Prozess-Wiederaufnahme ist beantragt

Anwältin will Fall neu aufrollen: War der Badewannen-Mord in Wirklichkeit ein Unfall?

Elf Jahre nach dem sogenannten Badewannen-Mord von Rottach-Egern könnte der Fall jetzt in einem ganz anderen Licht erscheinen. Aufgrund Indizien wurde der mutmaßliche Täter damals verurteilt. Seine Anwältin will das Verfahren jetzt neu aufrollen.

Verurteilt aufgrund von Indizien: Das erlebte Manfred Genditzki (59) im Jahr 2010. Das Landgericht München II sprach den Hausmeister des Mordes schuldig und war überzeugt, dass er die Seniorin Lieselotte K. (†87) im Oktober 2008 in Rottach-Egern erschlagen hatte.

Beweise für die Schuld des Angeklagten gab es nie

Als Badewannen-Mord ging der Fall in die Geschichte ein, doch Beweise für die Schuld des Angeklagten gab es nie. Seit Februar 2009 sitzt er im Knast – doch bis heute glaubt seine Familie fest an Genditzkis Unschuld. Und im Hintergrund arbeitete die Münchner Anwältin Regina Rick an der Wiederaufnahme des Falles, die sie am Mittwoch nun beantragt hat.

Ein seltenes Vorgehen: Nur ein Prozent aller Strafprozesse wird tatsächlich nach Jahren neu aufgerollt. Grundlage dafür: neue Beweise. „Ich bin davon überzeugt, dass es sich um ein Fehlurteil handelt und der Antrag begründet ist“, sagt Rick. „Mit den neuen Tatsachen und Beweisen werden sämtliche wesentliche Feststellungen des Urteils grundlegend erschüttert.“ Die Anwältin ist überzeugt: „Wir konnten nachweisen, dass die alte Dame Opfer eines bedauernswerten häuslichen Unfalls geworden und zudem zu einem Zeitpunkt gestorben sein muss, als sich Herr Genditzki nachweislich längst nicht mehr in der Wohnung befand.“ Rick zufolge beweist eine Computersimulation, dass Lieselotte K. durch einen Sturz in die Badewanne starb. Was das Gericht damals ausgeschlossen hatte. Eine neue Zeugin bekräftige diese These aber durch eine Aussage über die Gewohnheiten der verstorbenen Seniorin. Ob der Fall neu aufgerollt wird, muss nun das Landgericht München I entscheiden.

Der Gerichtsbericht von Merkur.de* zu dem Fall von 2012: Badewannen-Mord: Zum zweiten Mal lebenslang

Eine Tat wie kaum eine andere: In der Schweiz hat ein Mann seine Freundin umgebracht, sie angezogen, sauber gemacht und dann ungerührt Fußball geschaut. Es gibt ein neues Urteil.

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