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Heiztrend Holzofen: Viele steigen wegen des Ukraine-Konflikts um – aber ist der Wechsel sinnvoll?

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Von: Felicitas Bogner

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Feuer statt Heizung: In Zeiten steigender Energiepreise und Versorgungsunsicherheit registriert der Tölzer Geschäftsmann Martin Harrer eine gestiegene Nachfrage nach Kaminöfen.
Feuer statt Heizung: In Zeiten steigender Energiepreise und Versorgungsunsicherheit registriert der Tölzer Geschäftsmann Martin Harrer eine gestiegene Nachfrage nach Kaminöfen. © Arndt Pröhl

Die Entwicklung der Energiepreise sorgt für hohe Nachfrage nach Holzöfen. Auch die Versorgungssicherheit spielt eine Rolle, berichten Experten aus der Region.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Wenn es kalt ist, kann man die Heizung aufdrehen: Darauf war bislang Verlass. Seit Russland die Ukraine angegriffen hat, macht sich allerdings die Sorge breit, dass diese Versorgungssicherheit nicht mehr uneingeschränkt gewährleistet beziehungsweise bezahlbar ist. Für viele Menschen ist das ein Grund, sich einen Holzofen anzuschaffen.

Wegen Ukraine-Krieg: Run auf Holzöfen ausgebrochen

Diesen Trend kann Martin Harrer vom gleichnamigen Tölzer Fachgeschäft für Kaminofen „zu hundert Prozent“ bestätigen. „Wir haben zurzeit Highlife in der Beratung“, sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Oberland seien Holzfeuer wegen ihrer Gemütlichkeit immer beliebt gewesen.

Wegen Corona sei die Nachfrage gestiegen, weil viele Menschen in ihr Zuhause investiert hätten. Jetzt kommt der kriegsbedingte Energiekostenaspekt hinzu. „Wir merken verstärkt, dass bei den Kunden, die seit zehn Jahren überlegt haben oder bislang den Dreck nicht haben wollten, jetzt die Angst da ist, dass irgendwann das Haus kalt bleibt.“

Bad Tölz/Wolfratshausen: Ofen-Lieferant gibt Entwarnung – nach wie vor lieferbar

Trotz der erhöhten Nachfrage seien Öfen nach wie vor lieferbar, sagt Harrer. Es gebe aber längere Wartezeiten. Vor Beginn der Pandemie sei das bestellte Modell je nach Hersteller innerhalb von zwei bis drei Wochen da gewesen. „Jetzt betragen die Lieferzeiten je nach Lieferant zehn bis 16 Wochen. Auf manche Modelle warten wir ein halbes Jahr“, berichtet Harrer.

Holzöfen müssen vom zuständigen Kaminkehrer abgenommen werden. Seit zwei, drei Wochen vergeht kein Tag, an dem Harald Zwing nicht mehrere Termine bei Wolfratshausern hat, die sich über einen Anschluss informieren wollen. „Die Leute wollen eine Alternative haben, wenn es einen Blackout gibt oder sie sich das Heizen nicht mehr leisten können“, berichtet der Bezirksschornsteinfeger.

In der Vergangenheit sei er pro Jahr bei 30 bis 40 Kunden zur Beratung gewesen. Meist hätten sie aber bereits einen Ofen gehabt und ihn wegen einer Neuanschaffung kontaktiert. „Jetzt sind es mehrere am Tag, teils Leute, die vor fünf, sechs Jahren ein Haus mit Wärmepumpe oder moderner Gasheizung gebaut haben“, sagt Zwing. Sie wären sogar bereit, in einen Edelstahlkamin zu investieren, der von außen installiert wird, um im Fall der Fälle auf eine unabhängige Wärmeversorgung zurückgreifen zu können.

