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Mädchen (17) erwacht auf Feld nahe München: Rätselhafter Vorfall überschattet Jubiläumsfest

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Von: Stefanie Zipfer, Christiane Breitenberger

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Eine Unart, die Festveranstalter seit Jahren beobachten: Teilnehmer trinken massenhaft selbst mitgebrachten Alkohol. Wie hier eine Cocktailmischung auf einem Bollerwagen.
Eine Unart, die Festveranstalter seit Jahren beobachten: Teilnehmer trinken massenhaft selbst mitgebrachten Alkohol. Wie hier eine Cocktailmischung auf einem Bollerwagen. © ost

Das Jubiläum des katholischen Burschen- und Madlvereins Langenpettenbach hat ein polizeiliches Nachspiel. Weil ein Mädchen stundenlang ohne Bewusstsein auf einer Wiese lag, ermittelt die Kripo.

Langenpettenbach – Nach zwei Jahren Coronapause waren die Jugendlichen aus Langenpettenbach und Umgebung offensichtlich ausgehungert. Sie wollten sich feiern, das Leben und ihren Verein: den katholischen Burschen- und Madlverein Langenpettenbach.

Allerdings schien das große Jubiläum in Langenpettenbach, zumindest am Sonntag, dann doch ein bisschen auszuarten. Wie viele Zeugen und Teilnehmer berichten, floss bereits ab Vormittag der Alkohol in rauhen Mengen. Das, was eine 17-Jährige getrunken und was ihr anschließend – unter Umständen – zugestoßen ist, beschäftigt nun sogar die Kripo.

Möglicher sexueller Misbbrauch bei Jubiläum des Burschenvereins und Mädchenvereins Langenpettenbach?

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt gestern mitteilte, war ein junges Mädchen am Sonntag insgesamt drei Stunden abgängig. Woran sie sich erinnert: dass sie am Vormittag sehr viel Bier getrunken hat. Und dass sie gegen 18 Uhr in einem Feld, mehrere hundert Meter vom Festplatz entfernt, aufgewacht ist.

Was sie dagegen nicht weiß: Wie sie auf das Feld gekommen ist, wo und mit wem sie die Stunden von 15 bis 18 Uhr verbracht hat und warum, als sie im Feld aufgewacht war, Teile ihrer Kleidung verschoben waren.

Polizei: „Keine offensichtlichen Hinweise auf eine Vergewaltigung“

Der Polizeisprecher betont: „Es gibt keine offensichtlichen Hinweise auf eine Vergewaltigung.“ Auch habe eine an dem Mädchen vorgenommene gerichtsmedizinische Untersuchung ergeben, dass der Teenager außer Alkohol „keine berauschenden Mittel“ zu sich genommen hat.

Deshalb gebe es für den Zustand des Mädchens nun drei mögliche Erklärungen. Erstens: Die 17-Jährige war angetrunken und auf dem Feld eingeschlafen. Zweitens: Sie hatte ein einvernehmliches Stelldichein mit einem unbekannten jungen Mann. Oder, drittens: Es kam zu einem Sexualdelikt.

Kripo ermittelt und bittet um Zeugenhinweise: „Uns soll kein Delikt durch die Lappen gehen“

Die Kripo bittet daher dringend um Zeugenhinweise. „Wir möchten nichts ausschließen. Uns soll kein Delikt durch die Lappen gehen“, betont der Sprecher. Gleichzeitig möchte er aber auch nicht eine ganze Festgesellschaft unter Generalverdacht stellen.

Viele Zeugen dürften jedoch Schwierigkeiten haben, sich an den Festsonntag zu erinnern. Schon vor dem Gottesdienst, der am Sonntag um 9 Uhr begonnen habe, sei Bier ausgeschenkt worden. Wie Augenzeugen beobachteten, habe eine Gruppe von 250 bis 300 Personen sich die Masskrüge mit vor das Zelt genommen und dort getrunken, während im Festzelt die Masskrüge verschwanden, wie es zu Gottesdiensten im Festzelt üblich ist.

