job als Aktmodell

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Für die Kunst: Matthias Metz aus Dachau lässt als Model alle Hüllen fallen

Dachau - Wie viel Mut braucht man, um sich vor anderen nackt auszuziehen? Gar keinen. Nur Liebe zur Kunst, sagt Mathias Metz aus Dachau. Und der muss es wissen. Matthias posiert als Aktmodell.

Im Saunakostüm auf einer dunklen Decke liegen und posieren ist wirklich nicht jedermanns Sache. Vor allem dann nicht, wenn ein Kreis aus Neugierigen einen anstarrt. Und festhält. Auf Leinwand. Wer so was aushält, muss ein Don Juan sein, ein Casanova, ein Chuck Norris. Matthias ist aber einfach nur Mathias. Ziemlich schüchtern nämlich. Nichts da von wegen „nur die Harten kommen in den Garten“ Bruce-Willis-Manier.

Das Dachauer Akt-Modell und die Bilder

Bilder: Das Dachauer Akt-Model und die Bilder

Aber so schüchtern Matthias Metz ist, so ein großer Kunstfan ist er. Deshalb macht dem 26-Jährigen das Aktmodeln sogar mittlerweile richtig Spaß. Unangenehme, peinliche Stille, während die andren seinen Körper zeichnen? Von wegen! „Wenn man gar nichts hört, außer die Bleistifte, wie sie übers Papier fahren, das ist einfach super“, erzählt Mathias.

Kritz, Kratz,  -  ein Bild entsteht

Harte Kratzer, schnelle Fahrer, filigrane, zarte, zögerliche Striche. Wenn er dann nackt auf seiner Decke steht und zwei Heizstrahler verhindern, dass Matthias in dem kleinen Atelier friert, liebt er es, sich vorzustellen, welches Bild hinter den verschiedenen Geräuschen entsteht. Denn davon hat er keine Ahnung. „Beim freien Aktzeichnen kann jeder machen, was er will.“ Deshalb weiß Matthias auch nie, auf was sich die Maler gerade konzentrieren. Auf seinen ganzen Körper, seine Bauchmuskeln, oder die kleine Falte, die sich zwischen Hüfte und Bein bildet, wenn er im Liegen den Oberschenkel anwinkelt.

Was tun wenn der Arm einschläft?

 Doch mit ein bisschen in der Gegend rumstehen oder auf der Decke liegen hat es sich bei so einem Modelljob noch lange nicht. „Eine Pose richtig lange halten ist schon anstrengend. Fies ist auch, wenn einem der Arm einschläft.“ Aber wenn’s kribbelt muss Professionalität eben kurz warten. Und die Maler. Dann gibt’s fünf Minuten Pause. So lange hält Matthias auch grob immer eine Pose. „Dann sag ich: ’Noch eine Minute’ und überleg mir dann was Neues.“ Live dabei sein, wenn Kunst entsteht ist „ein irres Gefühl“, findet Mathias.

Überall und immer Künstler

Denn er ist eben nicht nur vor oder auf der Leinwand Künstler, sondern auch dahinter. Er studiert Bühnen und Kostümbild. Sieht in Dingen die andere achtlos in den Mülleimer werfen nur eines: ein Kunstwerk. Er schafft aus alten Pappschachteln, Eierkartons, und Milchtüten etwas Neues. Und lässt es dann zum Leben erwachen. Wie die kleinen Roboter, die er aus Müll geformt hat. Er hat mit ihnen ein Video gedreht. Durch viele, viele, viele aneinandergereihte Fotos sieht es so aus, als würden die bunten Maschinenmänner wirklich miteinander boxen. Matthias Kunst ist ein Appell gegen die Wegwerfgesellschaft. „Wir müssen nur ein bisschen nachdenken, was man aus den Dingen noch machen kann“, sagt er. „Meistens kommt dabei nämlich wirklich etwas Gigantisches heraus.“

Nachfragen Fehlanzeige

Was allerdings bei den Aktzeichnungsstunden der Dachauer Künstlervereinigung raus kommt, weiß Matthias nicht. Auch im Nachhinein hat er keine Ahnung, was die Hobby-Küntsler auf ihrer Leinwand verewigt haben. Nachfragen: Fehlanzeige. „Das wär mir irgendwie zu peinlich“, sagt er. Aber wer Matthias jetzt auf Bildern irgendwo in Dachau sucht, der sucht vergeblich. Das verschmitzte Lächeln hinter dem Bart des jungen Künstlers ist auf keinem Gemälde zu sehen.

Christiane Breitenberger

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