Apotheken-Panne: Mann verätzt sein Gesicht

So sah Anton W. aus, nachdem er den falschen Stift verwendet hatte. „Lassen Sie sich doch einen Bart wachsen“, empfahl man ihm in der Apotheke. Foto: kn

Landkreis Ebersberg - Er wollte nur einen blutstillenden Stift zur Nassrasur. In einer Apotheke im südlichen Landkreis wurde ihm irrtümlich ein Höllenstein ausgehändigt. Der ist zum Warzen entfernen. Jetzt hat Anton W. entstellende Flecken im Gesicht

„Ich habe einen blutstillenden Alaunstift gekauft. Nach der Nassrasur habe ich mit diesem Stift meine kleinen Schittstellen behandelt. Plötzlich färbte sich die Haut dunkel“, beschreibt der 68-Jährige, was ihm widerfahren ist. „Ich bin in Panik in die Kreisklinik gefahren.“

Als Anton W. die Apothekerin zur Rede stellt, meint die tatsächlich: „Lassen sie sich einen Bart wachsen.“ „Das war die höchste Frechheit“, ärgert sich der 68-Jährige. Dass die Frau diesen Satz gesagt hat, bestreitet sie gar nicht: „In so einem Moment muss man erst zum Denken kommen.“ Das Ganze sei ihr peinlich, aber sie wisse nicht einmal genau, ob der Stift wirklich in ihrer Apotheke erworben wurde. „Bei uns geht keiner ab.“

Anton W. zieht das Korpus Delicti aus der Brusttasche seines Hemdes und zeigt ihn: Auf dem kleinen Stift steht groß und deutlich der Name der Apotheke und auch der Preis: 4,65 Euro.

Die schwarzen Flecken, die der Mann im Gesicht hat, werden ihn wohl eine Zeitlang verunstalten. Was den Nassrasierer besonders erbost, ist die Auskunft, die er bei seiner Reklamation in der Apotheke erhalten hat. Die Apothekerin habe gemeint: „Da hat man sich wohl vertan“. Zwischen dem Kunden und der Apothekerin ist das Tischtuch zerschnitten. „Ich hab’ den Mann mehrere Male angerufen und wollte eine Lösung finden. Aber er hat den Kontakt zu mir abgelehnt“, sagt die Frau.

Die Kreisklinik Ebersberg hatte Anton W. den Rat gegeben, sich schnellstmöglich an eine dermatologische Klinik zu wenden. In München wurde der 68-Jährige dann aufgeklärt, dass die Verätzungen noch längere Zeit bestehen bleiben. Die schwarzen Flecken rühren vom im Höllenstein enthaltenen Silbernitrat, das mit der Haut reagiert. „Überall werde ich gefragt: Hast’ geschlägert?“, ärgert sich Anton W. Im Beipackzettel stehe, dass das mit der Zeit vergehe. „Wir haben auch bei der Herstellerfirma angerufen und gefragt, was man da tun kann“, erläutert die Apothekerin.

Strafrechtlich, so wurde Anton W. inzwischen von der Polizei aufgeklärt, könne er nur etwas unternehmen, wenn er den Namen der Angestellten wisse, die ihm den Höllenstein ausgehändigt habe. „Den weiß ich aber nicht.“ Wie kann ihm momentan geholfen werden? Die zehn Euro Praxisgebühr und die Kilometer erstatten? Das wäre wenigstens eine versöhnliche Geste.

Von Michael Seeholzer

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