Ostendorf ist raus: Jetzt wieder alles Müller, oder was?

Neufahrn/München - Der Münchner Bäcker Franz Höflinger hat Hoffnung auf die Übernahme der insolventen Müller-Brot-Kette. Mit im Boot: Evi Müller, Tochter von Gründer Hans Müller.

Der Skandal-Deal ist geplatzt: In letzter Minute hat der frühere Müller-Brot-Eigentümer Klaus Ostendorf einen Rückzieher gemacht! Nun können Evi Müller, Tochter des ehemaligen Firmeninhabers Hans Müller (81), und Bäckermeister Franz Höflinger also doch zum Zug kommen. Die Müller-Gläubiger haben sich bereits für deren Konzept entschieden. „Wir sind glücklich, auch wenn uns ein Riesenberg Arbeit erwartet“, sagte Evi Müller zur tz.

Gestern Nachmittag tagte ab 13 Uhr der Gläubigerausschuss, nachdem Ostendorf am Montagabend um 18 Uhr noch immer kein notarielles Kaufangebot vorgelegt hatte und ebenso wenig beweisen konnte, dass die Finanzierung seines 22-Millionen-Kaufangebots gesichert ist. Während der Sitzung des Ausschusses gab Ostendorf dann telefonisch bekannt, er habe sich mit dem Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Kontakt gesetzt und die Gespräche mit den obersten Hygienekontrolleuren hätten ihn angeblich so sehr verunsichert, dass er Müller nun nicht mehr kaufen wolle. Der Gläubiger­ausschuss entschied sich daraufhin für das Gebot von Müller und Höflinger. „Jetzt liegt es in deren Hand, ob sie ihr Gebot aufrecht erhalten“, sagte Insolvenzverwalter Hubert Ampferl zur tz.

Kurz nach Ende der Sitzung des Gläubigerausschusses saßen Evi Müller und Bäckermeister Franz Höflinger in ihren Autos und fuhren zum Insolvenzverwalter Hubert Ampferl. Die beiden hatten 20 Millionen Euro für Produktionsstandort und Filialnetz geboten — doch dieses Angebot verhandelten sie gestern neu.

Denn die Vorzeichen haben sich in den vergangenen Tagen geändert: Das Unternehmen hat für seine Filialen dreimal keine Miete überwiesen. Damit hätten die Vermieter kündigen und das Inventar pfänden können. Dann wäre das Wertvollste von Müller-Brot ein Scherbenhaufen – das Filialnetz! Zumindest veranlasste der Insolvenzverwalter gestern eine Sicherung der Mietzahlungen.

Jetzt wollen Müller und Höflinger retten, was noch zu retten ist. „In den letzten Tagen wurde unglaublich viel zerschlagen“, sagte Evi Müller. Sie und Höflinger planen, in Neufahrn ein Kontakt-Telefon für die Pächter einzurichten. „Zunächst geht es um den Erhalt der Filialen, danach kann man sehen, wie es mit der Produktion weitergeht“, sagte Ampferl. Erst dann könne man abschätzen, wie viele Mitarbeiter Müller und Höflinger übernehmen können. Die hatten angekündigt, möglichst viele der knapp 1100 Mitarbeiter wieder zu beschäftigen — sofern sie es schaffen, das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. „Wir wollen mit Qualität überzeugen“, sagte Evi Müller.

Klaus Ostendorf sagte gestern, er sei auf den letzten Metern gescheitert, trotz eines „guten Angebots“.

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Susanne Sasse

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