Team des tz-Bürgeranwalts hilft

Außerordentliche Abo-Kündigung: Ist das möglich?

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Ingrid Barthel konnte ihr Zeitschriften-Abo kündigen.

München - Ingrid Barthel (79), Rentnerin aus Herrsching, wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Sie möchte ein Abo außerordentlich kündigen.

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Eine außerordentliche Kündigung, wie sie heute auf dieser Seite eine Rolle spielt, ist gar nicht so einfach. Selbst bei Gerichtsentscheidungen lässt sich kein einheitlicher Trend ablesen. Manchmal entscheiden die Richter zugunsten des Verbrauchers, manchmal zugunsten eines Unternehmens. Es kommt immer auf den Einzelfall an.

In der Post an das Team des Bürgeranwaltes spielen außerordentliche Kündigungen vor allem im Zusammenhang mit Handyverträgen und Fitnessstudios eine Rolle. Bei Fitnessverträgen wird meist ins Feld geführt, der Vertragspartner sei krank und könne keinen Sport mehr machen. Das kann ein außerordentlicher Kündigungsgrund sein, wenn keine Aussicht auf Genesung besteht. Wenn jemand nur vorübergehend krank ist, kann ein Fitnessvertrag durchaus ausgesetzt werden. Allerdings darf ein Fitnessunternehmen nicht damit argumentieren, man könne ja auch als Kranker Teile der Anlage nutzen. Beispielsweise die Sauna. Das ist zu wenig.

Schwierig wird es, wenn ein Vertragspartner umzieht. Das ist sowohl bei Anfragen an unser Team zu Fitness-, vor allem aber zu Handyverträgen der Fall. Wenn die Leistung des Telefonanbieters auch am neuen Ort genutzt werden kann, ist der Umzug natürlich kein Grund für eine fristlose Kündigung. Wie ist es aber, wenn jemand ins Ausland zieht? Dann, so argumentieren manche Anbieter, könne man ja auch dort mit dem alten Vertrag über das Netz eines Vertragspartners telefonieren. Das ist aber wesentlich teurer, führen die Verbraucherschützer ins Feld. In solchen Fällen muss ein Richter entscheiden, was zumutbar ist. Die Erfahrung lehrt aber, dass bei einer guten Argumentation und Dokumentation der Kündigungsgründe viele Firmen eine Kulanzlösung der Auseinandersetzung vor Gericht vorziehen.

Ihr Dietmar Gaiser

Abo kündigen – nur mit Arzt-Attest

Ich bin 79 Jahre alt und habe Schwierigkeiten mit meinen Augen. Leider habe ich trotzdem ein Zeitschriften-Abonnement bis 2016 abgeschlossen. Nun ist mein Augenleiden aber in den letzten Monaten immer schlimmer geworden und inzwischen sehe ich so schlecht, dass ich die Buchstaben nicht mehr richtig erkennen kann. Daraufhin versuchte ich, den Abovertrag außerordentlich zu kündigen und legte der Kündigung ein Schreiben meines Optikers bei, aber bisher erhielt ich keine Reaktion. Bitte helfen Sie mir.

Ingrid Barthel (79), Rentnerin aus Herrsching

Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern, die wir einschalteten, machte uns klar, dass es gar nicht so einfach ist, eine außerordentliche Kündigung durchzusetzen. „Die Gerichte entscheiden je nach Einzelfall sehr unterschiedlich. Aber wichtig ist es, dass Frau Barthel ihr Leiden gut dokumentiert und dafür reicht das

Schreiben eines Optikers nicht. Sie muss schon ein ärztliches Attest beibringen, um ausreichende Gründe für eine außerordentliche Kündigung zu haben.“

Die außerordentliche Kündigung wegen Krankheit setzt übrigens voraus, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Leiden handelt. Wenn die Sehschwäche also heilbar wäre, würde sie als Kündigungsgrund wahrscheinlich nicht anerkannt.

Wir baten also Frau Barthel, ein entsprechendes Attest ihres Arztes zu besorgen und an die Vertriebszentrale der Zeitschrift zu schicken. Außerdem setzten wir uns dort mit den Verantwortlichen in Verbindung. Als das Attest des Arztes angekommen war, dauerte es nicht mehr lange und das Abonnement war gekündigt.

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