Christian Walter

Auswanderer aus Geretsried: Der amerikanische Traum ist geplatzt

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Gelting statt Los Angeles: Christian Walter hat seine Amerika-Pläne vorerst auf Eis gelegt und will – zwei Jahre nach seinem Schlaganfall – beruflich in der Heimat neu durchstarten.

Eigentlich wollte Christian Walter nach seinem Schlaganfall in den USA beruflich neu anfangen. Weil ihm die Brände in Kalifornien in die Quere kamen, versucht er sein Glück nun mit einem neuen Konzept in der Heimat.

Geretsried Gut zwei Jahre nach seinem Schlaganfall macht Christian Walter einen guten Eindruck. Der Blick ist offen, sein Gang um einiges flüssiger als beim letzten Zusammentreffen. Und er hat Pläne. Der vorletzte, öffentlich geworden durch das Posten der stars and stripes in Walters Facebook-Account: Der 52-Jährige wollte nach Los Angeles übersiedeln, um dort seine Firma cw-running mit Marathon-Projekten zu etablieren und nebenbei als 400-Meter-Trainer in einem Leichtathletik-Klub zu arbeiten. Amerika sei immer schon ein Traum von ihm gewesen, sagt Walter.

Sein Türöffner: der Mann, der einst selbst Europa verließ, um seinen Weg in den USA zu machen – was er als Geschäftsmann, Schauspieler und letztlich Gouverneur von Kalifornien unbestritten tat. „Ich habe Arnold Schwarzenegger einen sehr persönlichen Brief mit meinem Werdegang geschrieben“, erzählt Walter. Der Terminator – Wahlspruch: „Come with me, if you want to lift“ – ist bekannt für seine soziale Ader und antwortete tatsächlich: Er wolle dem Geretsrieder gerne helfen, in L.A. Fuß zu fassen. Arnies erste Amtshandlung: Er bot ihm eine Unterkunft an und knüpfte Kontakte. Am 23. Dezember wollte Walter über den Teich fliegen. Eine Arbeitserlaubnis besitzt er, seine Wohnung in Gelting hatte er für Ende Januar gekündigt und einen vorübergehenden Pensionsplatz für Hund Al besorgt. Der zweite Grund, weshalb ihn die USA lockte: Er würde sich dort gerne einer Stammzellen-Therapie für Schlaganfall-Patienten unterziehen, die in Deutschland nicht zugelassen ist.

Dann das: Anfang Dezember ging das halbe Südkalifornien in Flammen auf. „Die Gegend, in der ich wohnen sollte, ist komplett zwangsevakuiert worden“, sagt Walter – „auch Arnolds Haus.“ Mit dem großen Feuer verbrannte fürs erste sein Plan A. Also zog er Plan B, „den ich immer habe“, aus der Schublade. Statt zum Flughafen fuhr der 52-Jährige also zu seiner Hausbank und beriet sich mit seiner „unglaublich kooperativen“ Betreuerin über ein Projekt, das er nun in der Heimat verwirklichen will: „Ich möchte hier meine alte Firma cw-running aufleben lassen.“ Sie soll den Zusatz „enterprises“ erhalten. Mit ihr möchte der Sportlehrer seine derzeit brachliegende Laufschule reaktivieren, diverse Veranstaltungen auf die Beine stellen und Menschen helfen, ihre Träume zu leben. Beispielsweise mit dem Projekt „Kilimandscharo 2019“: Es beinhaltet Training, sämtliche Buchungen und die Besteigung von Afrikas höchsten Gipfel in einem Paket.

Der New-York-Marathon wäre ein weiteres Ziel. Walter hat „so viele Ideen“. Bei der Umsetzung soll ihm Sohn Laurin helfen. Der 21-Jährige schließt im kommenden Sommer seine Ausbildung bei der Polizei ab. „Dann will er bei mir einsteigen“, sagt sein Vater. Wegen seiner körperlichen Einschränkungen obliegt Walter senior vorerst die Theorie: Trainingspläne schreiben, Konzepte erstellen – darum will er sich kümmern. Der Filius, national einer der besten 400-Meter-Läufer seines Jahrgangs, soll die Praxisarbeit übernehmen.

Ein Hauptquartier ist gefunden. Walter hat zwei Tage vor Weihnachten ein Objekt an der Geltinger Leitenstraße klar gemacht, in dem er künftig wohnen und arbeiten wird. Dort soll mittelfristig auch ein Verein für Schlaganfall-Patienten unterkommen, den er bald gründen möchte. Dem 52-Jährigen schwebt „eine Anlaufstelle für Leute wie mich“ vor. Ihnen wolle er mit seinen – nicht immer positiven Erfahrungen – helfen, „wieder ins Leben zurückzufinden“. Dazu gehören Beratung, eine spezielle Physiotherapie-Praxis und ein kleines Warmwasser-Bewegungsbecken.

Walter weiß: „Das klingt für einige nach Spinnerei. Ist es aber nicht.“ Der ehemalige 400-Meter-Hürdenspezialist erzählt von früher. Als er im Kindesalter sein großes Idol, Leichtathletik-Legende Harald Schmid, im Nationaltrikot sprinten sah, wusste er, dass er das auch eines Tages will. „Aber alle haben nur gelacht und gesagt: ,Das schaffst du nie im Leben.‘“ Später wiederholte sich das: Als er die Idee zum Oberland-Marathon gebar, später zum Firmenlauf – immer fiel dieser „verdammte Satz“. Aber: „Ich habe es in allen Fällen geschafft. Und ich werde es wieder schaffen.“

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