Aus dem Gerichtssaal

Anklage: 18-Jähriger fährt Spezl auf Motorhaube umher

Ein 18-Jähriger fährt einen Freund einige Meter auf der Motorhaube seines Golf umher - beim Bremsen fällt er herunter. Die Sache landete nun vor Gericht.

Feldafing – Aus Spaß unter Freunden wurde im vergangenen August schnell Ernst. Weil er seinen Spezl auf der Motorhaube transportiert hatte, musste sich ein Tutzinger Schüler nun wegen fahrlässiger Körperverletzung und Nötigung vor dem Starnberger Jugendgericht verantworten. An jenem Abend war der angeklagte 18-Jährige mit mehreren Freunden in seinem Golf unterwegs. Als einer aus der Runde zum Telefonieren ausstieg, fuhr der Angeklagte zunächst leicht voraus, um seinen telefonierenden Freund zu ärgern. 

Der 17-Jährige wollte sich diesen Jux offenbar nicht gefallen lassen und stellte sich direkt vor das Auto, um Freunde am Weiterfahren zu hindern. Als der Angeklagte dennoch langsam anfuhr, ließ sich der 17-Jährige spontan auf die Motorhaube fallen. Rund zehn bis 30 Meter soll das Auto so auf der Bahnhofstraße in Feldafing in Schrittgeschwindigkeit zurückgelegt haben, hieß es vor Gericht. Zunächst verlief das Ganze glimpflich. Erst beim Bremsen rutschte der 17-Jährige von der Motorhaube, landete schließlich unsanft auf den Knien und zog sich Schürfwunden zu.

Angeklagter gibt zu: „Das war ein dummer Spaß“

Vor Gericht bekannte der Angeklagte: „Das war ein dummer Spaß. Wir wollten beide nicht, dass großartig was passiert. Ich hätte nicht losfahren dürfen.“ Die Schürfwunden des Geschädigten sind inzwischen komplett verheilt. Auch die Freundschaft der beiden hat keinen Schaden genommen. Der Staatsanwalt legte dem bisher unbescholtenen Tutzinger dennoch eine Sorgfaltspflichtverletzung zur Last: „Da gab es eine relativ hohe abstrakte Gefahr, wenn der eine Autofahrer ist und der andere Fußgänger.“ Immerhin war der 17-Jährige nur knapp vor den Vorderreifen gelandet. Schon aus Gründen der Prävention regte die Jugendgerichtshilfe die Teilnahme des angeklagten Fahranfängers an einem Verkehrskurs an.

Eine Maßnahme, die der junge Tutzinger durchaus befürwortete: „Ich will selber einen Kurs machen und glaube, dass das eine gute Maßnahme ist.“ Als großes Plus wertete das Gericht die Einsicht des Schülers. Jugendrichter Ralf Jehle verhängte 32 Sozialstunden und ordnete die Teilnahme an einem Seminar der Kreisverkehrswacht Fürstenfeldbruck an.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb / Uli Deck

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