Die "Autobumser-Bande" ist aufgeflogen

Landkreis - Die Kriminalpolizei ist einem groß angelegen Versicherungsbetrug durch vorgetäuschte Verkehrsunfälle auf die Schliche gekommen. Die mutmaßlichen Komplizen sind Werkstattbesitzer aus dem Landkreis Ebersberg.

Schon einige Monate ermittelt die Kripo Erding gegen einen 49-jährigen deutschen Werkstattbetreiber und Hobbyrennfahrer und zwei weitere deutsche Kfz-Werkstattbesitzer aus dem Landkreis Ebersberg. Das Trio hat seit etwa zehn Jahren zusammen mit weiteren 16 Beteiligten eine Vielzahl von Versicherungen um eine Schadenssumme von mindestens 425.000 Euro betrogen. „Und das sind erst die Fälle, die wir ihnen bislang nachweisen konnten“, sagt Michaela Grob vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei den nachgewiesenen, vorgetäuschten Schadensfällen nur um die Spitze eines Eisbergs handelt.

Wie sind die Ganoven vorgegangen? „Den Versicherungen wurden Unfälle gemeldet, die mit den Unfallbeteiligten abgesprochen waren“, so die Kripo. Um hohe Schadenssummen zu erreichen, seien oft hochwertige Fahrzeuge wie Ferrari, Mercedes und BMW beteiligt gewesen. In jedem Fall wurden Nutzungsausfälle und Wertminderung geltend gemacht. Abgerechnet wurden Vollkasko- und Teilkaskoschäden. Zum Teil, so die Polizei, seien Unfälle in Absprache unter den Werkstätten einfach so abgerechnet worden, zum Teil seien an vereinbarten Orten Unfälle inszeniert worden, die Autos wurden anschließend notdürftig repariert, den Versicherungen seien aber hohe Schadensrechnungen präsentiert worden. „Um nicht aufzufallen, wurden die Autos auf verschiedene Personen zugelassen, die dann mit einigen hundert Euro entlohnt wurden“, berichtet die Polizei. Die neuen Halter hätten die Fahrzeuge teilweise nie zu Gesicht bekommen. Die Betrüger müssen sich ziemlich sicher gefühlt haben, denn die Autos wurden oft mehrfach für Schadensfälle benutzt.

Als Grund für die Taten gab der 49-Jährige bei seiner Vernehmung durch die Polizei an, dass es ihm die Versicherungen so leicht gemacht hätten. „Die Polizei war selbstverständlich bei keinem Unfall eingeschaltet“, informierte das Präsidium in Ingolstadt.

Die Unfälle seien zum größten Teil auf einem abgelegenen Firmengelände des 49-Jährigen im Landkreis München arrangiert worden. Die Unfallberichte hatten mitunter große Lücken. Trotzdem dauerte es offensichtlich Jahre, bis einem Versicherungsunternehmen Ungereimtheiten auffielen und es sich schließlich an die Polizei wandte.

Bei der Durchsuchung der Werkstatt des Haupttäters wurde zu allem Überfluss festgestellt, dass der Hobbyrennfahrer seit Jahren einen nicht angemeldeten Mitarbeiter beschäftigt hatte.

„Zwei der drei beschuldigten Werkstattbetreiber müssen jetzt mit einer Haftstrafe rechnen, die übrigen Beteiligten dürften wohl mit einer saftigen Geldstrafe davon kommen. Zudem werden die Versicherungen von den Beteiligten das zu Unrecht ausgezahlte Geld zurückfordern“, kündigt die Polizei an.

Michael Seeholzer

Rubriklistenbild: © dapd

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