Moosinnings Vizebürgermeister Manfred Renner

Anklage: Sexuelle Belästigung im Rathaus

Moosinnings Vizebürgermeister Manfred Renner.

Moosinning - Schwere Vorwürfe gegen Manfred Renner: Moosinnings Zweiter Bürgermeister soll zwei Rathaus-Mitarbeiterinnen Zungenküsse verpasst und sie unsittlich berührt haben.

Im Januar steht der 63-Jährige vor Gericht. Seine politische Karriere endet kommende Woche.

Im April dieses Jahres waren zwei weibliche Angestellte des Moosinninger Rathauses zur Polizei gegangen, um Strafanzeige zu erstatten. Die beiden Frauen sagten aus, von Manfred Renner während der Dienstzeit sexuell belästigt worden zu sein. Das Kommissariat 1 der Kripo Erding übernahm die Ermittlungen. Die Vorwürfe gegen den Zweiten Bürgermeister wiegen schwer: sexuelle Nötigung mit Gewalt im Dienst in zwei Fällen.

Unsere Zeitung recherchiert seit Monaten in diesem Fall. Einmal soll die sexuelle Nötigung direkt am Arbeitplatz geschehen sein, beim zweiten Mall soll es sich um eine interne Feier gehandelt haben, in der das Mitglied des Bürgerblocks Moosinning einer Angestellten die Zunge in den Mund gesteckt und an die Brust gegriffen haben soll.

Im Sommer ging die Akte von der Kripo, die sich nicht äußern wollte, an die Staatsanwaltschaft Landshut. Auf wiederholte Nachfrage bestätigte Leitende Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl jedes Mal lediglich Vorwürfe und Ermittlungen. Im Oktober war die Anklageschrift dann fertig.

Sie ging ans Amtsgericht Erding. Dessen Schöffengericht unter dem Vorsitz von Strafrichterin Sabine Seefelder wird den Fall voraussichtlich am 20. Januar verhandeln. Renner droht eine Geld- oder eine Haftstrafe. Letztere dürfte aber zur Bewährung ausgesetzt werden. Gerichtsdirektion Ingrid Kaps bestätigte dem Erdinger/Dorfener Anzeiger Termin und Inhalt der Anklage.

Schließt sich die Kammer der Anklage an, könnte Renner vor Gericht unter Druck geraten, denn er könnte seine Machtstellung ausgenutzt haben. Von 1992 bis 1999 war er zwar Angestellter im Moosinninger Rathaus und unter anderem für Bausachen zuständig. Zu den Übergriffen kam es jedoch in Renners Amtszeit als Zweiter Bürgermeister. Im Sommer 2014 vertrat er Erste Rathauschefin Pamela Kruppa (CSU), als sie Mutter wurde und für die Familie der Kommunalpolitik vorübergehend den Rücken kehrte. Renner gehört dem Bürgerblock Moosinning an, dessen Mitglieder ihn im November 2014 im Amt des Vorsitzenden bestätigten.

Seine Tage als Kommunalpolitiker sind gezählt. Der 63-Jährige hat angegeben, sein Amt als Gemeinderat in der Sitzung am kommenden Dienstag niederzulegen. Den Angeklagten erreichte unsere Zeitung am Donnerstag zu Hause. Er erklärte: „Ich trete aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen zurück“ Mit den Vorwürfen konfrontiert, meinte Renner nur: „Dazu sage ich nichts. Es gibt eine Verhandlung, in der das besprochen wird.“ Auf Nachfrage, ob er die Anklage weder bestätige noch dementiere, gab er zu Protokoll: „So ist es.“

Wortkarg gibt sich auch Bürgermeisterin Kruppa. Aus dem Urlaub sagte sie unserer Zeitung: „Ich darf mich dazu nicht äußern. Es ist in schwebendes Verfahren.“ Dazu habe ihr die Rechtsaufsicht geraten. Und wie geht es im Gemeinderat weiter: „Das Gremium wird den Wunsch des Kollegen Renners am Dienstagabend beraten und ihm wohl nachkommen.“ Laut Kruppa wird Helmut Scharlach als Listennachrücker des Bürgerblocks bereits kommende Woche vereidigt.

Wenn Renner nicht mehr Gemeinderat ist, kann er auch nicht mehr Vize-Bürgermeister sein. „Damit werden wir uns nicht mehr im November befassen. Derzeit gehen wir davon aus, dass das Amt meines Stellvertreters im Dezember wieder besetzt wird.“ Wer das sein könne, auch darüber hüllte sich Kruppa in Schweigen.    

ham

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