„Ein Holzbrücklein hätte es auch getan“

„Gigantomanie und Steuerverschwendung“: 

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Die Nachbarn sprechen von Verschwendung von Steuergeld: Statt eines Holzstegs führt nun am Wehr an der Sachsenkamer Straße eine neue Eisenbrücke über den Ellbach. 

Eine massive Eisenbrücke statt eines Holzbrückleins über den Ellbach lässt Tölzer Bürger von Gigantomanie und Steuerverschwendung sprechen. Die Stadt verteidigt sich.

Bad Tölz – Allen Erklärungen aus dem Tölzer Bauamt zum Trotz ist Rudolf Wieser nicht überzeugt: „Die massive Konstruktion passt da am Ellbach einfach nicht hin. Ein Holzbrücklein wie bisher hätte auch es getan.“ Worum es geht? Um die neue, tatsächlich sehr massiv ausgefallene Brücke über den Ellbach am Wehr in der Sachsenkamer Straße. Dort existierte bis Herbst des vergangenen Jahres ein kleiner Holzsteg, über den Bürger von der Hauptstraße schnell in die Wohnviertel an Rehgraben- und Gaißacher Straße gelangen konnten. Eine Treppe zur Überwindung der kleinen Steigung hinauf zur Straße machte den Weg für Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer freilich nicht nutzbar.

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Der Sanierungsbedarf, eine Statik, die auch einen maschinellen Winterdienst ermöglicht, die Barrierefreiheit und „eine optische Aufwertung“ waren laut Bauamtsleiter Christian Fürstberger die Gründe für den nun erfolgten Neubau. Es wurden neue massive Widerlager betoniert und darauf mit einem Autokran eine neue Eisenbrücke platziert. Die wirkt für die Anlieger mit ihrem klobigen Geländer wie ein „Fremdkörper“. Rudolf Wieser, der namens einiger Anlieger einen Brief an den Tölzer Kurier verfasst hat, spricht von „Gigantomanie“: „Und das für einen Graben, in dem nur zweimal im Jahr der ganze Ellbach fließt, sonst nur ein kleines Rinnsal läuft.“ Das sei Steuergeldverschwendung.

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Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Zum Thema Geld, teilt Fürstberger, der persönlich nicht zu sprechen war und nur schriftlich antwortete, mit, dass die Erdbau-Arbeiten mit Fundamentierung voraussichtlich rund 130.000 Euro, Steg und Geländer mit rutschfestem Belag 85.000 Euro kosten. Das Projekt werde mit 30.000 Euro gefördert.

Wurde die neue Brücke eigentlich je im Stadtrat diskutiert? Die ersten Mittel, schreibt Fürstberger, seien im 2017er-Haushalt eingestellt worden. Die Maßnahme sei „ohne großen Einwand im Paket beschlossen worden“. Eine Diskussion dazu fand tatsächlich nicht statt.

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Auf den Nägeln brennt Rudolf Wieser noch die Frage, wie es um die vermeintliche Barrierefreiheit ausschaut. Tatsächlich ist die Brücke über einen neu geschaffenen Weg barrierefrei an den Gehsteig der Sachsenkamer Straße angeschlossen. Durch die vor einigen Jahren geschaffene Fußgängerinsel wird die Überquerung in Richtung Alpenbiomarkt erleichtert. Auf der anderen Seite der neuen eisernen Fußgängerbrücke geht es nach Auffassung Wiesers freilich viel zu steil von der Fahrbahn hinauf zur Brücke. „Das ist jedenfalls nichts für Rollstuhlfahrer.“ Die Baumaßnahme sei noch nicht abgeschlossen, teilt Fürstberger mit.

Von Christoph Schnitzer

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