Kurz vor Abriss

Uralt-Streit um Geisterhotel landet jetzt vor Gericht

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Jahrelang kämpfte Josef Lederer hartnäckig um sein Hotel in Bad Wiessee. Mittlerweile sind die Tage des Gebäudes gezählt: Die Familie Strüngmann will es abreißen und durch ein neues Luxushotel ersetzen lassen.

Vor zehn Jahren mal wollte Hotelier Lederer einen Teil seines Hotels zur Wohnung machen, die Gemeinde spielte nicht mit, Lederer klagte. Jetzt - kurz vor dem Abriss - gibt es tatsächlich eine Verhandlung.

Bad Wiessee – Wie der Wiesseer Bauamtsleiter Helmut Köckeis auf Nachfrage erklärt, hat Josef Lederer - mittlerweile längst nicht mehr Eigentümer des riesigen Hotels am See - vor etlichen Jahren bei der Gemeinde einen Antrag auf Teilungsgenehmigung gestellt. Er wollte einen Teil des Gebäudekomplexes in Wohnungen umwandeln, um diese verkaufen zu können. Die Gemeinde, die über eine eigene Fremdenverkehrssatzung und somit über ein Mitspracherecht verfügt, lehnte laut Köckeis ab.

„Damals sind schon erste Spannungen zwischen den Parteien aufgetreten“, erinnert sich der Bauamtsleiter. Die Gemeinde habe die Befürchtung gehabt, dass an dieser exponierten Stelle Zweitwohnungen entstehen könnten. „Insofern wurde das Einvernehmen verweigert.“ Das Landratsamt Miesbach als zuständige Genehmigungsbehörde schloss sich der Haltung der Gemeinde an.

Doch wie so oft gab sich Lederer kämpferisch und klagte gegen die Entscheidung. „Er hat das Ganze dann aber nicht mehr weiter betrieben“, berichtet Köckeis. Erst jetzt, etwa zehn Jahre später, kommt die Streitsache nun doch noch vor Gericht. Wie es dazu kam, kann sich der Bauamtsleiter nicht erklären. Schließlich ist das Gebäude am See längst in den Besitz der Familie Strüngmann übergegangen, die an dieser Stelle bekanntlich ein neues Luxushotel plant. Lederer selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Fest steht: Mit der Klage Lederers, die sich offiziell gegen den Freistaats Bayern richtet, beschäftigt sich das Bayerische Verwaltungsgericht am Mittwoch, 9. Mai. Die Verhandlung findet vor Ort statt.

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Im Anschluss stehen noch zwei weitere Verhandlungen auf Wiesseer Gemeindegebiet auf der Tagesordnung. In einem Fall geht es um Werbeanlagen der Klinik im Alpenpark, gegen die sich ein Nachbar zur Wehr setzt. Im anderen Fall sind die Erweiterungspläne eines Gästehauses Gegenstand eines Streits unter Nachbarn.

Wie Köckeis erläutert, wurde der Bauantrag des Vermieters bereits in den 80er-Jahren eingereicht und auch genehmigt. „Allerdings wurde die Maßnahme nie vollzogen“, weiß der Bauamtsleiter. Der Eigentümer ließ sich die Genehmigung stattdessen immer wieder verlängern. Beim letzten Mal informierte das Landratsamt Miesbach darüber auch den Nachbarn, der sich nun gegen die Genehmigung zur Wehr setzt. Hinzu kommt, dass die Pläne aus den 80er-Jahren laut Köckeis ohnehin rechtlich keinen Bestand mehr haben dürften. „Da wurden nämlich schon stillschweigend Umbaumaßnahmen vorgenommen.“

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