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Auf Paket stand nur der Vorname: Zusteller schubst und schlägt Empfänger

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Von: Rudi Stallein

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Ein Paketzusteller hat am letzten Tag des vorigen Jahres die Fassung verloren. (Symbolfoto)
Ein Paketzusteller hat am letzten Tag des vorigen Jahres die Fassung verloren. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Das Amtsgericht hat einen ehemaligen Paketzusteller zu einer Geldstrafe verurteilt. Er sich geweigert, ein Paket zu übergeben, auf dem nur ein Vorname stand.

Geretsried/Wolfratshausen – An seinen letzten Tag als Paketzusteller wird ein Geretsrieder lange zurückdenken. Bei einer Auslieferung in Wolfratshausen war der 51-Jährige in eine Prügelei verwickelt, die ihn teuer zu stehen kam. Per Strafbefehl wurde der Mann zu einer Geldstrafe von 4800 Euro (80 Tagessätze à 60 Euro) verurteilt. Dagegen legte er Einspruch ein. Die somit erforderlich gewordene Verhandlung am Wolfratshauser Amtsgericht, zu der er ohne Verteidiger erschien, konnte seinen Ärger jedoch nur wenig lindern.

Amtsgericht Wolfratshausen: Paketzusteller zu 4200 Euro Geldstrafe verurteilt

Freimütig schilderte der Geretsrieder, der laut Anklageschrift einen Hausbewohner „in den Aufzug geschubst und mit der Faust auf die Schläfe geschlagen“ haben soll, was sich am 31. Dezember vorigen Jahres gegen 11 Uhr in einem Mehrfamilienhaus in Wolfratshausen abgespielt hatte. Der Streit hatte sich wegen eines Päckchens entzündet, auf dem nur ein Vorname als Empfänger geschrieben stand, kein Familienname.

Als er wieder gehen wollte, sei ein Hausbewohner mit seinem Hund vom Gassigehen zurückgekommen. „Er sagte, ich soll es ihm geben. Aber ich wollte das nicht“, erklärte der Zusteller. Der andere habe geantwortet: „Was bist Du für einer?“ und angefangen, ihn zu beleidigen. „Ich solle mich verpissen, er klatsche mich in die Ecke und solche Sprüche.“ Das habe ihn so genervt, dass er hinter dem Bewohner hergegangen sei und „ihn am Fahrstuhl zwei Mal geschlagen“ habe. „Ich weiß, das war falsch“, zeigte sich der Angeklagte, der bisher strafrechtlich nie in Erscheinung getreten war, reumütig. Aber die Strafe sei ihm zu hoch.

Kein Nachname auf Paket: Zusteller schlägt Hausbewohner mit Faust auf die Schläfe

Daraufhin empfahl ihm der Richter, seinen Einspruch auf die Rechtsfolgen, also die Höhe der Strafe zu beschränken. Das tat der Geretsrieder. Die Zeugen, darunter der Geschädigte, wurden ungehört nach Hause geschickt. Wenig später zeigte sich der Angeklagte mächtig irritiert. „Da zahle ich ja noch mehr“, kommentierte er den Antrag des Staatsanwalts, der plötzlich 5600 Euro Geldstrafe für angemessen erachtete. Die Summe kam zustande, weil sich die Tagessatzhöhe an den finanziellen Verhältnissen des Angeklagten orientiert. Und dieser hatte sein Gehalt höher angegeben, als die Justiz beim Erlass des Strafbefehls geschätzt hatte.

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Richter Helmut Berger setzte die Tagessatzhöhe zwar ebenfalls mit 70 Euro (statt 60 im Strafbefehl) an, reduzierte die Anzahl der Tagessätze jedoch auf 60, sodass sich die Strafe letztlich auf nur noch 4200 Euro belief. „Und was ist mit dem anderen?“, wollte der Angeklagte wissen. Der habe nicht nur mit dem Streit angefangen, sondern „sich am Aufzug umgedreht und auf mich eingeprügelt. Ich war sieben Tage mit einer Gehirnerschütterung krankgeschrieben“, berichtete der 51-Jährige. Auf die Idee, seinen Kontrahenten ebenfalls anzuzeigen, war er nicht gekommen.  rst

Man bekommt so einiges zu hören bei den Strafprozessen am Wolfratshauser Amtsgericht. Wir haben die besten Zitate von Richtern, Zeugen und Angeklagten gesammelt. Hier geht‘s zum Artikel. Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Wolfratshausen finden Sie auf Merkur.de/Wolfratshausen.

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