Strafe von neun Monaten

„Irgendwann ist Schluss“: Richter schickt Mann nach „Scheiß Ossi“-Vorfall in den Knast

Die Liste der Straftaten eines 51-jährigen Geretsrieders ist lang.  „Irgendwann ist wieder mal Schluss“, befand der Richter - auch wenn ihm nicht alles nachgewiesen werden konnte. 

Geretsried/Wolfratshausen Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung in drei Fällen und versuchte Sachbeschädigung: Die Liste der Straftaten, für die sich ein 51 Jahre alter Geretsrieder vor dem Amtsgericht verantworten musste, war lang. Zwar konnten nicht alle Taten, die die Staatsanwaltschaft dem mehrfach vorbestraften Angeklagten zur Last legte, nachgewiesen werden. Was übrig blieb, reichte jedoch für weitere neun Monate Gefängnis aus. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Den ersten Anklagepunkt räumte der Geretsrieder vollumfänglich ein. Am 1. August vorigen Jahres gegen 21 Uhr hatte er einen Wohnungsnachbarn als „Scheiß Ossi“ tituliert und ihm kurz darauf mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die aufgeplatzte Lippe des Nachbarn musste im Krankenhaus mit zwei Stichen genäht werden. „Der Schlag war ein Reflex“, erklärte der Beschuldigte. Vorausgegangen war eine Diskussion, weil der Anklagte in der heißen Augustnacht bei Gewitter die Haustür sperrangelweit offen gelassen hatte – was dem Nachbarn nicht gefiel.

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Einige Tage zuvor soll der angeklagte Karosserieschlosser auf einer nahegelegenen Baustelle mehrmals Installationen beschädigt haben. Im Rohbau des Wohnblocks waren in der Zeit zwischen dem ersten und 21. Juni vorigen Jahres in mehreren Wohnungen Dichtungen an den Trinkwasserleitungen entfernt worden. Eine Woche später stellten Mitarbeiter eines Wärmepumpenherstellers fest, dass kein Druck mehr auf den Leitungen war: Etliche Heizungsrohre waren angebohrt worden. Der größte Schaden entstand zur selben Zeit an der Sanitäranlage: In 26 Wohnungen waren die Toiletten-Spülkästen angebohrt worden. Der Gesamtschaden summierte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf über 100.000 Euro.

„Da weiß ich nichts davon. Ich habe da nichts angebohrt, weder Spülkästen noch Rohre. Und ich habe auch keine Dichtungen entfernt“, beteuerte der Angeklagte. Er war schnell in Verdacht geraten, weil er für ein knappes Jahr in der Installationsfirma gearbeitet hatte. Daraufhin wurde eine Videokamera installiert, zudem observierte die Polizei die Großbaustelle. Am 5. August wurde der Angeklagte von drei Beamten einer Zivilstreife auf frischer Tat ertappt, als er das Entlüftungsventil einer Heizungsanlage aufdrehte. „Ja, das stimmt. Ich wollte das Ventil mitnehmen“, sagte der Beschuldigte, der ebenfalls zugab, Verschlusskappen von der Baustelle gestohlen zu haben. „Das war absoluter Blödsinn“, zeigte der Mann sich einsichtig.

Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder zu einer Haftstrafe von neun Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Das Urteil entsprach dem Antrag der Verteidigung. Der Staatsanwalt hatte elf Monate gefordert und sich gegen eine Bewährung ausgesprochen. Als Auflage muss der Verurteilte 2000 Euro an den Verein Bürger für Bürger zahlen. „Irgendwann ist wieder mal Schluss“, ermahnte Berger den Angeklagten im Rahmen seiner Urteilsbegründung. „Auch Kleinmist ebnet den Weg ins Gefängnis.“

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Rubriklistenbild: © dpa / Volker Hartmann

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