Pullacher Posse

Altersheim in zwei Gemeinden - TV-Bericht über Amtsirrsinn

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In seiner Sendung "Mario Barth deckt auf" widmete sich der Comedian am Gründonnerstag dem Pullacher Pflegeheim Kursana. Es liegt sowohl in Pullach, als auch in München.

München - Eine irre Bürokratie-Posse ereignet sich in Pullach. Oder doch in München? Es geht um den Bewohner eines Altenheims, das sowohl in Pullach, als auch in München liegt. Die verrückte Geschichte:

Update, 02.04.2015: Am Mittwoch-Abend war die Amts-Posse um das Altersheim in Pullach Thema in Mario Barths Sendung "Mario Barth deckt auf" in RTL. Wir haben bereits im Mai des vergangenen Jahres über die irre Grenze mitten durch das Altersheim berichtet:

Erst wohnt er in München, dann in Pullach, dann wieder in München. Erwin Baumeister (85) wechselt innerhalb von zwei Jahren dreimal den Wohnsitz. Bei keinem dieser Umzüge wechselt er das Gebäude, sondern immer nur das Zimmer – ummelden muss er sich trotzdem jedes Mal. Die irre Bürokratie-Geschichte aus dem Münchner Süden!

Erwin Baumeister (Bild unten) ist innerhalb des Hauses schon zwei Mal über die magische Linie gezogen – jeweils verbunden mit Ummeldung.

Seit Mai 2012 lebt Baumeister im Pflegeheim Kursana Domizil in der Wolfratshauser Straße. Seitdem hat er merhmals die Pflegebereiche des Heims gewechselt – verbunden damit waren auch Zimmer-Umzüge. Wohl gemerkt: alles innerhalb eines Hauses. Problem dabei: Das Kursana Domizil befindet sich zu einem Drittel (nördlicher Teil) in München und zu zwei Dritteln auf dem Gebiet der Gemeinde Pullach (südlicher Teil). Das Gebäude hat zwar nur eine Adresse (in Pullach), beherbergt aber sowohl Münchner als auch Pullacher Heimbewohner.

Ärgerlich ist das vor allem für Bewohner und Angehörige. Denn: Durch Zimmerwechsel entsteht ordentlicher bürokratischer Aufwand. Ummelden beim Einwohnermeldeamt in München beziehungsweise der Gemeinde Pullach! Riesen-Papierkram wegen ein paar Metern. Baumeister hat diese Prozedur innerhalb von zwei Jahren jetzt schon zwei Mal hinter sich. Von München nach Pullach: ummelden! Dann wieder zurück: wieder ummelden! Tochter Isolde: „Das geht uns tierisch auf die Nerven! Wozu dieser Aufwand?“

Vlado Bjelkanovic (50), Direktor des Pflegeheims, versteht den Ärger, sieht aber auch Positives im Bürokratie-Irrsinn. Wer auf zweierlei Gebiet wohnt, kennt auch doppelt so viele Leute, ein doppeltes Netzwerk: „So haben wir Kontakte zu beiden Gemeinden.“ Folge: „Wir profitieren auch von Münchner Projekten wie zum Beispiel zur Hausinternentagesbetreuung.“

Und die Bewohner bekommen von beiden Gemeinden Einladungen zu Neujahres- oder Osterfeiern. Besuche zu runden Geburtstagen gibt’s aber nur in der einfachen Variante. Wer im Nord-Teil des Hauses wohnt, dem macht ein Vertreter des Münchner Stadtrats die Aufwartung – im Süd-Teil kommt ein Vertreter der Gemeinde Pullach.

Erwin Baumeister.

Wieso das Pflegeheim (für das übrigens ausschließlich die Münchner Heimaufsicht zuständig ist), nicht einfach einer Kommune zugeordnet wird? Peter Mesering von der Pullacher Bauverwaltung sagt: „Eine Umgemeindung wäre sehr kompliziert, da Flächen nicht so einfach abgegeben werden können.“ Hintergrund: Das Gebäude wurde laut Pullacher Bauverwaltung auf zwei Grundstücken errichtet, die ursprünglich nicht zusammengehörten. Eben eins auf Münchner und eins auf Pullacher Grund. Mesering: „Pul­lach wäre mit einer Umgemeindung wahrscheinlich nicht einverstanden …“

Folglich bleibt wohl alles beim Alten, inklusive des bürokratischen Aufwands beim Zimmerwechsel. Und Erwin Baumeister? Der wohnt im Moment in München, fährt aber in seinem Rollstuhl jeden Tag zum Mittagessen nach Pullach. Die Entfernung dorthin beträgt rund 20 Meter. Tages-Ummeldung ist zum Glück unnötig.

Nico Horn

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