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„Nur Prestigeprojekte für die eigene Karriere“: Abiturienten kritisieren Schulleiter in Rede ungewöhnlich hart

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Von: Christiane Mühlbauer

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Die Absolventen des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums (vordere Reihen) wurden in der Turnhalle der Jahnschule verabschiedet. Die Schulband „Gabs On Fire“ sorgte für gute Musik, und die traditionelle Einlage der Fünftklässler mit einem Lied aus Indonesien rührte die zahlreichen Gäste. „Jedes kreative Aufstreben bereits im Keim erstickt“
Die Absolventen des Gabriel-von-Seidl-Gymnasiums (vordere Reihen) wurden in der Turnhalle der Jahnschule verabschiedet. Die Schulband „Gabs On Fire“ sorgte für gute Musik, und die traditionelle Einlage der Fünftklässler mit einem Lied aus Indonesien rührte die zahlreichen Gäste. © arp

Das Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium hat 99 Abiturienten verabschiedet. In der Abschlussrede gab es nicht nur Dankesworte, sondern auch scharfe Kritik an Schulleiter Alexander Göbel.

Bad Tölz – In der Sporthalle an der Jahnstraße fand heuer die Verabschiedung des Abiturjahrgangs des Tölzer Gymnasiums statt. In der eigenen Turnhalle sind derzeit Flüchtlinge einquartiert. Von 100 Prüflingen haben 99 bestanden. Der Gesamtnotenschnitt von 2,15 – etwas besser als im vergangenen Jahr – entspricht laut Schulleiter Alexander Göbel exakt dem bayerischen Durchschnitt. 35 Abiturienten habe eine Eins vor dem Komma, 20 haben 1,5 oder besser, und drei Absolventen freuen sich über 1,0. Die Namen der Schüler gibt das Gymnasium mit Verweis auf den Datenschutz nicht bekannt.

Die Abschlussrede der Abiturientinnen und Abiturienten ist auf jeder Schulfeier einer der Höhepunkte. Für die Absolventen sprachen heuer Amelie Friedl, Charlotte Rein und Anian Dietl. Charlotte Rein ließ die Jahre der Schulzeit Revue passieren, vor allem die letzten beiden, als es von Lockdown zu Lockdown ging.

Bad Tölz: Abiturienten verabschieden Schulleiter mit kritischen Worten

Eine wechselvolle Zeit sei das gewesen, sagte sie. „Wir wurden animiert, kreativ zu werden.“ Es sei nicht leicht gewesen, jeden Tag optimistisch anzugehen. Und manchmal habe man sich auch „wie im falschen Film gefühlt“, sagte sie – das war die Überleitung zu Anian Dietl. Denn die Absolventen hatten sich ausgedacht, in Anspielung an die Oscar-Verleihung die „erste Gabriel-von-Seidl-Filmpreisverleihung“ zu machen.

Die „Verleihung“ nahm breiten Raum ein und sorgte natürlich für Spannung. Auch wenn im ersten Teil vieles nur angedeutet wurde – die „Preisträger“ wussten, was es damit auf sich hatte, wenn zum Beispiel der Mathe-Unterricht den Preis für den besten Psychothriller erhielt und sich die Biologen über den Preis für den besten Film freuen durften.

Tölzer Abiturienten verleihen den „Goldener Pferdeapfel“ – auch an Direktor Alexander Göbel

Dann wurde die „Goldene Himbeere“ verliehen, die die Absolventen in den „Goldenen Pferdeapfel“ umbenannten. Die erste Auszeichnung ging an eine Fremdsprachen-Lehrkraft, die zweite an Direktor Alexander Göbel. Bei ihm wurde über Details gesprochen.

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Die Schüler, sagte Dietl, hätten sich gewünscht, wenn der Schulleiter sie „gegrüßt hätte, wenn er uns unterstützt hätte, wenn er auf uns eingegangen wäre“. Stattdessen wurde „jedes kreative Aufstreben bereits im Keim erstickt“. Dietl: „Sie sollten mehr für die Schule tun als nur Prestigeprojekte für Ihre eigene Karriere.“

Ein Kasten Bier für Oberstufen-Koordinator – den „besten Mann der Schule“

Anschließend ging es im Rahmen der „Preisverleihung“ an die Lobesworte – unter großem Beifall und Gejohle wurden die beliebtesten und geschätztesten Lehrerinnen und Lehrer namentlich genannt. Ein Geschenk gab es einzig „für den besten Mann an unserer Schule“: Gemeint war damit Oberstufen-Koordinator Markus Zimmermann, dem eine besondere Kiste mit Bier überreicht wurde.

Zum Abschluss der Absolventen-Reden trat Amelie Friedl ans Mikrofon. Ähnlich wie Charlotte Rein sprach auch sie über die vergangenen Jahre. Trotz des Distanzunterrichts habe man untereinander „ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt“. Aber auch aus ihrer Rede war herauszuhören, dass es Probleme „mit unfairen Lehrern“ gab.

Schulleiter Göbel reagiert auf die Kritik seiner Schüler: „Es tut mir leid“

Göbel, der als Letzter sprechen sollte, war sichtlich überrascht worden. Dass er nach „so viel Arbeit nun den ,Goldenen Pferdeapfel‘ erhalte, hätte er nicht erwartet“, sagte er. Und: „Es tut mir leid. Es ist traurig, aber ich nehme es, wie es kommt.“ Trotz der Kritik wolle er seine Verabschiedungsrede wie geplant halten, sagte der Schulleiter und sprach dann über Freiheit, Toleranz und Zivilcourage.

Zu Beginn der Abschiedsfeier gab es unter anderem auch Grußworte von Michael Lindmair, Zweiter Tölzer Bürgermeister, und Landrat Josef Niedermaier. Letzterer sprach über die seiner Ansicht nach verloren gegangene Fehlerkultur in unserer Gesellschaft. Er rief die Absolventen auch dazu auf, sich an politischen Diskussionen zu beteiligen. Niedermaier: „Ich hoffe, ich sehe den einen oder anderen von euch in gesellschaftsgestaltenden Positionen.“

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