Alles Käse – dieser Prozess

München - Die Firma Bergader verhilft einem Konkurrenten zu mehr Popularität. Per Klage sollte ein Käse aus den Regalen verbannt werden. Jetzt kam's zum Gerichtsduell Weichkäse gegen Hartkäse.

Er riecht würzig, hat einen feinen nussigen Geschmack und ist fest im Biss: Der „Urige Bergler“, eine Spezialität der Schönegger Käse-Alm in Prem (Kr. Weilheim-Schongau), ist bislang vor allem in der Region bekannt.

Wenn dies sich bald ändert, verdankt dies Firmenchef Sepp Krönauer auch der mächtigen Konkurrenz: Die Firma Bergader in Waging am See wollte ihm den Namen „Bergler“ verbieten lassen. Wegen der Verwechslungsgefahr.

Die Firma Bergader (Bergader Edelpilz, Bavaria Blu, Bergader Almkäse etc.) präsentiert sich im ihrer Homepage als „das führende deutsche Unternehmen an der Käsetheke“. Den rasanten Aufstieg der einst kleinen Privatkäserei verdankt Firmengründer Basil Weixler ausgerechnet einem verlorenen Prozess. Er hatte in den 20er Jahren einen „Gebirgs-Roquefort“ auf den Markt gebracht, zum Zorn der Hersteller des französischen Originals.

Auf der Bergader-Homepage heißt es: „Den darauf folgenden Gerichtsprozess hat Basil Weixler zwar verloren, jedoch stieg seine Popularität aufgrund der ausführlichen Berichterstattung in der Presse.“

Nun verhilft Bergader selbst einem Konkurrenzbetrieb ungewollt zu mehr Popularität. Per Klage sollte der „Bergler“ aus den Regalen verbannt werden. Weil es so ähnlich klinge.

Weichkäse gegen Hartkäse - gibt’s da überhaupt eine Verwechslungsgefahr? Ja, behaupten die Kläger-Anwälte: „Der Verbraucher sieht den Unterschied nicht.“

Bei der 33. Handelskammer des Landgerichts München I kamen diese Argumente nicht an. „Wir sehen keine Verwechslungsgefahr“, führte die Vorsitzende Brigitte Pecher aus. Der Begriff „Berg“ werde häufig für Käse gebraucht und sei deshalb nicht schützbar.

Dennoch riet die Richterin zu einem Vergleich, den die streitenden Parteien (widerruflich) akzeptierten: Der Name „Bergler“ steht auch künftig nur für Hartkäse, dafür ist die Klage vom Tisch. Sepp Krönauer wäre es dennoch lieber gewesen, es hätte keinen Prozess gegeben: „Schade, dass Bergader gegen einen kleinen Betrieb vorgeht.“

Sein dem Bergkäse ähnlicher Bergler stamme übrigens wirklich aus den Bergen, nämlich aus einem Zweigbetrieb im Bregenzerwald.

Von Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © dpa

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