Polizei schließt Fremdeinwirkung „beinahe“ aus

Amokalarm: Offenbar defektes Bauteil schuld

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Fehlalarm mit Auswirkungen: Mit rund 200 Mann rückte die Polizei am Donnerstagnachmittag in Holzkirchen an.

Die Ermittler können noch nicht mit Sicherheit sagen, was den Amokalarm am Schulzentrum in Holzkirchen ausgelöst hat. Die Betreiberfirma der Schule wird auf Nachfrage konkreter.

Holzkirchen – Gegen 13.15 Uhr löst am Gymnasium der Brandalarm aus. Es ertönt eine automatisierte Durchsage. Schüler und Lehrkräfte verlassen das Schulgebäude – so wie es der entsprechende Notfallplan vorsieht. Relativ zeitgleich löst auch der Amokalarm an der FOS aus. Wieder ist eine automatisierte Durchsage zu vernehmen. Diesmal allerdings mit dem für den Fall eines Amoklaufs vereinbarten Code-Wort. Um welches Wort es sich dabei handelt, ist streng unter Verschluss. Überhaupt waren die beiden Direktoren Axel Kisters (Gymnasium) und Josef Schlemmer gestern noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Mit sämtlichen Auskünften war deshalb die Pressestelle der Polizei betraut.

Das Ereignisprotokoll und alle Bilder lesen Sie in unserem News-Ticker:

Amokalarm: „Sehr wahrscheinlich technischer Defekt“ - News-Ticker

Lehrkräfte und Schüler, das betont Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, haben sich genau richtig verhalten. Sie suchen ihre Klassenzimmer auf, schließen sich darin ein und entfernen sich von der Tür. Zudem setzt ein autorisierter Nutzer, wohl ein ein Mitglied der Schulleitung an einer der beiden Schulen, einen Notruf ab und alarmiert die Einsatzkräfte.

„Wir mussten vom Schlimmsten ausgehen“

Diese reagieren sofort und begeben sich zum Ort des Geschehens. „Wir wussten, dass es einen Amok- und einen Feueralarm gab“, sagt Sonntag. „Was genau vor Ort los ist, konnten wir natürlich nur schwer einordnen.“ Man habe vom Schlimmsten ausgehen müssen. Wie sich das auswirkte, ist bekannt: rund 200 Beamte, das Spezialeinsatzkommando, Hundeführer und zwei Helikopter eilten zum staatlichen Schulzentrum an der Holzkirchner Nordspange.

Eigentlich kann den Alarm nur die Schulleitung auslösen

Eigentlich können eine solche Durchsage – wie auch an anderen Schulen – nur autorisierte Personen absetzen. Und zwar per Knopfdruck an einem entsprechenden Gerät, zu dem ansonsten niemand Zugang hat. Was genau den Alarm am Donnerstag ausgelöst hat, konnten die Ermittler auch einen Tag später nicht abschließend klären. „Es handelt sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um einen technischen Defekt“, sagt Sonntag. 

Gemeinsam mit Technikern haben Ermittler am gestrigen Freitag die Brandmelde- und Lautsprecheranlage überprüft. Die Anlage gibt je nach Gefahrensituation unterschiedliche Alarme aus. Handelt es sich um einen Brand, so ist der Alarm nur im betroffenen Gebäude zu hören. Bei einem Amoklauf ertönt das Warnsignal dagegen in beiden Gebäuden. Warum am Donnerstag im einen Gebäude der Feuer- und im anderen der Amokalarm ausgelöst hat, das steht für die Ermittler noch nicht fest.

Das sagt die Betreiberfirma

Laut Eva Lenz, Sprecherin der Betreiberfirma der Schulen Vinci Facilities SKE, ist ein defektes Bauteil verantwortlich. „Das ist ungefähr so, wie wenn an einem PC die Maus kaputtgeht“, sagt Lenz. Das Bauteil wurde bereits entfernt, ein neues wird eingebaut. Die Anlage funktioniere aber trotzdem noch.

Mutwilliger Fehlalarm? „Beinahe ausgeschlossen“

Dass eine Person den Alarm mutwillig ausgelöst hat, ist indes beinahe ausgeschlossen. „Darauf gibt es keine Hinweise“, sagt Sonntag. Und auch mit den Gerüchten um die Festnahme einer verdächtigen Person am Donnerstagnachmittag räumt der Polizei-Sprecher auf. Zwar haben die Beamten vor Ort tatsächlich einen Mann abgeführt – allerdings nur, weil dieser durch den abgesperrten Bereich marschiert war. „Da reagieren wir hochsensibel. Wir wollen dort niemanden haben.“

Bis zur Rückkehr der Normalität dauert es wohl noch ein wenig

Gegen 15.55 Uhr war der Spuk vorbei, Normalität ist am staatlichen Schulzentrum aber noch immer nicht eingekehrt. Bereits am Donnerstagnachmittag kümmerten sich das Kriseninterventionsteam der Schule und eine Psychiaterin um die Schüler. Zudem fand am Freitagmorgen eine Informationsveranstaltung für Schüler und Lehrer statt, im Zuge derer erklärt wurde, was am Vortag passiert war.

hb

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