Protest gegen Bebauung an der Gruber Straße

Ein Dorf in Furcht vereint

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Direkt am Ortseingang von Großhelfendorf soll ein Mischgebiet aus Wohnen und Gewerbe entstehen.

Es grummelt in Großhelfendorf. Die Menschen im Ayinger Ortsteil sind in zwei Lager gespalten. Daran Schuld hat, wenn man so will, der Kommandant der Feuerwehr Helfendorf, Hans-Peter Huber.

Großhelfendorf - Hans-Peter Huber ist in Großhelfendorf geboren und aufgewachsen auf dem elterlichen Hof. Seit 31 Jahren engagiert er sich in der Feuerwehr, seit 17 Jahren führt er sie als Kommandant. Heute, mit 50, hat er es auch beruflich zu etwas gebracht. Ihm gehört die „HP-Logistik GmbH“ mit Sitz im Landkreis München. Ein Unternehmen, das verschiedene Dienstleistungen anbietet, darunter einen Umzugsservice. Huber leitet zwölf Angestellte. Der Firmenname spiegelt, dass er der Chef ist: HP steht für Hans-Peter. Und daheim, in Großhelfendorf, ist Hans-Peter Huber für viele einfach nur der HP.

Auch Logistik-Halle stößt auf Ablehnung 

Genau dieser HP sorgt für Gesprächsstoff im Ort. Und wie er selbst sagt, wird die Sache, um die es geht, dazu führen, dass er und „die anderen“ in die Geschichtsbücher der Gemeinde Aying eingehen werden. Er sagt es mit einem Lachen. Weiß aber genau, dass die Lage ernst ist. Denn es sorgt für mächtig Zündstoff, dass er einen Teil seines Grundstücks westlich der Gruber Straße, am Ortsausgang in Richtung Grub, verkauft hat. Vor allem, weil Tobias Brunner und seine Ehefrau Christiane Heyer auf dem Acker nicht nur Wohneinheiten planen. Sondern mit ihrer „SolarHay“ eine ungewöhnliche Firmenidee verwirklichen wollen. Brunner ist in Grasbrunn Geschäftsführer der „Hynergy“. Und hat sich einen Namen gemacht bei BMW als Experte für Wasserstoff-Brennstoffzellen. Auch in Großhelfendorf soll Wasserstoff eine Rolle spielen – und dieser Begriff beunruhigt. Das zumindest finden „die anderen“, wie Hans-Peter Huber sie nennt.

„Solarhaussiedlung im Endausbau“ nennen Tobias Brunner und Christiane Heyer diese Ansicht ihres Projekts. Es zeigt (v.l.) ein Kraft-Wärme-Kraftstoff-Kopplung (KWKK) Solarhaus mit drei Parteien sowie, vorne rechts am Haus, einen Wärmespeicher. In der Mitte folgt ein Batterie-Solarhaus für zwei Parteien, im Vordergrund eine Speicher- und Betankungsstation. Rechts folgt, im Hintergrund, ein Batterie-Solarhaus. Rechts davon, mit begrüntem Dach, ist eine KWKK-Energiestation zu sehen. Im Vordergrund ein Batterie-Solarhaus mit Werkstatt und Büro.

Gemeint ist die Initiative von rund 15 Menschen, die sich gegen die Bebauung für „SolarHay“ wendet. Und zwar deutlich. So deutlich, dass es vermutlich reichen wird für die Ayinger Annalen. Denn die Initiative will ein Bürgerbegehren – nachfolgend einen Bürgerentscheid – anstrengen gegen das Firmenprojekt auf dem südlichen Teil des Areals. Und nicht nur dagegen: Sie will zudem verhindern, dass Huber auf dem nördlichen Teil eine Halle baut für seine „HP-Logistik“. Samt einem Anbau für etwa vier Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 170 Quadratmetern. Ihre Ablehnung begründet die Initiative mit einer Reihe von Argumenten. 200 Unterschriften haben die Gegner bislang gesammelt. 400 sind notwendig, um das Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen.

Damit beliebt machen sie sich offensichtlich nicht. Hier, wo jeder jeden kennt, kommt es nicht unbedingt gut an, wenn jemand ausschert aus den Gepflogenheiten. Kritik gebe es an dem geplanten Mischgebiet sehr wohl, aber lediglich hinter vorgehaltener Hand, sagen die Initiative-Mitglieder. Keiner von ihnen will daher seinen Namen in der Zeitung lesen, gar auf einem Foto zu sehen sein. Sie leben seit Jahrzehnten im Ort, so mancher ist hier geboren. Und doch fürchten sie, die Nachbarn könnten sich abwenden. Eine Furcht, die sie eint, ebenso wie die Bedenken und das Gefühl, von der Gemeinde zu spät und nicht umfassend genug informiert worden zu sein.

So stehen sie sich gegenüber, Gegner und Befürworter des Projekts. Auch ein gemeinsamer Ortstermin mit Bürgermeister Johann Eichler (PWH) und den Gemeinderäten hat die Fronten nicht klären können. Ebenso wenig wie der Vorschlag von Huber, die geplante Halle nicht für seine Fahrzeuge zu nutzen. Sondern sie als Lager zu verwenden, etwa für Möbel. Was in der Folge weniger Verkehr mit sich brächte, wie er sagt. Im Schnitt käme er auf drei Lkw-Fahrten in der Woche. Nicht täglich und nicht mit 40-Tonnern, wie das die Initiative behaupte. Mit Unwahrheiten werde da hantiert, sagt Huber. Und es stinkt ihm, dass die Gegner nicht erkennen wollen, „dass umwelttechnisch was passieren muss“. Er hält viel von Brunners Idee: „Ich stehe voll dahinter.“

Geld spielt auch eine Rolle

Was bleibt, ist das Grummeln. Die einen wollen die ländlichen Region bewahren. Die anderen setzen auf Veränderung – und möchten natürlich auch Geld verdienen. Etwa die Kommune selbst, die auf rund 8,6 Millionen Euro Schulden sitzt und auf Einnahmen hofft durch die zusätzliche Ansiedlung von Menschen und Gewerbe. Nicht nur in Großhelfendorf, überall im Ayinger Gemeindegebiet werden Flächen ausgewiesen. Ein neuer Flächennutzungsplan wird vorbereitet. Das Stück Land von Feuerwehr-Kommandant Huber haben die Gemeinderäte erst einmal aus dem Plan herausgenommen. Es könnte ja einen Bürgerentscheid geben. Zum ersten Mal in Aying. Das Grummeln würde nicht weniger werden.

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