Amtsgericht Erding 

Faustschläge statt rollender Rubel

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Kein Glück brachten die Spielautomaten in einem Erdinger Lokal einem 45-jährigen Slowaken.  

Glücksspiel kann süchtig machen – oder einen wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht bringen. Ein Slowake war mit erheblicher Brutalität auf einen anderen Gast losgegangen. Der hatte das Geld des 45-Jährigen verzockt. Am Ende stand eine Geldstrafe.

Von Hans Moritz

Erding – Ein paar Münzen zu großem Geld machen – das versuchte am späten Abend des 22. September 2016 ein Slowake. Während die Maschine in einem Lokal an der Landshuter Straße in Erding nervös blinkte und munter Münzen fraß, ging der 45-Jährige, der in Hohenlinden lebt, immer mal wieder zum Rauchen vor die Tür.

Die Gunst des Moments nutzte sein späteres Opfer und verzockte gleich drei Mal Geld des Küchenhelfers, der einst als Kunstglasbläser gearbeitet hat. Beide waren mit einem beziehungsweise 1,6 Promille Alkohol im Blut erheblich betrunken.

Irgendwann wurde es dem Slowaken zu bunt. Er rammte seine Faust gleich zweimal ins Gesicht des ungebetenen Mitspielers. Danach, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Landshut, soll der Mann auch noch versucht haben, seinem Kontrahenten gegen den Kopf zu treten.

Deshalb war er wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Dass es erst so spät zum Prozess kam, lag daran, dass die Justiz den Mann zunächst nicht ausfindig machen konnte. Vor Richter Andreas Wassermann erschien er gestern ohne Anwalt. Er versicherte, unschuldig zu sein. Das löste bei Wassermann ungläubiges Kopfschütteln aus. Auf dem Richtertisch stand ein Laptop, auf dem Wassermann Filmsequenzen aus der Überwachungskamera der Kneipe abspielte. Die Schläge waren deutlich zu erkennen.

Nicht ganz so klar war es mit dem Fußtritt. Der Hohenlindener versicherte, er habe nur über sein am Boden liegendes Opfer steigen wollen.

Mehrmals sahen sich Richter und Staatsanwalt die Bänder an – und mussten dann dem 45-Jährigen Recht geben. Der Fußtritt war nicht zweifelsfrei erkenn- und folglich auch nicht nachweisbar. Es blieben „nur“ noch die beiden Faustschläge, die das Opfer aber kaum verletzt hatten.

Den Mann befragen konnte das Gericht nicht. Er war als Zeuge geladen, blieb der Verhandlung aber fern. Auch eine Zeugin, die an besagtem Abend als Gast in dem Lokal saß, wollte sich nicht festlegen.

Der Staatsanwalt forderte wegen der beiden Faustschläge eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu zehn Euro. Der Osteuropäer machte glaubhaft, dass er als Gastro-Minijobber nur 416 Euro verdiene und zudem Unterhalt für ein 14-jähriges Kind zahlen müsse. Wassermann verurteilte den bis dato nicht Vorbestraften daraufhin zu 90 Tagessätzen zu je zehn Euro – also 900 Euro. Zwei Jahre hat der Angeklagte nun Zeit, den Betrag abzustottern. Er nahm das Urteil an, ebenso der Staatsanwalt. Es ist somit rechtskräftig.

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