Komplizierte Organisation

Olchinger spendet seine S-Bahn-Tickets für Bedürftige - doch die Stadt ist damit überfordert 

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Der ehemalige Grünen-Stadtrat Manfred Fratton spendete als Abschiedsgeschenk seine S-Bahn-Tickets und ist nun enttäuscht.

Ein Olchinger will ein Geschenk machen: Zwei S-Bahn-Tickets für Bedürftige. Doch niemand kann sie nutzen!

Olching – Um die drei Monate ist es her, dass der Grünen-Stadtrat Manfred Fratton seinen Rücktritt verkündete. Aus beruflichen Gründen konnte der Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei diese Aufgaben nicht wahrnehmen, sagte er damals. Er hinterließ den Bürgern aber ein Abschiedsgeschenk. Er spendete der Stadt Olching einen Betrag, der ausschließlich für zwei Jahresabos der übertragbaren „Isarcard 9 Uhr“ verwendet werden durfte. Diese S-Bahn-Fahrkarten sollten als Sozialtickets für Bedürftige dienen. Das war gut gemeint, stellt sich nun aber so langsam offenbar als eine Art trojanisches Pferd heraus.

„Ich gewinne langsam den Eindruck, dass die Spende sabotiert werden soll“

Laut Fratton hat die Stadt bis heute nicht erklärt, ob sie die Spende überhaupt annehmen will. Man habe ihn damals gefragt, wo die Tickets seiner Auffassung nach hinterlegt werden sollen. Fratton nannte als Beispiel die Stadtwerke, die Bücherei, das Rathaus und zur Not seine eigene Kanzlei, die sich in der Nähe des S-Bahnhofes befindet. „Ich gewinne aber langsam den Eindruck, dass die Spende sabotiert werden soll“, sagte der ehemalige Stadtrat auf Tagblatt-Nachfrage.

Offenbar hapert es gerade an der Organisation. Das wurde auch bei einer Debatte in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses deutlich. Hier herrschte die Auffassung, dass die Sozialtickets bei Manfred Fratton in der Kanzlei ausliegen würden. „Das ist eine Notlösung, weil das Rathaus mit der Sache überfordert ist“, schimpfte Frattons Parteifreundin Christina Claus. Vize-Bürgermeisterin Maria Hartl von der CSU widersprach dem allerdings. Im Gremium kamen noch weitere Fragen zur Organisation auf, wie: An wen werden die Tickets ausgegeben und wie wird überprüft, ob derjenige bedürftig ist? Claus wies darauf hin, dass man das Rad in dieser Sache nicht neu erfinden müsse. An anderen Orten würde das bereits wunderbar funktionieren mit den Sozialtickets – in Germering zum Beispiel.

„Wir kommen da in ein absolutes Verwaltungschaos“

Das Thema war überhaupt zur Sprache gekommen, weil Andreas Teichmann (FDP) einen Antrag gestellt hatte. Die Stadt sollte ein Konzept erarbeiten, wie einkommensschwachen Olchingern dauerhaft Sozialtickets zur Verfügung gestellt werden können. Tomas Bauer von der CSU sprach sich klar dagegen aus, da die Stadt damit zuständige Sozialhilfe-Stellen umgehe. „Wir kommen da in ein absolutes Verwaltungschaos“ sagte Bauer. Andere sahen es als vernünftig an, die Fratton-Tickets erst einmal als Probelauf zu sehen und nach einem Jahr Bilanz zu ziehen. Man will also erst einmal die Erkenntnisse abwarten – wenn es denn dann soweit ist.

So funktioniert es in Germering

Die Idee ist nicht neu. Seit 2015 bietet die Stadt Germering zwei kostenlose Sozialtickets („IsarCard9Uhr“) für das gesamte MVV-Netz an. Berechtigt zur Nutzung sind alle, die Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz erhalten und mindestens 18 Jahre alt sind. Ausgegeben werden die Fahrkarten von der Stadtbibliothek. Wer das Ticket nutzen will, muss sich vorher anmelden. Bei wichtigen Terminen empfiehlt Bibliotheksleiterin Christine Förster-Grüber, dass man sich rechtzeitig, also beispielsweise fünf Tage vorher, anmelden sollte. Bei der Abholung muss man seine Berechtigung nachweisen. Die Tickets müssen noch am selben Abend oder am nächsten Morgen zurück gegeben werden. Seit der Einführung läuft das System reibungslos. Es wird sehr gut angenommen.

Weil der Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels wohl umgeplant wird, muss sich die Münchner Stadtverwaltung einige Fragen gefallen lassen

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