Kältewelle

Kiosk wird zur Zuflucht für frierende Pendler

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Arktische Kälte hat den Landkreis fest im Griff. Vor allem die S-Bahn-Pendler leiden darunter. Zugausfälle, Verspätungen, stundenlanges Bibbern – am Brucker Bahnhof spielten sich dabei teils kuriose Szenen ab.

Fürstenfeldbruck –Michael Löcker (59) ist einiges gewöhnt. Seit 15 Jahren betreibt er den Kiosk „Lokstation“ am S-Bahnhof Fürstenfeldbruck. Eine Situation wie am Montag war auch für ihn neu. „So schlimm war es noch nie“, meint Löcker. „Verspätungen passieren, aber die Kälte machte den Menschen sehr zu schaffen. Es war die Hölle.“ Auch am Dienstag hatten die Fahrgäste mit dem Frost zu kämpfen und mussten teils längere Zeit in der Kälte ausharren.

Löckers Kiosk, in dem eigentlich Semmeln, Kaffee und Zeitungen über den Tresen gehen, wurde zur letzten Rettung für Pendler, die bei zweistelligen Minusgraden stundenlang auf ihre Bahn warteten. „Viele Menschen fanden hier Zuflucht“, erzählt Löcker. „Es war für uns selbstverständlich auch die aufzunehmen, die sich nichts kaufen konnten.“

Auf das Geschäft wirkten sich die Verzögerungen dennoch positiv aus. „Der Umsatz an warmen Getränken war gigantisch“, sagt Löcker mit einem Schmunzeln. „Viele Fahrgäste hatten eine Erwärmung bitter nötig.“

Dabei kam es auch zu kuriosen Szenen. „Wir hatten eine Schulklasse, die eigentlich nach Berlin wollte, aber hier festsaß“, berichtet Löcker. „Die Kinder brachten ordentlich Leben in die Bude. Manchmal war das anstrengend. Wir mussten dafür sorgen, dass die Schulranzen nicht völlig im Weg liegen.“ Das klappte aber ganz gut. „Die Lehrerin hat sich sehr nett für unsere Unterstützung bedankt.“

Auch Löcker selbst blieb von den Verspätungen nicht verschont. „Ich brauchte viereinhalb Stunden mit der S-Bahn nach Hause“, sagt er. „Es gab keine Ansagen und keine Informationen. Da hat die Bahn versagt. Wenn es schon länger dauert, muss man die Menschen wenigstens informieren.“

Journalist Antonio Seidemann (59) konnte diese Probleme am Montag vermeiden. „Ich wusste aus dem Internet von den Verspätungen“, berichtet er. „Deswegen fuhr mich ein Freund nach Großhadern zur U-Bahn. Dadurch ersparte ich mir die S-Bahn und kam pünktlich an.“ Am Dienstag suchte aber auch er Zuflucht in der Lokstation. „Heute hatte mein Bus Verspätung und ich verpasste die S-Bahn“, meint er mit einem Lachen. „Das passiert immer wieder. Zum Glück kann man sich im Kiosk bei einem Kaffee aufwärmen.“

Martina Strack (54), hatte am Montag weniger Glück. „Ich brauchte zweieinhalb Stunden in die Arbeit“, erzählt die Angestellte. „Das war frustrierend, denn ich musste zum Ausgleich länger arbeiten.“ Für den Dienstag hat sie sich gut vorbereitet. „Ich trage meinen wärmsten Mantel und meinen wärmsten Schal. Außerdem fahre ich nicht wie sonst mit der S 3 sondern nehme den Bus nach Bruck und von hier die S 4. Die fährt zuverlässiger.“

Auch Schüler Dennis Hitzler (19) leidet unter den Temperaturen. „Die Kälte tut weh“, sagt er. „Ich habe eiskalte Hände.“ Am Montag hatte Hitzler Glück mit seinen Verbindungen. „Ich pendle aus Richtung Dachau nach Fürstenfeldbruck“, berichtet er. „Da war zu meiner Zeit alles okay.“ Auch am Dienstag fuhren Hitzlers Züge planmäßig. „Hoffentlich bleibt es auch so“, meint er. „Die Horrorgeschichten von mehrstündigen Wartezeiten in der Kälte kenne ich. Ich hoffe, das passiert mir nie.“ (Christian Masengarb)

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