Extremes Fischesterben

Rätselhafte Vorfälle: Was tötet die Äschen im Tölzer Einbach?

+
Ein rätselhaftes Äschensterben gibt es im Tölzer Einbach

Im Einbach am Tölzer Stadtrand verenden deutlich mehr Fische als gewöhnlich. Das Wasserwirtschaftsamt lässt am Isar-Zufluss nun nachforschen.

Bad Tölz – Die meisten liegen auf der Seite oder auf dem Rücken. Fischkadaver treiben im seichten, trüben Wasser des Einbachs. Dieses Bild ist zuletzt mehreren Passanten aufgefallen. Einer berichtete dem Tölzer Kurier von 10 bis 15 toten Tieren in dem Isar-Zufluss an der Ortsgrenze zu Oberfischbach.

Auch das Landratsamt hatte eine Spaziergängerin informiert. Wie Pressesprecherin Marlis Peischer berichtet, habe das Sachgebiet für Wasser und Boden die Beobachtungen an das Weilheimer Wasserwirtschaftsamt (WWA) weitergegeben – und damit an den Biologen Robert Kapa. Ein Sache machte ihn gleich hellhörig: „Es ist nur eine einzige Art betroffen.“ Er spricht von ausgewachsenen Äschen, „die am Laichgeschehen beteiligt waren“. Dass nach der Fortpflanzungszeit zwischen Ende Februar und Anfang April einzelne geschwächte Fische verenden, sei nicht ungewöhnlich. 

„Aber das ist was anderes als die jährlichen Verluste“, sagt Kapa. Von Einzelfällen könne man am Einbach nicht mehr sprechen. Deshalb hat das Wasserwirtschaftsamt Nachforschungen angeordnet.

Pilzinfektion wahrscheinlich

Wahrscheinlich ist laut Kapa eine Infektion, an der die Äschen gestorben sind. Ein Speziallabor untersuche derzeit, welcher Erreger die Tiere befallen hat. „Das können zum Beispiel Bakterien oder Pilze sein.“ Schimmelpilze seien großflächig auf den Fischen gewachsen – die Folge einer möglichen Infektion.

Außerdem hat sich das Wasserwirtschaftsamt an das Landesamt für Umwelt gewandt. Dort werde ein „Breitbandscreening“ durchgeführt. Heißt: Es wird geprüft, ob Schadstoffe ins Wasser eingeleitet wurden. Die Fachbehörde untersucht laut WWA-Biologe Kapa Proben aus dem Einbach, der Einmündung in die Isar und dem Linsensägbach, der aus der Gaißach in die Isar fließt. Erste Ergebnisse erwarte man an diesem Mittwoch.

Manfred Haff, Vorsitzender des Bezirksfischervereins Bad Tölz, kennt das Problem des Fischesterbens am Einbach. „Diese Geschichte beschäftigt uns seit mehreren Jahren. Es ist dramatischer geworden.“ Immer wieder seien Vereinsmitglieder mit Plastiktüten unterwegs, um die toten Tiere einzusammeln. „Das fängt ja auch an zu stinken“, sagt Haff. Der Fischer hat beobachtet, dass sich die Tiere in der Laichzeit in Revierkämpfen ineinander verbeißen. „Sie fügen sich kleine Wunden zu, die sich dann entzünden.“

Niedrige Wasserstände als eine weitere Ursache?

Wenig Regen, kaum Schmelzwasser aus den Bergen: In den niedrigen Wasserständen von Bächen sieht Haff eine weitere Ursache für das Verenden der Fische. Die Tiere haben es nicht nur schwerer, in Nebengewässern voranzukommen – sie sind auch leichtere Beute für Fressfeinde. Haff habe einen Kadaver gefunden, der an der Seite tief aufgerissen war – „vielleicht von einem Kormoran“. 

Und dann noch der Mensch

Neben Revierkämpfen und Niedrigwasser nennt der Bezirksfischer-Chef eine dritte Komponente, die Äschen, Forellen und Co. das Leben schwer macht: der Mensch. „Der zunehmende Bootsverkehr auf der Isar stresst die Tiere. Sie wissen teilweise nicht mehr, wo sie hinschwimmen sollen.“

Lesen Sie auch auf merkur.de zum Thema Fischesterben: 

Fischesterben in der Isar - Krün sucht nach einer Lösung

Am Roggersdorfer Weiher: Fische sterben unter grünem Schleier

Auch interessant

Meistgelesen

Gerüchteküche brodelt nach Vergewaltigung in Planegg: So erklärt die Polizei ihr Vorgehen
Gerüchteküche brodelt nach Vergewaltigung in Planegg: So erklärt die Polizei ihr Vorgehen
64 Schüler warten auf BOB - wenig später haben sie Tränen in den Augen
64 Schüler warten auf BOB - wenig später haben sie Tränen in den Augen
„Park-Abzocke“? Kunde ist wütend über Strafzettel - 30 Euro obendrauf nach Einkauf
„Park-Abzocke“? Kunde ist wütend über Strafzettel - 30 Euro obendrauf nach Einkauf
„Ich dachte, die Welt geht unter“: Feuerwehr-Großeinsatz zu denkbar schlechtem Zeitpunkt
„Ich dachte, die Welt geht unter“: Feuerwehr-Großeinsatz zu denkbar schlechtem Zeitpunkt

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.