Situation droht zu eskalieren

Nach Wild-Drama am Hörnle: Waldbesitzer richten dringenden Appell an Hundehalter

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Am Hörnle in Bad Kohlgrub wurde ein Hirschkalb halb tot gebissen.

Ein Vorfall auf dem Hörnle sorgt für großen Ärger. Ein Hirschkalb wurde halb tot gebissen. Die Jäger sind sich sicher, dass es ein Hund war, der jedoch nicht angeleint war.

Update vom 13. Februar 2019, 09.25 Uhr:

 „Ich weiß nicht, was ich da sagen soll. Ignoranz pur“, „Wann kapieren die Hundehalter endlich, dass sie sich an die Leinenpflicht halten müssen“, „Unendliches Leid für die Wildtiere“ – so und ähnlich lauten die Kommentare auf Facebook zu den Vorfällen am Hörnle sowie am Altherrenweg in Oberammergau, wo kürzlich drei Rehe und zwei Hirschkälber von frei laufenden Hunden gerissen wurden. Am Hörnle war es wohl ein Skitourengeher, dessen Hund ein Hirschkalb bis zur totalen Erschöpfung gehetzt hat – es musste schließlich von einem Jäger von seinem Leid erlöst werden –, am Altherrenweg dürften Hunde von Spaziergängern die Rehe gerissen haben. Darauf lässt auch die Wahrnehmung des Berufsjägers Dominik Rödel schließen, der eine Person über längere Zeit nach seinem Hund schreien hörte. Keine Frage, die Fälle erregen die Gemüter und tragen mit dazu bei, dass die Stimmung am Hörnle, wo es ohnehin immer wieder zu Kontroversen zwischen Freizeitsportlern und Grundeignern sowie Jägern kommt, zusätzlich angeheizt wird. 

Die Vorfälle am Altherrenweg nimmt nun die Privatwaldgemeinschaft (PWG) Oberammergau zum Anlass, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Man hat beim Landratsamt beantragt, hier ein Wildschutzgebiet einzurichten. Auf einer Fläche von rund 50 Hektar oberhalb des beliebten Wanderwegs würde dann in der Zeit von 15. November bis 15. April ein generelles Betretungsverbot bestehen. Derzeit prüft die Behörde dieses Gesuch. Weiter will die PWG bei der Gemeinde vorstellig werden, um für den angegebenen Zeitraum für den Altherrenweg vom Wellenberg bis zur Gemarkungsgrenze Unterammergau einen Leinenzwang für Hunde zu erreichen, den es bislang im Ort nicht gibt.

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PWG-Geschäftsführer Anton Burkhart begründet den Vorstoß: „Bei dem vielen Schnee derzeit braucht das Wild dringend seine Ruhe. Es ist stark geschwächt und hat keine Chance, einem wohlgenährten Hund zu entkommen.“ Nach Beobachtungen von Burkhart und Berufsjäger Dominik Rödel würden viele Spaziergänger mit Hunden am Altherrenweg ihre Vierbeiner frei laufen lassen. Man habe auch schon Hunde alleine herumlaufen sehen. Das Problematische hier sei laut Burkhart, dass sich unweit oberhalb eine Rotwild-Fütterung befindet, die derzeit noch sehr gut funktioniere und vom Wild auch angenommen werde. „Wenn da mal Hunde reinkommen und das Wild verscheuchen, haben wir ein großes Problem“, betont der Forstwirt. Er und sein Berufsjäger seien keine Hundehasser, beteuert Anton Burkhart, im Gegenteil: „Wir haben selber welche und halten uns auch an die Spielregeln und leinen sie an.“ Es gehe nur darum, versichert der 48-jährige Förster, dass jeder ein bisschen von der eigenen Freiheit hergibt und diese den Wildtieren schenkt. Die Verantwortlichen appellieren eindringlich, auf den Wegen zu bleiben: „Dann ist es auch kein Problem, wenn man den Hund angeleint dabei hat.“ Selbst an schönen Wochenenden, wenn auf dem Weg wahre Karawanen von Leuten unterwegs seien. Wie auch am Kolben, wo Skitourengeher in wahren Heerscharen aufmarschieren. „Mittlerweile“, so hat Burkhart beobachtet, „haben wir da drüben einen 24-Stunden-Betrieb von Menschen, die selbst mitten in der Nacht da raufgehen . . .“

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Oberammergau/Bad Kohlgrub – „Zeitberg“ – dieser Beiname schmückt seit einigen Jahren das Hörnle im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Er soll den Entschleunigungs-Charakter bei einer Tour auf den Bad Kohlgruber Hausberg betonen. Doch immer häufiger ist das Gegenteil der Fall: Das Hörnle entwickelt sich zum „Problemberg“, vor allem im Winter. Die Interessen der stetig zunehmenden Freizeitsportler, Schneeschuh- und Tourengeher kollidieren mit jenen von Grundbesitzern, Waldbauern und Jägern. Die Situation droht zu eskalieren: Verbots- und Hinweisschilder wurden schon umgeworfen, Zäune aufgeschnitten.

