Rückblick auf Januar 2019

Als das Tölzer Land im Schnee versank: Ein Jahr nach dem Katastrophenfall

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Insgesamt 3347 Kräfte waren während des K-Falls im Landkreis im Einsatz – auf dem Foto schaufeln sie das Dach der Turnhalle des Tölzer Gymnasiums ab.

Vor einem Jahr versank der Landkreis im Schnee. Fünf Tage galt der Katastrophenfall. Drei Tote gab es zu beklagen. Mehr als 3000 Einsatzkräfte schaufelten vor allem Dächer ab. Über Tage fuhr kein Zug, einige Straße waren gesperrt, die Schule fiel aus.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Der heftige Schneefall beginnt am 5. Januar. Es ist nicht nur die pure Masse, Probleme bereitet vor allem, dass der Schnee so nass und damit sehr schwer ist. Bäume knicken um, Straße müssen gesperrt werden. Wegen umgestürzter Bäume gibt es auf den Strecken der BOB die ersten Probleme. Auf der B472 verliert ein 19-Jähriger, der als Beifahrer in einem Auto sitzt, bei einem Unfall auf der schneeglatten Straße sein Leben.

Die Örtliche Einsatzleitung (re. Kreisbrandrat Alfred Schmeide) bezog im Landratsamt Stellung.

Den zweiten Toten gibt es nur einen Tag später zu beklagen. Ein Tourengeher wird am Dreikönigstag am Blomberg von einem Baumwipfel, der unter der Schneelast abgebrochen war, erschlagen. Die Wege am Blomberg werden daraufhin komplett gesperrt. Es wird Wochen dauern, bis dort der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

An allen Schulen im Landkreis fällt der Unterricht aus

Am 7. Januar fällt bereits an einigen Schulen der Unterricht aus, einen Tag später schließen alle Schulen. Das Problem ist die Schneelast, die auf viele Dächer drückt. In Icking erreicht man auf der Turnhalle mit 145 Kilo pro Quadratmeter fast die zulässige Höchstlast von 150 Kilogramm. Zudem türmen sich dort so hohe Schneeberge rund um die Schule, dass sich die Notausgänge nicht mehr öffnen lassen. Etwas entspannter ist die Lage im südlichen Landkreis – nicht weil dort weniger auf den Dächern liegt. Diese sind aber auf höhere Schneelasten ausgelegt. Die höchsten Werte gibt es auf der FOS/BOS. 155 Kilo pro Quadratmeter werden gemessen. Ausgelegt ist das Dach aber auf 200 Kilo.

Staatsstraße in den Jachenau ist nicht mehr passierbar

Die Staatsstraße in die Jachenau ist seit Tagen gesperrt, weil Bäume auf die Fahrbahn gefallen sind. Sie zu beseitigen, ist nicht möglich, weil weitere Bäume umzustürzen drohen. Erst am 11. Januar wird mit Hilfe eines Hubschraubers der Schnee praktisch von den Ästen geblasen. Bis dahin ist die Gemeinde nur über die schmale Straße am Walchensee erreichbar. Die Feuerwehr sorgt für Nachschub im Dorfladen, das BRK stationiert vorsichtshalber einen Rettungswagen samt Besatzung im Dorf.

Am 8. Januar schließen die Lifte am Brauneck wegen der hohen Schneelasten auf den Bäumen an den Lifttrassen. Erst am 15. Januar laufen dort wieder alle Anlagen. Immer mehr Gebäude im Landkreis werden gesperrt, vor allem in Geretsried ist die Lage prekär. Die Stadt richtet Sperrzonen an Gebäuden ein. Auch für den Stadtwald und den Friedhof gilt ein Betretungsverbot.

Um 22.37 Uhr ruft Landrat Josef Niedermaier  den Katastrophenfall aus

Am 10. Januar, an dem es von morgens bis abends schneit, bricht auch der Schienenersatzverkehr der BOB zusammen. Weitere Schneefälle sind für die kommenden Tage angesagt. Um 22.37 Uhr ruft Landrat Josef Niedermaier schließlich den Katastrophenfall aus – „nachdem neben der Gemeinde Jachenau, die bereits seit Beginn der Woche im Fokus steht, nun auch insbesondere die Gemeinden Dietramszell, Icking, Geretsried, der Ortsteil Fall und der Ortsteil Walchensee mit den Schneemassen kämpfen“, heißt es in der Pressemitteilung. Im Landratsamt laufen ab sofort alle Fäden zusammen. Die Einsatzleitung bezieht den Kleinen Sitzungssaal. Von dort wird alles koordiniert. 3347 Kräfte sind insgesamt im Einsatz – darunter Feuerwehr-Hilfekontingente aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, Stadt und Landkreis Straubing, aus Rottal-Inn und Kelheim, Feuerwehr-Führungskräfte aus dem Landkreis München und von der Staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried, Kräfte von BRK und Bergwacht, THW, Bereitschaftspolizei und Gebirgsjäger aus Mittenwald. In erster Linie müssen Dächer geräumt werden. Sechs Helfer werden dabei leicht verletzt.

Tödlicher Unfall überschattet alles

Erst seit vier Tagen offiziell im Amt ist zum Zeitpunkt des K-Falls Kreisbrandrat Alfred Schmeide. „Ich hätte mir den Einstand ein bisschen ruhiger vorstellen können“, sagt er rückblickend. Dietramszell, Icking und Geretsried seien die Einsatzschwerpunkte gewesen. Alles in allem – so seine Bilanz – „ist es gut gelaufen. Was mir gefallen hat, war der Zusammenhalt der verschiedenen Rettungsorganisationen“. Dass viele Kräfte aus anderen Regionen Bayerns kamen, „war eine besondere Erfahrung. Es sind Freundschaften entstanden, die immer noch gepflegt werden“, sagt Schmeide. Positiv in Erinnerung ist dem Kreisbrandrat auch der Besuch von Markus Söder am 12. Januar. „Dass ein Ministerpräsident zur Lagebesprechung kommt – das hat man ja nicht oft.“ Überschattet wird alles allerdings von einem tragischen Unfall in Vorderriß am 11. Januar, bei dem Schneepflugfahrer Hans Kiefersauer ums Leben kommt.

In den folgenden Tagen normalisiert sich die Lage im Landkreis Stück für Stück. Die meisten öffentlichen Gebäude, Schulen und Turnhallen sind von der Schneelast befreit. Am Vormittag des 15. Januar erklärt der Landrat den K-Fall für beendet. Tags darauf öffnen die Schulen wieder. Die BOB nimmt langsam den Betrieb wieder auf.

Die Kosten des K-Falls: Über eine halbe Million Euro

Wie viel der Katastrophenfalls gekostet hat, steht ein Jahr später immer noch nicht ganz fest. „Uns fehlen noch die Abrechnungen von THW und Bundeswehr“, sagt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid auf Anfrage. Die Ausgaben des Landkreises sowie der 21 Städte und Gemeinden belaufen sich auf rund 500 000 Euro. Rechnungen in dieser Höhe hat das Landratsamt jedenfalls bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Wie viel davon tatsächlich erstattungsfähig ist, werde sich, so Schmid, aber erst noch zeigen müssen.

Das Schneechaos im Live-Ticker „Tölz live“ zum Nachlesen.

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