Altenpfleger vor Gericht: Geld unterschlagen

München - Weil ein Altenpfleger ein dementes Ehepaar beklaut hat, muss der 39-Jährige sich jetzt wegen Unterschlagung vor dem Landgericht München verantworten.  

Zum Auftakt des Prozesses gab der Mitarbeiter eines Diakonievereins am Tegernsee zu, ein dementes Ehepaar um 200.000 Euro gebracht zu haben. Er habe die betagten Eheleute überredet, ihm ein Kuvert mit dem Geld zu geben, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Bedenken wegen der mutmaßlichen Geschäftsunfähigkeit des Paares - die Eheleute waren dement und fast 90 Jahre alt - habe er “zurückgestellt“. Im Gegenzug für das Geständnis stellten die Richter ihm eine Bewährungsstrafe zwischen 22 und 24 Monaten in Aussicht. Das Urteil wird voraussichtlich am Mittwoch gesprochen.

Der Altenpfleger hatte seinen ambulanten Dienst bei dem Ehepaar im März 2008 angetreten und schon bald beobachtet, dass in einem Schrank im Schlafzimmer das Geld-Kuvert aufbewahrt wurde. Er habe die altersbedingte Willensschwäche und die voranschreitende Demenzerkrankung der Opfer ausgenutzt, um an das Geld zu gelangen, heißt es in der Anklageschrift, die von 250 000 Euro Schaden ausging. Es handelte sich um einen Bruchteil des Vermögens der Eheleute, das der Mann durch die Fabrikation von Christbaumschmuck, Werbeartikeln und Kunstdrucken “mit außerordentlichem Fleiß und Sparsamkeit“ in Jahrzehnten erwirtschaftet habe, sagte der Sohn.

“Dass das Ganze aufgeflogen ist, war reiner Zufall“, so der 54-Jährige. Er erfuhr von Schwarzgeld, das der inzwischen verstorbene Vater in den 1960er-Jahren “wie jeder gute Geschäftsmann“ gehortet hatte und bewegte den alten Mann zu einer Selbstanzeige. Bei der Durchsicht der Kontenbewegungen der letzten Jahre stieß er auf Barabhebungen in insgesamt sechsstelliger Höhe. Seiner stets kurz gehaltenen Mutter “war es ein Herzensbedürfnis, jetzt im Alter endlich Geld zu haben“, sagte der Sohn. Sie habe ihm das Kuvert mit den Scheinen gezeigt, das der Angeklagte später an sich genommen hat.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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