Auch Kronprinzen-Mercedes vor Pfändung?

Flughafen - Auf dem königlichen Flieger klebt bereits der Kuckuck. Droht nun auch dem privaten Mercedes des Kronprinzen von Thailand die Pfändung? Das große Rätsel um ein Diplomatenkennzeichen:

Der silberne Mercedes SLK parkt in der Auffahrt des Flughafenhotels "Kempinski", wird abgeschirmt von dunkel gekleideten Herren und einer ganzen Armada schwarzer Limousinen mit getönten Scheiben: Die Bodyguards haben ein waches Auge auf die edle Sportkarosse, die wohl zum Fuhrpark des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn (58) gehört. Ganz besonders interessant: Quasi über Nacht hat das Fahrzeug, das bisher stets mit einer thailändischen Zulassung gesichtet wurde, ein neues Schild an der Stoßstange hängen: eine deutsche Diplomatennummer.

Der Fuhrpark ihrer Majestät - Damit bleibt der Prinz mobil:

Der Fuhrpark des thailändischen Kronprinzen

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Königs-Jet auf Münchner Flughafen gepfändet

Bereits am Dienstag hatten Behörden im Auftrag eines Insolvenzverwalters am Flughafen München das königliche Flugzeug des thailändischen Kronprinzen versiegeln lassen. Der Grund: Ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen einem bayerischen Bauunternehmen und der thailändischen Regierung. Es geht um mehrere Millionen Euro, die das asiatische Land bisher nicht zahlen wollte.

Nun werden Vermutungen laut, der Thailand-Prinz habe in aller Eile an sein Auto ein Konsulatskennzeichen anschrauben lassen, um das wertvolle Gefährt vor dem Zugriff der Beamten zu bewahren. Diplomatenautos genießen im deutschen Straßenverkehr und auch in der hiesigen Rechtssprechung besondere Immunität, eine Sicherstellung ist daher nicht unkompliziert.

In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH VIIZB8/05) heißt es: "Bei Maßnahmen der Zwangsvollstreckung gegen einen fremden Staat darf nicht auf die seiner diplomatischen Vertretung zur Wahrnehmung ihrer amtlichen Funktion dienenden Gegenstände zugegriffen werden, sofern dadurch die Erfüllung der diplomatischen Tätigkeit beeinträchtigt werden könnte". Ob ein Sportwagen unter diese Regelung fällt, müsste im konkreten Einzelfall entschieden werden.

Doch im Büro des Insolvenzverwalters gibt es scheinbar keine derartigen Bestrebungen. Der geschätzte Wert der bereits am Dienstag gepfändeten Boeing 737, die regelmäßig vom thailändischen Kronprinzen gesteuert und nun im Erdinger Moos festgehalten wird, reicht nach Informationen aus der Neu-Ulmer Kanzlei von Werner Schneider völlig aus: Der geschätzte Wert des Fliegers beläuft sich auf 50 bis 75 Millionen Euro - genug also, um als Sicherungsleistung für die noch ausstehende Forderung herzuhalten.

Der thailändische Königstross ging offenbar dennoch auf Nummer sicher. Wie es aus der zuständigen Münchener Zulassungsbehörde heißt, seien Ummeldungen ausländischer Kennzeichen auf Diplomatennummern "sehr selten". In der Regel würden nur Neufahrzeuge mit den Sonderplaketten beschildert. Erst vor wenigen Tagen wurden der Prinz samt Gefolgschaft noch auf einem bayerischen Erdbeerfeld gesichtet, seine Hohheit ließ ganze 60 Kilo der süßen Frucht in die Autos laden. Mit dabei war auch der silberne Mercedes - damals noch mit thailändischem Kennzeichen.

[afo]

Rubriklistenbild: © fkn

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