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Akute Brandgefahr! Alarmstufe Rot in Wäldern nahe München - Diese Tipps sollte jeder kennen

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Von: Helmut Hobmaier

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Es besteht akute Wald- und Flächenbrandgefahr in den Wäldern im Kreis Freising. Alarmstufe Rot herrscht auch bei der Feuerwehr.

Landkreis – Es macht „plopp“ – und Alfred Fuchs schaut verwundert auf sein Hemd: Dort glitzert ein Harztropfen, der gerade von einem Baum gefallen ist. Ein Alarmzeichen. „Bei etwa 35 Grad verflüssigt sich das Harz in den Zapfen und tropft runter“, berichtet der Leiter des Forstbetriebs Freising, der gerade auf Inspektionsgang ist. Und das Harz ist hochbrennbar.

Es verschärft die ohnehin brandgefährliche Lage im Forst: „Die ersten paar Zentimeter Waldboden sind wirklich knochentrocken“, sagt Fuchs und zeigt Brennnesselstauden, die sich kraftlos nach unten neigen. Selbst Springkraut macht schlapp. Und die Äste, das Laub und die Nadeln auf dem staubtrockenen Waldboden: Das alles brennt wie Zunder, wie Fuchs weiß. Zusammen mit Harz eine explosive Mischung. Ein weggeworfenes Zündholz, eine Zigarettenkippe – und alles brennt lichterloh.

So kann man Brände in Wald und Flur verhindern

- Rauchen, offenes Feuer oder Grillen ist von 1. März bis 31. Oktober in den Wäldern in ganz Deutschland verboten und auch in allen anderen Vegetationsbereichen zu unterlassen, insbesondere dann, wenn es dort trocken ist. Dafür befestigte Plätze mit ausreichend großen, nicht brennbaren Bodenflächen benutzen.

- Jeder Verdacht auf ein Feuer sollte sofort über die Notrufnummer 112 gemeldet werden. Je früher ein Brand entdeckt wird, umso schneller kann er noch mit dann guter Aussicht auf Erfolg bekämpft werden.

- Den Ort des Feuers möglichst genau angeben. Dazu kann man auch das Mobiltelefon beziehungsweise die Standortfunktion benutzen.

- Land- und Forstwirte sollten Löschmöglichkeiten am Fahrzeug mitführen (Feuerlöscher) und die Maschinen und deren Motoren vor und nach der Arbeit überprüfen, um etwa verschmutzte Filter oder defekte Hydraulikschläuche zu wechseln. Während der Arbeit Geräte und Maschinen beobachten und bei Problemen (steigenden Temperaturen, Warnungen etc.) die Arbeit unterbrechen, den trockenen Bereich verlassen und auf einem Weg oder einer unbewachsenen Stelle die Maschine kontrollieren.

- Größere oder abgelegene Arbeitsbereiche sollten zum Beispiel bei der Feldarbeit mit einem Traktor mit Grubber und im Wald oder Buschbereich mit einem Wasserfass begleitet werden. So können bei einem Feldbrand die nicht betroffenen Bereiche mit einem Schutzstreifen gesichert werden und das Feuer kann von der Feuerwehr schneller bekämpft werden.

- Zur frühzeitigen Erkennung von Wald- und Flächenbränden hat die Regierung von Oberbayern zudem Luftbeobachtungsflüge angeordnet.

Quelle: Landratsamt Freising mit Informationen des Deutschen Feuerwehrverbands und der Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes

Waldbrand in Oberbayern: Höchste Stufe beim Gefahrenindex

Für Forstleute und Feuerwehren herrscht Alarmstufe rot: Wegen der anhaltenden Trockenheit und der großen Hitze ist im Landkreis die Gefahr von Wald- und Flächenbränden akut. Der Waldbrandgefahrenindex und der Graslandfeuerindex des Deutschen Wetterdienstes zeigen für weite Teile Bayerns und den Landkreis Freising die zweithöchste bis höchste Stufe an, wie das Landratsamt meldet. Pressesprecher Robert Stangls „eindringlicher Appell an alle Waldbesucher“ lautet, „größtmögliche Vorsicht walten zu lassen“ und keinesfalls im Wald zu rauchen oder zu grillen.

Brand: Waldränder sind absolute Gefahrenzonen

Dem stimmt Alfred Fuchs aus ganzem Herzen zu: „Vor allem sind auch die Waldränder ein absoluter Gefahrenherd“, weiß der Chef des Forstbetriebs. Dort sei längst das Gras vertrocknet und alles knochentrocken: „Wer dort parkt, um schnell mal eine Zigarette zu rauchen, begeht einen Riesenfehler und kann einen folgenschweren Brand verursachen“, warnt Fuchs. Blitzschnell würden dann die Flammen auf den Wald oder auch angrenzende, abgeerntete Getreidefelder übergreifen. Wer glaubt, so dumm, am oder im Wald zu rauchen, sei inzwischen niemand mehr, der irrt: „Leider halten sich immer noch viele Leute nicht an das absolute Rauchverbot im Wald, das bis Ende Oktober gilt“, ärgert sich Fuchs (siehe Kasten). Für systematische Kontrollgänge im Wald fehlt ihm freilich das Personal.

Die Polizei entdeckte ein Feuer im Wald vom Hubschrauber aus

Ist es einmal passiert und die Flammen züngeln, zählt jede Sekunde: Je schneller die Feuerwehr alarmiert wird, umso rascher kann der Brand eingedämmt werden, weiß Fuchs aus Erfahrung. So entdeckte vor einigen Jahren die Besatzung eines Polizeihubschraubers, der eigentlich wegen eines Staus auf der A 9 im Einsatz war, einen beginnenden Waldbrand, den die Feuerwehr in kurzer Zeit löschen konnte. Brandursache: Ein Autofahrer war in den Wald gefahren, um sich am Gaskocher Essen warm zu machen.

Regierung ordnete Beobachtungsflüge über Bayerns Wälder an

„Da es bei uns viel Flugverkehr gibt, hoffen wir, dass Brandherde auch schnell aus der Luft erkannt werden“, sagt Alfred Fuchs. Zur frühzeitigen Erkennung von Wald- und Flächenbränden habe die Regierung Luftbeobachtungsflüge angeordnet. Die Feuerwehren im Landkreis seien dann immer sehr schnell vor Ort, lobt Fuchs. „Auf die kann man sich absolut verlassen.“

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Trainiert wird jetzt schon. So hat die „Arbeitsgruppe Waldbrand“ der Kreisbrandinspektion Freising gerade bei Zolling unter der Leitung von Kreisbrandmeister Johannes Neumair mit dem eigens angeschafften Rollcontainer „Waldbrand“ im Zollinger Wald geprobt.

Das war noch eine Übung. Unmittelbar nach dem Gespräch mit dem Tagblatt ging bei Forstbetriebschef Fuchs eine Alarmmeldung ein: Brand im Inhauser Moos bei Haimhausen. Das Feuer war schnell erkannt worden – und daher auch schnell gelöscht.


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