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Gaspreise stellen Unternehmen vor Herausforderungen: „Bier wird definitiv teurer“

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Von: Laura May

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Wird’s bald „zapfenduster“? Die Brauereien jedenfalls brauchen Kohlensäure zum Abfüllen des Bieres.
Wird’s bald „zapfenduster“? Die Brauereien jedenfalls brauchen Kohlensäure zum Abfüllen des Bieres. © MICHAELA Rehle

Ob zum Trocknen von Spaghetti, dem Abfüllen von Bier, der Produktion von Mikrochips oder Beleuchtung und Heizung von Firmengebäuden – fast alle Unternehmen sind auf Gas angewiesen und leiden unter aktuell hohen Preisen.

Landkreis - „Das Thema treibt uns ganz schön um“, bestätigt Tobias Willmann, Geschäftsführer des Nudelherstellers Bernbacher in Hohenbrunn (Landkreis München). Er spricht von einer Vervierfachung des Gaspreises in den vergangenen Monaten. „Der Faktor vier bis fünf ist realistisch“, bestätigt Helmut Erdmann, Direktor der Ayinger Brauerei.

Landkreis München: Gaspreis gestiegen - Teurer Brauprozess

Der Brauprozess sei allgemein eine sehr energieintensive Geschichte. „Vor allem beim Einmaischen und bei der Würzekochung, da wird sehr viel Wärme benötigt – aber auch bei den Reinigungsprozessen und beim Abfüllen in Flaschenwaschmaschine und Keg-Anlage“, so der Brauerei-Direktor.

Auch der börsennotierte Mikrochip-Hersteller Infineon mit Sitz in Neubiberg spürt die hohen Energiepreise: „Infineon hat im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen einen moderaten Gesamtbedarf bei Gas. Dennoch können wir in der Produktion nicht vollständig auf Erdgas verzichten“, sagt Unternehmenssprecherin Karin Bräckle.

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Energiekrise: Dunkle Allianz-Arena

Und selbst Firmen, die kein Gas direkt für ihre Produktion brauchen, wie etwa die Allianz in ihrer Konzernzentrale in Unterföhring, müssen auf die aktuell brenzlige Versorgungssituation reagieren: „Als erster Schritt ist geplant, beleuchtete Werbeanlagen zwischen 22 und 16 Uhr auszuschalten. Dies betrifft auch die Allianz Arena, die aktuell nachts nicht mehr beleuchtet wird. Außerdem wird in klimatisierten Büros die Zieltemperatur auf 24 Grad Celsius angehoben“, so Sprecherin Marion Zauner.

Am Ende müssen Verbraucher die gestiegenen Energiekosten ausgleichen. „Nudeln sind dieses Jahr schon um die 20 Prozent teurer geworden“, resümiert Willmann, „und sie werden wohl nochmal teurer werden.“ Bei seinen Bernbacher-Nudeln braucht er vor allem zum Trocknen der Pasta viel Energie. Und nicht nur der Gaspreis ist das Problem. „Bei uns treffen mehrere Dinge zusammen“, sagt Willmann: Lieferschwierigkeiten, schlechte Ernten, Krieg, und die Rohstoffpreise. Banale Materialien wie Paletten, Packmaterial oder Hartweizen sind plötzlich teurer.

Aus vielfältigen Gründen, wird auch Bier teurer: „Kunden müssen definitiv mit höherem Bierpreis rechnen“, sagt Ayinger-Direktor Erdmann. Der Preis steige sicher im zweistelligen Prozentbereich – auch wenn Bier hier im weltweiten Vergleich ohnehin günstig sei, die Situation ist gerade schwierig. „In sämtlichen Bereichen haben wir Preissteigerungen: Flaschen, Etiketten, Kronkorken – der riesen Rattenschwanz der Lieferketten.“

Die Teuerung ist so vielfältig, dass es so gut wie alle Branchen trifft. „Generell können wir gestiegene Kosten für Rohstoffe, Energie oder Logistik nicht gänzlich auffangen, sondern müssen sie auch weitergeben“, heißt es von Infineon.

Gas ist teuer und knapp. Hersteller produzieren daher weniger CO2. Das hat Folgen für Brauereien. Welche erklärt der Ayinger-Brauereidirektor im Interview.

Energiekrise: Alternativen zum Gas?

Oft ist das größte Problem gar nicht der Preis, sondern die Versorgungssicherheit. Für den Notfall suchen Unternehmen Alternativen: Die Brauerei Aying ist zwar in Teilen bereits unabhängig von fossilen Brennstoffen – wenn ihnen wirklich das Gas abgedreht wird, gibt es aber doch einen weniger nachhaltigen Notfallplan: „Wir könnten auf alte Öltanks umstellen – die haben wir aus Verdacht mit 80 000 Litern Öl gefüllt.“

Auch der Nudelhersteller Bernbacher und Mikrochipfabrikant Infineon könnten notfalls auf Öl umstellen, heißt es von den jeweiligen Verantwortlichen. Das Momentum spricht jedoch überall für sparsamen Energieverbrauch, gegen fossile- und für grüne Energien. „Wir konnten unseren Energieverbrauch deutlich senken. Zudem stellen wir bis 2023 weltweit auf Ökostrom um. Gas macht schon nur einen kleinen Anteil in unserem Energiemix aus“, sagt Allianz-Sprecherin Zauner.

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