Zu Besuch in Fürholzen West

An A9 im Landkreis Freising öffnet heute gigantische, neue Raststätte

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Heute kommen die allerersten Kunden: die neue Raststätte Fürholzen West direkt an der A 9. Unverkennbar ist das geschwungene Satteldach.

Scheibenreiniger zum Zapfen, Wasserstoff, Elektroladesäulen: An der A 9 im Landkreis Freising eröffnet heute eine gigantische, neue Raststätte. Hier wird die Mobilität der Zukunft geübt. Aber man kann auch einfach nur im Biergarten ein Hendl essen.

Fürholzen – Es wird keine Luftballons geben, keine Gratis-Currywurst und kein einheimischer Musikverein wird die Bayernhymne oder „Hoch auf dem gelben Wagen“ anstimmen. Die Rastanlage Fürholzen West wird im Laufe des heutigen Freitags öffnen, selbst der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest. Ganz ohne Tamtam wird es losgehen, irgendwann werden die Bauarbeiter die Absperrungen wegräumen und die Einfahrt von der A 9 in Fahrtrichtung München freigeben. Dabei handelt es sich bei dieser Rastanlage um ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Projekt. Ein Vorzeige-Rasthof, der in Deutschland seinesgleichen sucht.

Das Unternehmen Tank & Rast, das fast 400 Raststätten in der Republik betreibt, nennt ihr 20 Millionen Euro teures, oberbayerisches Vorzeigeprojekt stolz die „Raststätte der Zukunft“. Aber stimmt das? Was kann Fürholzen, das andere Rastanlagen nicht können? Nun ja, erst mal sind es Kleinigkeiten. Neben den üblichen Zapfsäulen gibt es eine eigene Zapfsäule für Scheibenreiniger, vorbei die Zeiten, als man Kanister kaufen musste. Außerdem ist jede derzeit gängige Art des Tankens möglich. Es gibt zwölf Pkw- und acht Lkw-Tankplätze, es wird Flüssiggas geben, Erdgas, vier Elektroladesäulen und außerdem zwei Wasserstoffsäulen. Insofern ist Fürholzen West, Bauzeit neun Monate, auch ein Versuchslabor für die Mobilität der Zukunft. Wo wird es in, sagen wir zehn Jahren, die längeren Schlangen geben – beim Diesel oder doch bei den Elektrosäulen?

Die gigantische Rastanlage als Computersimulation.

Architektonisch ist die weitläufige Anlage sowieso ein Hingucker, das Münchner Architekturbüro „Allmann Sattler Wappner“ hat die Anlage entworfen, deren schlangenförmiges Satteldach man als Autofahrer schon von Weitem sieht. Das Dach, so die Idee der Architekten, soll an Scheunen und Stadel erinnern, wie sie überall in Oberbayern stehen. Für bayerisches Flair soll auch ein Biergarten sorgen, der demnächst angelegt wird – die blauen Schirme stehen schon und im Herbst werden dann auch die Kastanien gepflanzt. Es wird einen Hendl-Grill geben und Hofbräu-Bier. Man soll also schon merken, dass man sich in Bayern befindet. Obwohl Raststätten an sich Nicht-Orte sind, Orte, die irgendwie immer gleich ausschauen, an die man kommt, um gleich wieder zu gehen. Das wollen die Betreiber in Fürholzen durchbrechen: Es gibt Spielplätze für Kinder, Fitness-Geräte für Erwachsene und Gratis-Wlan. Die Anlage soll zum Verweilen einladen – obwohl nebenan lautstark der Verkehr vorbeirauscht.

Der Innenbereich der neuen Raststätte: Hier soll direkt vor den Augen der Kunden gekocht werden.

Stolz sind die Betreiber auch auf das Energie-Plus-Konzept der Anlage: Fürholzen West ist energieautark – die Raststätte erzeugt mehr Energie, als sie jeden Tag für Beleuchtung oder Strom verbraucht. Auf dem Dach und auf der Lärmschutzwand nebenan sind 7200 Quadratmeter Solaranlagen verbaut. Das ist natürlich ein Signal, ein wunderbares Bild: Alle reden von der Energiewende, von einem Umdenken in der Verkehrspolitik. Hier wird sie praktiziert. Oben Sonne rein, unten Energie fürs Auto raus. Klingt nach Zukunft. Aber zur Wahrheit gehört natürlich auch: Die üblichen Benzin-Zapfsäulen sind weiterhin haushoch in der Überzahl.

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