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Mit den Gästen gefreut und gelitten: Traditionswirt von „Jadran Grill“ hört auf

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Von: Patrick Staar

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Wird seine Gäste vermissen: Neu-Ruheständler Ante Kokeza. 24 Jahre lang stand er fast jeden Tag im „Jadran Grill“. Der 63-Jährige will sich mehr um seine Familie kümmern
Wird seine Gäste vermissen: Neu-Ruheständler Ante Kokeza. 24 Jahre lang stand er fast jeden Tag im „Jadran Grill“. Der 63-Jährige will sich mehr um seine Familie kümmern © Patrick Staar

Nach 24 Jahren geht Ante Kokeza, Gastwirt des Tölzer Lokals „Jadran Grill“, in den Ruhestand. Er freut sich auf mehr Zeit mit seiner Familie.

Bad Tölz – Gastronom mit Leib und Seele: Wenn dieser Begriff auf einen Gastwirt zutrifft, dann auf Ante Kokeza. 24 Jahre lang stand er jeden Tag in seinem Lokal, nur die letzten vier ließ er es etwas ruhiger angehen und genehmigte sich jede Woche einen Ruhetag. Am 1. September ging Kokeza in den Ruhestand und übergab seine Gaststätte an Dario Tokic, der bislang dort als Kellner arbeitete (wir haben berichtet).

Schon als Jugendlicher war sich Kokeza sicher, dass er in die Gastronomie will. „Mit 17 war ich der Jüngste in der Ausbildungsklasse, wahrscheinlich sogar in der ganzen Schule“, erinnert er sich. Freunde lotsten ihn später nach Bad Ems in Rheinland-Pfalz, wo er 14 Jahre lang als Chefkoch arbeitete. Als er erfuhr, dass in Bad Tölz das damals schon etablierte Lokal frei wird, griff er zu und wurde gemeinsam mit seinem Schwager Svetko Basic Inhaber des „Jadran Grill“. Basic hatte schon lange davor in Bayern gelebt. Die Ehefrauen der beiden kümmerten sich fortan um die Küche, die Männer um den Service.

Der 63-Jährige will sich mehr um seine Familie kümmern

Als ihr Vater 2018 starb, trat Tochter Viktorija an dessen Stelle. Die beiden Familien setzten seit dem Start im Jahr 1994 ganz auf mediterrane Küche und hochwertige Gerichte. „Unsere Fischgerichte sind bekannt von Rosenheim bis München“, sagt Kokeza. Unzählige Gäste wählten das Lokal für Geburtstags-, Hochzeits-, und Tauffeiern aus. Nach Ansicht des Neu-Ruheständlers ist Kommunikationsfähigkeit das Wichtigste, um in der Gastronomie Fuß zu fassen.

„Ich war zu jedem Gespräch bereit, habe mich mit meinen Stammgästen gefreut, habe mit ihnen gelitten, habe ihnen Rat gegeben und ihren Rat angenommen.“ Um jeden Tag im Lokal zu stehen, müsse man im positiven Sinne verrückt sein und eine Familie haben, die aus der Gastronomie kommt: „Sonst geht das nicht.“ Das einzige, was sich Kokeza jedes Jahr zugestand: Drei, vier Wochen Urlaub in Kroatien.

Nie habe er daran gedacht, das Lokal zu schließen, auch nicht in den schlimmsten Coronazeiten: „Wir haben die Jahre vergleichsweise gut überlebt“, sagt der 63-Jährige. Wann immer es zulässig war, sei offen gewesen, auch wenn die Ausgaben zwischenzeitlich mal höher waren als die Einnahmen. Die Hauptgründe: „Ich wollte mein Personal beieinander halten, und ich wollte weiter für unsere Gäste da sein.“

Kürzlich änderte Kokeza sein Profilbild auf Facebook und ersetzte das Logo des „Jadran Grill“ durch den kroatischen Spruch: „Jetzt ist die Zeit gekommen, um neue Seiten aufzuschlagen.“ Viele Gäste hätten sich danach erschrocken bei ihm gemeldet, sagt Kokeza: „Sie haben mich gefragt: Ist alles in Ordnung bei dir? Bist du gesund?“ Der Gastronom konnte sie beruhigen.

Freundschaftliche Verbindung zu vielen Stammgästen

Was sich in all den Jahren geändert hat? „Klar, Kroatien bleibt meine Heimat“, antwortet der 63-Jährige. „Inzwischen fühle ich mich aber mehr als Deutscher, wie als Kroate.“ Wie sehr er inzwischen in Bad Tölz verwurzelt ist, spürte er am vergangenen Samstag. Da wollte er durch die Marktstraße spazieren. „Tatsächlich hatte ich aber eine Dreiviertelstunde keine Chance weiterzugehen, weil immer wieder jemand mit mir sprechen wollte“, erzählt er schmunzelnd. „Da fühlt man sich dann schon zu Hause.“ Stammgäste spendierten ihm zum Abschied einen Platz in einer Vip-Lounge im Eisstadion, so dass er sich jetzt mal ein Spiel der Tölzer Löwen ansehen kann. Andere Stammgäste luden Kokeza zu sich nach Hamburg ein: „Ich werde diese dicken Freundschaften mein Leben lang im Herzen behalten“, sagt der 63-Jährige.

Er will nun all dies nachholen, wozu er in vergangenen Jahrzehnten nur wenig Zeit hatte: Mehr Zeit in seinem Haus in der Nähe von Split verbringen. Sich mehr um seine Familie kümmern, auch als Opa ist der 63-Jährige bald gefragt. Er ist erleichtert, dass seine beiden Töchter einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen haben: „Gastronom ist ein anstrengender Job, den man wirklich lieben muss.“

Die Ältere ist mit einem Tölzer verheiratet und wird demnächst Mutter. Die jüngere leitet in München drei Kindergärten und schreibt gerade ihre Doktorarbeit in Sozialmanagement. Das Lokal führt seit 1. September Dario Tokic, der zuletzt sieben Jahre als Kellner angestellt war. „Ein vollkommen netter und hilfsbereiter Mensch“, sagt Kokeza. „Ich bin sehr froh, dass er das Lokal übernimmt, denn so ist garantiert, dass es weiter in sehr guten Händen ist. Ich bin so glücklich darüber, dass ich fast eine Gänsehaut bekomme.“

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