Beinahe täglich Unfälle

Autobahn-Feuerwehren werden im Stich gelassen

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Komplizierte Rettungsaktion: Feuerwehrmänner aus Sulzemoos, Feldgeding und Odelzhausen waren gemeinsam zugange, um mit Steckleitern und hydraulischem Gerät den Innenraum dieses Autos so zu stabilisieren, dass der Fahrer aus dem Wrack befreit werden konnte. Er und seine Beifahrerin wurden bei diesem Unfall im vergangenen Jahr auf der A 8 bei Sulzemoos schwer verletzt.  Und dann wollen die Versicherungen nicht alles bezahlen

Die Feuerwehrmänner an der A 8 sind beinahe täglich bei Unfällen im Einsatz und leisten Großartiges. Probleme machen aber bei weitem nicht nur die bisweilen respektlosen Autofahrer.

Dachau - Die Belastung der Freiwilligen Feuerwehren aus den Gemeinden entlang des Asphaltbands der Autobahn 8 in der Region Dachau ist immens. Das belegen die Unfallzahlen im Bereich von Adelzhausen bis Obermenzing. Im Zeitraum von Januar bis November 2017 krachte es dort 497 Mal. 227 Menschen erlitten leichte, 15 schwere Verletzungen. Tote gab es Gott sei Dank keine.   

Auch im noch jungen Jahr 2018 krachte es schon mehrfach. Zuletzt wehte ein Orkantief am Donnerstagabend den Kleinlaster eines Polen bei Odelzhausen von der Fahrbahn. Der 22-Jährige blieb heil, sein Fahrzeug wurde schwer beschädigt. Nicht bei allen Unfällen wird die Feuerwehr alarmiert – aber bei sehr vielen. Kein Wunder also, dass beispielsweise die FFW Odelzhausen im vergangenen Jahr rund 85 Prozent ihrer 114 Einsätze auf der A 8 zu bewältigen hatte. Bei den Kollegen aus Sulzemoos oder Feldgeding sieht es ähnlich aus. Bei der etwas weiter entfernt stationierten FFW Günding sind es auch noch rund 30 Prozent.

Für ihre Arbeit brauchen die Wehren gute Fahrzeuge und spezielles Gerät. Und das ist sehr teuer. Die Odelzhauser etwa stellten 2016 ein neues, für den Einsatz auf der Autobahn speziell aufgerüstetes Löschfahrzeug (LF) in Dienst; Kosten: 380 000 Euro. Bezahlt werden Fahrzeuge und Geräte von den Gemeinden. „Es ist für einen freiwilligen Bereich ein unfassbarer Aufwand“, sagt Odelzhausens Bürgermeister Markus Trinkl. Auf das Thema Zuschüsse angesprochen, wird das Gemeindeoberhaupt sauer. Zwar gab es für das LF seiner Wehr 90 000 Euro vom Freistaat. Und der Landkreis stellte der FFW einen Sicherungsanhänger zur Verfügung. Aber: „Vom Bund kommt gar nichts“, so Trinkl. Dabei ist er der Straßenbaulastträger.

Dass der Bund nichts zuschießt, ärgert auch Trinkls Sulzemooser Amtskollegen Gerhard Hainzinger. Er gibt zu bedenken, dass seine Einsatzkräfte im Vergleich zu anderen Feuerwehren viel mehr Personen retten und Fahrzeuge bergen müssten und dafür dementsprechend wesentlich mehr spezielles Gerät vorzuhalten hätten.

Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann sagt, seine Kommune habe das Nichtstun des Bundes immer wieder moniert, „aber bislang ging gar nichts“. Die Gesetzgebung, die die Feuerwehren betreffe, liege bei den Ländern, teilt das Verkehrsministerium lapidar mit und verweist auf die landesrechtlichen Regelungen. Bayern wiederum bezuschusst alle Feuerwehren gleich, egal, wie viele Einsätze sie haben und welches Equipment sie dafür benötigen.

Doch damit nicht genug. Es gibt noch ein Thema, das die Gemeindechefs gewaltig stresst: die Abrechnung mit den Versicherungen der Unfallverursacher. Permanent zweifeln die Versicherer laut den Bürgermeistern die Auflistungen der Feuerwehren an. Mal seien zu viele Kräfte im Einsatz gewesen, mal hätte es dieses und jenes Gerät nicht gebraucht. Dabei geht es oft nur um Kosten in Höhe von 200 oder 300 Euro pro Einsatz. Sie sind nicht zuletzt deshalb so gering, weil viele Arbeitgeber den Lohnausfall für die Feuerwehrmänner nicht in Rechnung stellen. „Die Versicherungen versuchen, sich auf auf allen Kanälen zu wehren. Und wir laufen den Zahlungen hinterher“, sagt Trinkl. Seinem Kollegen Hainzinger ist die Sache längst zu bunt geworden. Er übergibt mittlerweile alle Fälle sofort an die gemeindlichen Anwälte. „Dann zahlen die Versicherungen“, hat er festgestellt.

Auf ihre Leute lassen die Bürgermeister nichts kommen. „Sie leisten einen Wahnsinnsdienst“, sagt etwa Hainzinger. Dennoch mangelt es zunehmend am Respekt gegenüber den Einsatzkräften, wie die Feuerwehrgewerkschaft meint. Sie hat daher gerade den Kurzfilm „Respekt? Ja, bitte!“ herausgebracht, der von Gewalt gegenüber den Kollegen handelt.

„Dabei hat uns ein Autofahrer massiv beleidigt“

Die Männer von den Autobahn-Feuerwehren sind bislang nicht attackiert worden. Wenngleich es bei den Autofahrern schon mal am Respekt mangelt. Oliver Mathis, Kommandant der FFW Odelzhausen, erinnert sich an eine Massenkarambolage mit 29 beteiligten Fahrzeugen und 30 Verletzten im vergangenen August. „Wir mussten das Leitfahrzeug wenden. Dabei hat uns ein Autofahrer massiv beleidigt“, so Mathis, „die Ausdrücke behalte ich lieber für mich.“

Personell haben die A 8-Wehren keine Probleme. Bei 95 Prozent aller Einsätze habe er genügend Kräfte, meint etwa Feldgedings Kommandant Tobias Westenrieder. Unterstützung erhalten sie in allen Gemeinden von den Bauhofmitarbeitern, die meistens mit rausfahren. „Bei uns ist eine Feuerwehrausbildung ein Kriterium bei der Einstellung“, sagt Markus Trinkl. Habe der Bauhofmitarbeiter keine, dann müsse er diese nachholen.

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