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Bahnhof soll endlich Toilette bekommen: Anwohner sehen „mehr nackte Hintern als auf Usedom“

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Rede und Antwort stand Bürgermeister Michael Reiter in Altomünster.
Rede und Antwort stand Bürgermeister Michael Reiter in Altomünster. © gh

Mit 43 Bürgern und neun Gemeinderäten war die Bürgerversammlung in Altomünster im Gewölbe des Kapplerbräu überaus gut besucht. Und es wurde nach Bekanntgabe der neuesten Daten aus der Gemeindearbeit, die Bürgermeister Michael Reiter den Zuhörern präsentierte, fleißig und zum Teil hitzig diskutiert.

Altomünster ‒ Einen ganzen Fragenkatalog hatte Peter Erhorn wieder einmal dem Bürgermeister schon im Vorfeld zukommen lassen. Dieser wollte ihn aber in der Versammlung nicht „abarbeiten“, weshalb sich der Wortführer auf ein paar Punkte beschränken musste.

Bürgerversammlung in Altomünster: Forderung nach einer Verbindungsstraße

So konnte Peter Erhorn nicht verstehen, warum man nicht eine Verbindungsstraße vom Klosteracker am Sandgrubenfeld in Richtung Schauerschorn geplant habe. Dies wäre nicht nur eine Erleichterung fürs Gewerbegebiet, sondern vor allem eine Entspannung auch für die Stumpfenbacher Straße, findet er.

„Dafür hätte die Siedlung dann wesentlich mehr Verkehr, und wir wollten auf keinen Fall hier eine Durchgangsstraße schaffen“, konterte der Bürgermeister. Deshalb wurde der entsprechende Antrag der Bürger im Gemeinderat auch abgelehnt. Als allzu massive Bauweise empfand Erhorn die von einem Investor in der Siedlung geplanten 36 Doppelhaushälften. Das Areal sei von der Kirche auf Erbpacht vergeben, da habe die Gemeinde keinen Zugriff, sagte Reiter.   

Gesundheitsminister Holetschek hat sich in Dachau über den akuten Arzneimittelmangel informiert. Sein Rezept gegen den Engpass: eine Pharma-Task-Force.

Altomünster: Tag gegen Gewalt an Frauen diskutiert

Als sehr positiv empfand es Tanja Lademann, dass in Altomünster der internationale Tag gegen die Gewalt an Frauen begangen wurde. Es sei erschreckend, dass im Frauenhaus Dachau jährlich 100 Anfragen eingehen. Der Bürgermeister wandte allerdings ein, dass er sich bei dem Termin ein wenig unwohl gefühlt habe, denn Männer seien dabei unter Generalverdacht gestellt worden. Dabei werde auch ihnen Gewalt angetan.

Lademann kritisierte auch die Arbeit des Umwelt- und Nachhaltigkeitsausschusses als zu mager. Gerade mal einmal im Jahr habe er getagt und sich nicht genug mit dem Klimaschutz befasst. Außerdem riet sie, sich mit anderen Gemeinden und Experten auszutauschen und die Arbeit zu intensivieren.

Der Bürgermeister wollte diesen Vorwurf so nicht stehen lassen, denn der Gemeinderat habe viele Aufgaben zu bewältigen. Vieles werde auch im Hintergrund erledigt. „Aber wir können ab morgen nicht alle mit dem Radl fahren, nur um den Klimaschutz einzuhalten!“

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Wunsch nach einem Drogeriemarkt in Altomünster

Wann endlich ein Drogeriemarkt nach Altomünster kommt, wollte Elke Oziminiski wissen. Die Marktgemeinde könne gerne sofort einen bekommen, erklärte der Bürgermeister. Aber alle Betreiber würden mindestens 10 000 Quadratmeter Fläche fordern – und zwar ebenerdig mit vielen Parkplätzen. Dagegen wehre er sich, denn man könne auch in die Höhe bauen und so weniger Grund verbrauchen.

Reisende verrichten ihre Notdurft - Bahnhof Altomünster soll endlich Toilette bekommen

Ein ganz anderes Thema warf Hans Georg Weil auf, der an der Reitwiesen wohnt. Er sprach einige „Unzulänglichkeiten“ an, die ihm schon länger ein Dorn im Auge seien. Der Platz zwischen der Wohnanlage und dem Bahnhof sei ursprünglich schön planiert, doch dann sei eine Grube ausgehoben worden, in der sich das Wasser sammelt – was eine Mückenplage zur Folge habe. Außerdem werde das Gelände rundherum nicht nur als Hundeklo benutzt, vielmehr habe er „viel mehr nackte Hintern gesehen, als im Urlaub auf Usedom“, weil Reisende dort ihre dringende Notdurft verrichteten. „Eine öffentliche Toilette hier am Endpunkt einer S-Bahn wäre also mehr als angebracht“, betonte Weil.

Dieses Problem sei bekannt, so der Gemeindechef. Man plane am neuen Parkplatz eine Toilette zu errichten. Der noch nicht ausgebaute Busparkplatz am Fuße des Baugebietes müsse allerdings noch auf den Bau eines Hochwasserbeckens in der Halmsrieder Straße warten – bis dahin müsse die Fläche als Überflutungsfläche vorgehalten werden.

Zudem wurde Weil mit einem schon unter Bürgermeister Anton Kerle angesprochenen Kreisverkehr in der Einfahrt Aichacher-/Stumpfenbacher Straße vorstellig. Damals sei der Plan gewesen, einen großen Kreisverkehr anzulegen, der auch die Halmsrieder Straße einbeziehen würde. Dies sei vor allem auch eine Frage des Grunderwerbs, so Reiter dazu. Weil schlug daraufhin eine kleine Lösung vor, die auch ohne die große Mittelinsel auskomme. „Aber auch ein Verkehrsspiegel würde schon sehr weiterhelfen“, fand er. Bei Polizei und Landratsamt stoße das nicht auf Gegenliebe, so Reiter.

Schüler-Essen kommt aus Württemberg

Nach einer hitzigen Debatte mit einem Zuhörer um die eingeschränkte Parkplatznutzung in der Pipinsrieder Straße wollte Martina Schwarzmann wissen, ob das Essen für die Schülerbetreuung aus Württemberg komme, was der Nachhaltigkeit widerspreche. In der Tat liefere ein dortiger Caterer das Essen aus, bestätigte der Bürgermeister, doch es sei qualitativ sehr gut und abwechslungsreich. Man versuche schon, regionale Betriebe zu berücksichtigen, was aber regelmäßig daran scheitere, dass die nötige Menge nicht geliefert werden könne.

Lob gab es aber auch für die Gemeinde. So sei der Naschweg am neuen Bahnweg eine tolle Sache, hieß es. Und Peter Erhorn lobte den Bauhof dafür, den Müll rund um die Container am Bahnhof wegzuräumen. Gisela Huber

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