Kein Vertrag, kein Geld - Architekt geht leer aus

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Kloster Andechs

Andechs/München - Er hatte ein Pilgerhotel beim Kloster Andechs geplant - gebaut wurde es nie. Und so hat der Architekt auch kein Geld erhalten. 261 000 Euro plus Anwaltskosten verlangte er deshalb vor Gericht - warum er es nicht bekommt:

Nach jahrelangem Rechtsstreit um ein nie realisiertes Pilgerhotel beim Kloster Andechs bekommt ein Architekt kein Geld für seine Planungen. Das Oberlandesgericht München wies am Freitag die Berufung des Architekten gegen ein entsprechendes Urteil des Landgerichts München zurück. Schon das Landgericht hatte die Honorarforderung in Höhe von knapp 261 000 Euro plus mehreren tausend Euro Anwaltskosten mit der Begründung abgelehnt, es habe keinen vergütungspflichtigen Architektenvertrag zwischen den Parteien gegeben. Das Urteil ist endgültig, eine Revision ließ der 9. Senat nicht zu. Der Architekt kann dagegen nur noch Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof einlegen.

Streit zieht sich seit Jahren hin

Der Streit zieht sich seit Jahren hin. Das Millionen-Projekt war bereits Ende der 1990er Jahre unter dem damalige Prior des Klosters Andechs, Anselm Bilgri, und einem weltlichen Mitarbeiter des Klosters vorangetrieben worden. Am Fuße des “Heiligen Berges“, wie der Klosterberg in Andechs genannt wird, sollte Medienberichten zufolge die Bleibe für Wallfahrer mit Pool und mehr als 100 Zimmern entstehen. Die geschätzten Kosten lagen nach den Berichten zwischen 20 und 30 Millionen Euro.

Als Bilgri das Kloster endgültig 2004 verließ, verschwanden die Pläne in der Schublade. Der neue Abt Johannes Eckert hatte kein Interesse an den Plänen. In einer Kapitelsitzung wurde Anfang 2005 beschlossen, dass bis auf weiteres keine Entscheidung für das Hotel getroffen werden sollte - der Architekt stellte eine Schlussrechnung. Doch er konnte sich nur auf einen mündlichen Auftrag berufen.

Mündliche Auftragserteilung war Richtern zu wenig

Der weltliche Klostermitarbeiter und Geschäftsführer eines klösterlichen Teilbetriebs hatte vor Gericht gesagt, es habe wohl eine mündliche Auftragserteilung gegeben. Ähnlich äußerte sich Bilgri vor Gericht. Das war den Richtern aber zu wenig. “Eine konkrete Auftragserteilung konnte in der Beweisaufnahme durch keinen Zeugen bestätigt werden“, erläuterte das Gericht. Das Kloster begrüßte das Urteil. “Das war immer unsere Rechtsauffassung“, sagte Sprecher Martin Glaab.

Bilgri, zunächst zuständig für die wirtschaftlichen Belange der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz, war in den 1990er Jahren Prior des zugehörigen Klosters Andechs geworden und hatte dieses zunächst modern und erfolgreich geführt. Nach Differenzen trat er jedoch aus dem Orden aus.

dpa

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