Exzessiver Alkoholkonsum beim Jubiläumsfest in Langenpettenbach

Zum Festzug, der um 14 Uhr startete, hatten manche Gruppen mehrere Träger Bier dabei, andere zogen auf Leiterwagerl große Kanister mit selbstgemischten alkoholischen Getränken mit. „Einige Besucher waren wankten schon während des Umzugs stark und waren sichtlich betrunken“, beobachtete ein Besucher.

Nach dem Umzug waren vor allem die beiden Bars stark belagert, während sich das Festzelt – vermutlich auch aufgrund der hohen Temperaturen – nach und nach leerte. Gegen 18 Uhr, als sich das Fest dem Ende zuneigte, seien laut der Augenzeugen auf dem Weg zum Festzelt mehrere Alkoholleichen gelegen. Mit dem Alkoholpegel stieg bei manchen auch die Gewaltbereitschaft: Mindestens fünf Bierbänke seien zerstört worden.

Stimmung laut Indersdorfer Bürgermeister „gemütlich, zünftig und normal“

Auch der Indersdorfer Bürgermeister Franz Obesser, der die Stimmung am Donnerstag, Freitag und Samstag als „gemütlich, zünftig und normal“ beschreibt, bemerkte am Sonntag bereits mittags: Die Stimmung kocht. „Für meine Bedürfnisse war das schon zu extrem.“ Die Veranstalter hätten gut reagiert, die Musik runtergedreht, die allgemeine Stimmung im Zelt habe sich beruhigt. Doch eben nicht bei allen. „Es gibt bei jedem Fest die 50 oder 100 Wahnsinnigen, die man lieber nicht dabeihätte.“

Was Obesser hingegen wirklich stört, ist eine „Unart, die ich schon seit ein paar Jahren beobachten kann“: Immer wieder kommt es vor, dass junge Leute ihren eigenen Alkohol, zum Teil mit Schnaps, zu solchen Umzügen mitbringen. Da verwundere es nicht, dass es auch „viele stark Betrunkene gab“. Da könne ein Veranstalter noch so gut vorsorgen und kontrollieren. Er zollt den Organisatoren Respekt für diese „ganz besondere Veranstaltung“. Dass die jungen Leute „endlich wieder weggehen wollen“, wie Obesser es formuliert, erkennt übrigens sogar die Polizei an.

Laut Veranstalter alles für Sicherheit der Besucher getan

Julia Obesser, Vorsitzende des Madlvereins, gibt auf Nachfrage an, von dem Zwischenfall am Sonntagnachmittag nichts mitbekommen zu haben. Sie betont allerdings, dass von Veranstalter-Seite alles getan worden sei, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.

Das Festgelände sei eingezäunt gewesen, ein Security-Dienst sei engagiert worden und im Bar-Zelt habe es Alterskontrollen gegeben, die sicherstellen sollten, dass Schnaps nur an über 18-Jährige ausgeschenkt wird. Ja, gibt sie zu, während des Festzugs sei Alkohol getrunken worden. „Aber das war nicht von uns. Im Umzug können wir es nicht kontrollieren, darauf haben wir keinen Einfluss.“ Sie hofft nun, dass sich das unklare Vorkommnis mit der 17-Jährigen bald aufklärt. Denn ansonsten, so Obesser, war es ein „wirklich friedliches Fest“!

Kripo sucht Zeugen

Zeugen, die Hinweise zu dem Fall geben können, denen das 17-jährige Mädchen aufgefallen ist, wie sie – möglicherweise in Begleitung – die Festwiese verlassen hat oder die die schlafende Jugendliche auf dem Feld bemerkt haben, melden sich bitte bei der Kripo in Fürstenfeldbruck unter Telefon 0 81 41/61 20.  

Josef Ostermair, Stefanie Zipfer, Christiane Breitenberger

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