Drive-In-Kino München

Autokino Aschheim öffnet trotz Ausgangssperre - Sonderlösung gefunden

Platz für Alternativen: Axel Wahmke (links), Geschäftsführer der Drive-in-Autokinos, will mit Theaterleiter Stefan Mund eine LED-Bildfläche in Aschheim aufstellen. Damit sind Vorstellungen bei Tageslicht möglich.
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Platz für Alternativen: Axel Wahmke (links), Geschäftsführer der Drive-in-Autokinos, will mit Theaterleiter Stefan Mund eine LED-Bildfläche in Aschheim aufstellen. Damit sind Vorstellungen bei Tageslicht möglich.

Bayerische Autokinos haben wegen Corona seit einem halben Jahr geschlossen – jetzt dürfen sie öffnen. Wegen der Ausgangssperre gibt es in Aschheim eine alternative Lösung.

Aschheim – Axel Wahmke, Geschäftsführer des Ascheimer Autokinos, sitzt einsam zwischen den roten Stühlen im Foyer seiner kinoeigenen Snackbar. An den Innenwänden des Häuschens hängen angestaubte Filmplakate. Die meisten der beworbenen Streifen wären unter normalen Bedingungen längst auf DVD erhältlich. Doch viele davon warten ein Jahr nach ihrem theoretischen Kinostart noch immer auf Besucher. Nächste Woche dürfen die wieder kommen.

Der 56-jährige Autokino-Inhaber ist guter Dinge. Er schwelgt in Erinnerungen an alte Zeiten – und ist froh, dass es jetzt bergauf geht. Zwischenzeitlich sah es gar nicht danach aus: Alle fünf Drive-in-Kinos in Deutschland, die unter Wahmkes Verantwortung stehen, sind derzeit noch geschlossen. In Aschheim sperrte der Starnberger die Pforten bereits Anfang November zu – das bayerische Infektionsschutzgesetz sah keine Sonderreglung für Autokinos vor. Besucher durften das Areal bisher nur betreten, um zur Corona-Teststation* zu gelangen. Die gibt es auf dem Drive-in-Areal seit Ostern.

Autokino Aschheim „inzidenzunabhängig zugelassen“ - doch die Ausgangssperre verhindert Vorstellungen

Am Dienstag hat sich das geändert. Mitglieder des Bayerischen Kabinetts beschlossen: „Autokinos werden inzidenzunabhängig zugelassen“ – ein Hygienekonzept und FFP2-Maskenpflicht außerhalb der Fahrzeuge vorausgesetzt. Doch dabei ist ein Problem geblieben: Der späte Sonnenuntergang kollidiert mit der Ausgangssperre ab 22 Uhr – eine Kinovorstellung im Dunkeln wäre rein zeitlich nicht möglich.

Wahmke hat für die Aschheimer Filiale* deshalb eine Sonderlösung gefunden: „Ab Mittwoch nächster Woche haben wir eine LED-Bildfläche zur Verfügung, die Vorstellungen auch bei Tageslicht möglich macht“, sagt der Geschäftsführer. Er hofft, dass sich der Trend des vergangenen Sommers damit fortsetzt. „Das Format Autokino hat einen riesen Aufschwung erlebt“, erinnert sich der 56-Jährige. Viele kamen wegen Corona zum ersten Mal – und bleiben vielleicht als Stammkunden.

Stefan Mund, Theaterleiter des Autokinos in Aschheim, erklärt: „Wir konnten uns dank der Öffnung im Sommer sehr gut über Wasser halten.“ In seiner Filiale im Münchner Landkreis nutzte er die Zeit bis jetzt, um den Internetauftritt zu verbessern und Wände zu streichen. Auch ein Novum soll es bald geben: „Eine App, mit der Besucher ihre Snacks bestellen und ans Auto liefern lassen können.“ Mund sagt: „Damit können Gäste auf jeglichen Kontakt verzichten – sie müssen nicht einmal aussteigen.“

Autokino Aschheim öffnet mit strengem Hygienekonzept - „Gäste wollen Corona für einen Abend vergessen“

Wahmke zufolge war das aber auch bisher kein Problem: „Von Gästen, die sich in unseren Filialen infiziert haben, habe ich nie gehört.“ Öffentliche Toiletten, Gastronomie to go und Parkplätze – das alles gebe es schließlich auch im öffentlichen Raum. Nur ohne der Aufsicht von Wahmkes Mitarbeitern. Und ohne deren Infektionsschutzkonzept.

„Kurz vor dem Filmstart ist im Bezug auf die Hygiene die wichtigste Zeit“, sagt Mund. Draußen dämmert es dann bereits. Die besten Stellplätze vor der Bildwand sind besetzt. Besucher steigen aus ihren Wagen, machen sich frisch, kaufen Popcorn an der Snackbar. Die Stimmung ist gut. „Und die Gäste lachen und freuen sich auf einen Abend, an dem sie Corona* vergessen können.“

Bei dieser Szene erlebte Wahmke nur einmal Besucher, die sich mit anderen Gästen zusammenrotten wollten. „Junge Erwachsene, verteilt auf drei, vier Autos, bildeten eine Gruppe.“ Bis sie vom Personal angesprochen wurden. Sie zeigten sich einsichtig und verteilten sich schnell wieder. Der Geschäftsführer sagt: „Wären sie nicht zu uns gekommen, hätten sie Papas Partykeller übernommen.“ Wegen solcher Erlebnisse ist er froh, dass die Gäste nächste Woche wieder kommen dürfen. (nap) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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