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Energiepreise steigen wegen des Ukraine-Konflikts: Heizen mit Holz nicht für jeden beste Lösung

Bei Bezirkskaminkehrermeister Arthur Wolfseher in Geretsried macht sich der Ansturm auf Holzöfen noch nicht bemerkbar. Er rechnet aber damit, „dass die Welle kommt, wenn die Leute ihre Abrechnung sehen oder Öl bestellen müssen“, so Wolfseher. Er gibt jedoch zu bedenken, dass es beim Heizen mit Holz große Temperaturamplituden gebe und man das Holz irgendwo lagern müsse. „Ein Liter Öl beziehungsweise ein Kubikmeter Gas entspricht zweieinhalb Kilo Holz“, so Wolfseher. Und auch da würden die Kosten steigen.

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Bad Tölz/Wolfratshause: Preise steigen auch beim Holz an

Denn dort macht sich die Entwicklung ebenfalls bemerkbar. „Die Preise steigen brutal an“, berichtet Sonja Plank, die bei der Firma Holz Arena Heimkreiter in Bad Tölz für den Verkauf zuständig ist. In diesen Tagen würden besonders viele Menschen Holz bestellen. Allerdings sei es zunehmend schwierig, dieses herzubekommen. „Die Landwirte haben ihr trockenes Holz verkauft. Es gibt zwar Sturmholz, aber das ist noch nicht abgelagert“, so Plank.

Dass die steigenden Preise für Brennholz unmittelbar mit dem Ukraine-Krieg zusammenhängen, könne man nicht sagen, erklärt Florian Loher, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Vielmehr habe es 2021 keine Schadensereignisse gegeben. „Dadurch ist man zur planmäßigen Holzwirtschaft übergegangen, und es ist weniger verfügbar“, sagt Loher. Aus Sicht der Waldbesitzer ist er sehr froh, dass die Preise anziehen – aber nicht, um Profit aus der Situation zu schlagen. Loher: „Sondern damit die Waldbesitzer das Nebenprodukt Energieholz kostendeckend vertreiben können.“

Rudolf Plochmann spricht von eher hohen Nachfrage, aber noch keinem Engpass

Die Preise für Energieträger steigen. Ob Heizöl oder Gas, wer es warm haben möchte, muss aktuell tiefer in die Tasche greifen. Als Alternative steht Brennholz derzeit hoch im Kurs. Und auch das erfährt nun einen Preisanstieg. Im Interview mit dem Tölzer Kurier spricht Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs, über die aktuelle Lage in puncto Wärme aus den heimischen Wäldern.

Herr Plochmann, Brennholz ist derzeit sehr gefragt, kann man hier schon von Knappheit sprechen?

Plochmann: Auch wir bei den Staatsforsten spüren eine deutlich gestiegene Nachfrage beim Brennholz, vor allem bei Buchenholz. Allerdings kann man bei uns kein ofenfertiges Brennholz, also zurechtgeschnitten und gespalten, kaufen. Man kann bei den Staatsforsten nur langes Holz kaufen. Das muss man aber noch passend schneiden, spalten und trocknen. Besonders hier merken wir die gestiegene Nachfrage. Darüber hinaus kann man über uns aber auch Selbstwerbeholz beziehen, sprich mit entsprechender Ausrüstung und Motorsägenführerschein in von uns ausgewiesenen Gebieten selbst Holz schneiden und dann es spalten und trocknen. Auch das machen einige. Wir sind aber keinesfalls in einer dramatischen Lage. Ich würde noch nicht mal von einem Engpass sprechen.

Sondern?

Plochmann: Es waren sicher nicht alle Brennholzhändler – und auch wir nicht – auf diese hohe Nachfrage sofort eingestellt. Dazu fällt auch die Ukraine als Lieferant aktuell weg. Aber wir kommen mit und haben auch noch genug Holz.

Hat sich die Lage durch den Krieg nochmals verschärft?

Plochmann: Die Energiepreise sind davor schon gestiegen. Infolgedessen steigt auch der Brennholzpreis. Gänzlich neu ist die Nachfrage aber nicht. Wir rechnen jedoch schon damit, dass die Nachfrage in der kommenden Heizperiode weiter ansteigen und auch der Holzpreis entsprechend auf die erhöhte Nachfrage reagieren wird.

Das Gespräch führte Felicitas Bogner

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