Hund eines Skitourengehers reißt Hirschkalb: Fall heizt Situation zusätzlich an

Mitten hinein in dieses brisante Verhältnis gerät nun ein Vorfall, der die Kritiker der karawanenartigen Hörnle-Touren auf den Plan ruft. Die Frau eines Jagdpächters entdeckte kürzlich bei der Fütterung ein schwer verletztes Hirschkalb mit einem faustgroßen Loch am rechten Hinterlauf. Ihr herbeigerufene Ehemann verfolgte das noch lebende, mühsam flüchtende Kalb, musste es schließlich erschießen. Bei der näheren Untersuchung des Fundorts im Schnee entdeckte der Jagdpächter etwa 80 Meter von der Wildfütterung entfernt Spuren eines großen Hundes und ganz in der Nähe frische Skispuren eines Tourengehers.

Für Anton Degele, Jagdvorsteher in diesem Revier, steht zweifelsfrei fest, dass es das Werk eines frei laufenden Hundes ist. „Die Spurenlage ist eindeutig“, sagt er. „Wir haben inzwischen Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei gestellt.“ Degele ist die Verärgerung deutlich anzumerken. „Wie ignorant und egoistisch muss man als Freizeitsportler eigentlich sein, um auch nachts in solchen Schneehöhen seinen Bewegungsdrang, jenseits der ausgewiesenen Aufstiegsrouten, auf Kosten der schon in diesem Winter arg geschwächten und äußerst ruhebedürftigen Wildtiere auszuleben? Die Krönung solcher Dummheit ist dann noch, seinen Hund nicht an die Leine zu nehmen und nicht mehr unter Kontrolle zu haben“, schimpft er.

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Hunde reißen Wild: Auch in Oberammergau gibt es ähnliche Fälle

Auch Klaus Pukal, der Naturpark-Koordinator in den Ammergauer Alpen ist sich sicher, dass das tote Hirschkalb von Hunden gerissen wurde. „Für das Wild besteht nach wie vor der Katastrophenfall“, betont er. Es befindet sich in einem extrem niedrigen Energiesparmodus, um über den Winter zu kommen.“ Jede Störung könne schlimme Folgen haben.

Weitere Fälle von gerissenen Wildtieren gibt es in den Nachbarorten: In Oberammergau machte Dominik Rödel, Berufsjäger der Privatwaldgemeinschaft Oberammergau, in den vergangenen Wochen am sogenannten Altherrenweg die Entdeckung von drei toten, gerissenen Rehen, ein weiteres Hirschkalb verendete im Nachbarrevier in Unterammergau. Für Rödel steht zweifelsfrei fest, dass auch hier frei laufende Hunde von Wanderern die Wildtiere gehetzt, zur Strecke gebracht und gerissen haben: „Es geht einfach nicht an, dass die Leute ihre Hunde nicht an die Leine nehmen, wie es Vorschrift ist, sondern frei laufen lassen.“

Jagdvorsteher Anton Degele betont, dass gerade jetzt, wo auf den Bergen noch soviel Schnee liegt, die Wildtiere unter einer enormen Belastung stehen: „Durch die hohe und verharschte Schneedecke finden sie fast keine Nahrung. Im Winter gehen beim Rotwild Körpertemperatur und Herzschlag auf ein Minimum zurück. Wird es aufgeschreckt, muss es binnen Sekunden seinen Stoffwechsel so stark hochfahren, dass es zu großen Stress und sogar zum Tod durch Erschöpfung kommen kann.“

Der Jagdvorsteher klagt an: Viele Sportler haben nur das eigene Vergnügen im Blick

Vielen Freizeitsportlern, Schneeschuh- und Tourenskigehern, vor allem jenen aus der Stadt, sei das nicht bekannt, glaubt er. „Die marschieren einfach darauf los, kreuz und quer, ohne Rücksicht auf Verluste und auf das Wild, nur das eigene Vergnügen im Blick“, regt sich Degele auf. Grundeigentümer, Waldbauern und Jäger appellieren eindringlich an alle Freizeitsportler, auf den geräumten Winterwegen, Pisten und ausgewiesenen Skitourenrouten zu bleiben.

Auf alle Fälle sollen die Hunde angeleint werden, damit sie das gut verborgene Wild nicht aufschrecken. Anton Degele droht: „Das Recht auf das freie Betretungsrecht in der Natur überschreitet hier seine Grenzen. Wenn das so weitergeht, müssen wir uns was einfallen lassen.“

ACHTUNG verstörendes Video: Hund reißt Hirschkuh auf der Skipiste in Österreich

In der Steiermark hat ein weißer Siberian-Husky eine Hirschkuh gerissen. Die Jäger glauben, dass Skitourengeher ihren Hund von der Leine gelassen haben. Ein Handy-Video kursiert derzeit durchs Netz.

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