Alpenverein: Kritik prallt am neuen Präsidenten ab

+
Wofür steht der DAV? Wer sind wir? Präsident Josef Klenner will wieder für ein „sachliches Klima“ sorgen. Eine Projektgruppe soll das Leitbild des Verbands auf den Prüfstand stellen

München - Der DAV macht weiter wie bisher: Nach heftigem Zank in den eigenen Reihen und reichlich Negativ-Schlagzeilen hat sich der neue Präsident des Alpenvereins erstmals der Presse gestellt.

Statt Selbstkritik gab es am Mittwoch Selbstlob.

Lesen Sie auch:

Alpenverein auf Gratwanderung: Streit schwelt

„Hier klebt noch Blut an der Decke“, flüstert ein Zuhörer bei der Pressekonferenz am Mittwochabend in München. Es ist derselbe Raum, in dem im Juli der Streit eskaliert war. Hier warf Ex-Präsident Heinz Röhle sein Amt hin. Spätestens seither brodelt es im DAV.

Wo es begann, soll es offenbar auch enden – zumindest der Streit, die Führungskrise, die schlechte Presse. Josef Klenner, der neu gewählte Präsident, will endlich die Wogen glätten. Und das so schnell wie möglich.

Kritikpunkt eins wird schnell abgebügelt: Die Kooperation des Alpenvereins mit Toyota samt Aufforderung an die Sektionen, doch bitteschön gemeinsame Aktionen mit dem örtlichen Autohändler zu starten (tz berichtete). Viele an der Basis gingen auf die Barrikaden. Geschäftsführer Thomas Urban verteidigt am Mittwoch aber erneut die Kooperation: „Das ist praktikabler Naturschutz“, so Urban. Toyota stehe für Autos, die wenig CO2 ausstoßen. Und zum Berg-Sport gehöre die Anfahrt mit dem Auto eben dazu. Außerdem habe man den Sektionen nichts vorgeschrieben, sondern nur etwas vorgeschlagen. „Wir stehen hinter dieser Partnerschaft“; betont Urban. Zumindest bis Ende 2011, dann läuft der Vertrag mit dem japanischen Autobauer nämlich aus.

Ein anderer Streit könnte den Verband noch deutlich länger beschäftigen: Die Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018. Der Bund Naturschutz und auch DAV-Mitglieder fürchten, dass der Umweltschutz bei der Mammut-Veranstaltung zu kurz kommt. Ex-Präsident Röhle hatte sogar gedroht, die Bewerbung Münchens nicht weiter zu unterstützen.

Das ist jetzt vom Tisch. Klenner bekennt sich klar zu den Spielen – unter bestimmten Bedingungen. „Wir beteiligen uns, um Einfluss zu nehmen“, so der Präsident. „Wir wollen nicht nur danebenstehen und Nein sagen.“ 18 Naturschutzprojekte habe man fest in der Bewerbung verankern können.

Beispielsweise die Vernetzung der vorhandenen Naturschutzgebiete mit Trittsteinen oder die Erkundung und Beschilderung umweltverträglicher Skitouren. Auch die Finanzierung solcher Projekte stehe schon zu 95 Prozent. „Die Bewerbung trägt unsere Handschrift“, lobt Klenner den eigenen Verband. Unterm Strich werde die Natur sogar von den Spielen profitieren.

Und warum gibt es dennoch so viele aus den eigenen Reihen, die immer wieder Streit anzettelten? „Es gibt keinen Verband, kein Unternehmen, keine Familie, wo alle immer der gleichen Meinung sind“, sagt Klenner. Ob die Verbands-Spitze auch Fehler gemacht hat? Präsident und Geschäftsführer weichen aus. Bei der substanziellen Arbeit sei man sich immer einig gewesen. Nur „persönliche Unstimmigkeiten“, ja, die habe es gegeben.

Die Kritik von der Basis scheint folgenlos abzuprallen – zumindest vorerst. Eine 14-köpfige Projektgruppe soll jetzt das eigene Leitbild überprüfen. Die Debatten innerhalb des Verbandes über seine Ausrichtung seien richtig, betont Urban. Nur völlig „unstrukturierte Diskussionen, die bringen niemanden weiter“.

Tom Schmidt

auch interessant

Meistgelesen

Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los
Dutzende Pendler sauer: Zugführer fährt ohne Fahrgäste los
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Ein Streich der Extraklasse: Sie bauten das Schneeauto - Video
Ein Streich der Extraklasse: Sie bauten das Schneeauto - Video

Kommentare