Verirrtes Tier stapft durch Freistaat

Bär sorgt in Bayern für Aufruhr: Keine Spur mehr - Wo ist das Tier?

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Bisher kennen wir den Bären nur als Fotomodell: im Uhrzeigersinn (oben links beginnend) bei seinen Besuchen im Außerfern, bei Schloss Linderhof, im Pitztal und bei Reutte. Inzwischen vermuten Experten, dass es sich um ein männliches Tier handelt, da es so weite Strecken zurücklegt.

2006 sorgte „Problem-Bär“ Bruno in Bayern für Aufruhr. Jetzt hat sich erneut ein Tier in die Gegend um Garmisch verirrt. Doch wo ist der Bär?

  • Im Oktober wurde ein Bär in Bayern gesichtet.
  • Es ist der erste Bär seit Braunbär Bruno im Freistaat.
  • Ist das Tier noch im Freistaat?

Update vom 8. November: Gut drei Wochen nach dem Braunbären-Schnappschuss einer Wildtierkamera im Landkreis Garmisch-Partenkirchen fehlt von dem Tier jede Spur. „Er ist so unauffällig unterwegs wie in den Wochen zuvor“, sagte eine Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) am Donnerstag. 

„Seit dem Fotofallenbild haben wir keinen weiteren Nachweis von dem Bären.“ Die Kamera hatte das Tier in der Nacht zum 23. Oktober abgelichtet. Es war die erste Sichtung eines Braunbären auf deutschem Boden seit dem Abschuss von Bär Bruno vor gut 13 Jahren.

In der Nähe der Kamera sicherten Experten Spuren wie Fellreste und Kot, die DNA des Bären enthalten könnten. Diese Spuren werden nun ausgewertet. Man hoffe, darüber mehr Klarheit über die Herkunft des Tieres zu bekommen. Vermutet wird, dass es sich um einen männlichen Bären handelt, der wie sein berühmter Vorgänger Bruno aus dem italienischen Trentino über Tirol nach Bayern kam.

Bär in Bayern: Ist das Tier noch im Freistaat?

Unklar ist derzeit, ob er sich überhaupt noch in Bayern aufhält. Im Freistaat gab es bisher keinen einzigen Riss. Allerdings ernähren sich Bären zum überwiegenden Teil von Pflanzen. Dass sich der Bär schon zum Winterschlaf zurückgezogen habe, sei unwahrscheinlich, sagte die LfU-Sprecherin. Denn noch finde sich genug Nahrung wie Gras, Beeren und Früchte. Bären ernähren sich zum Großteil von Pflanzen.

Bei dem neuen Bären gebe es keinen Grund zur Beunruhigung, betonte die Sprecherin. Er verhalte sich absolut wildtiertypisch, unauffällig und scheu. Solange auch die Menschen sich vernünftig verhielten und keine Essenreste oder Abfälle in der Natur zurückließen, gingen die Behörden davon aus, dass es keine Probleme gebe.

Bär in Bayern: Auch Italien beobachtet seine Bewegungen

Update vom 25. Oktober, 22.41 Uhr: Die Bewegungen des in Bayern neu entdeckten Bären werden auch von Italien aus beobachtet. Claudio Groff ist in der autonomen Provinz Trient für die Bären zuständig. Im Naturpark Adamello-Brenta werden hier seit Ende der 1990er-Jahre Bären wieder angesiedelt.

Auch Braunbär Bruno (JJ1) stammte aus diesem Projekt. „Mittlerweile haben wir etwa 70 Tiere hier“, weiß Claudio Groff. Die DNA jedes Bären sei registriert, doch welcher Bär nun derzeit durch Südbayern stapft, in welchem Verwandtschaftsverhältnis er zu den anderen steht, das lässt sich nicht sagen. „Wir könnten ihn identifizieren, wenn wir DNA  aus Bayern hätten, zum Beispiel durch die Hinterlassenschaften des Bären oder durch Fellpartikel.“ 

Weder das eine noch das andere lägen aber bislang vor. Ob der 2006 erschossene Braunbär Bruno mit dem nun aufgetauchten Raubtier verwandt ist - auch zu diesem Aspekt braucht man erst die DNA. „Es dürften in dem Fall vier Generationen dazwischen liegen.“

Bär in Bayern gesichtet: Welche neuen Erkenntnisse gibt es?

Linderhof– Worte sind wichtig. Wenn man erst einmal zum Problembären abgestempelt wird, ist der Abschuss meist schon beschlossene Sache. Aber so weit sind wir beim ersten Braunbären auf deutschem Boden seit Bruno anno 2006 noch lange nicht. Keiner weiß, wie die tierische Reise in die österreichisch-bayerische Grenzregion endet. Hier lesen Sie alles, was Sie zum neuen, noch namenlosen Bären wissen müssen.

Schauplätze im Graswangtal: In diesem bayerischen Gebiet dürfte sich der neu entdeckte Bär rumtreiben.

Experten suchen gerade DNA-Spuren des Bären, der in der Nacht auf Mittwoch bei Schloss Linderhof in eine Fotofalle getappt ist. „Es geht darum, genetisches Material etwa aus Kot oder Fellresten zu finden, um die Herkunft und auch das Geschlecht des Tieres zu bestimmen“, sagte eine Sprecherin des bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU). Vermutet wird inzwischen, dass es sich um einen männlichen Bären handelt, der wie Bruno aus dem italienischen Trentino über Tirol nach Bayern kam.

„Vorbild-Bär“ in Bayerns Wäldern bei Garmisch: Was sagen Almbauern und Jäger?

Der Vorsitzende der Garmisch-Partenkirchner Jäger heißt Thomas Bär, kein Scherz. Und er rät zu Gelassenheit. „Wenn der Bär scheu ist und die Menschen meidet, dann darf er hier auch sein, dann darf er sich hier das eine oder andere Reh schmecken lassen.“ Problematisch wird es aus seiner Sicht erst, wenn der Bär in großem Stil Nutztiere schlägt. „Aber das ist gar nicht zu erwarten.“

Sat1-Video: Bär in Bayern

Hans Stöckl ist Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Er sagt: „Natürlich sind die Almbauern in Sorge. Aber solange er sich zurückhaltend verhält und Schafe und andere Weidetiere in Ruhe lässt, ist es kein Problem.“ Trotzdem kann er gut auf den neuen Gast verzichten. „Man hofft, dass er sich wieder vom Acker macht.“

Bär in Garmisch gesichtet: Wann wird ein Bär in Bayern abgeschossen?

Das ist im Freistaat inzwischen genau geregelt. Es gibt eine Check-Liste, wann zum Äußersten gegriffen wird. Im „Managementplan Braunbären in Bayern“ des Umweltministeriums sind Verhaltensweisen von Bären aufgelistet, die verschiedene Eskalationsstufen auslösen. Ein Bär, der abseits von Menschen Schäden macht, gilt als ungefährlich.

Ein Bär, der Futter am Rand von geschlossenen Siedlungsgebieten sucht, muss intensiv beobachtet und im Wiederholungsfall vergrämt werden. Kritisch wird es erst, wenn ein Bär in bewohnte Gebäude eindringt. Oder er Menschen in Sichtweite folgt, um sie als Beute auszutesten. Oder er einen Menschen getötet oder schwer verletzt hat. Dann steht in der Gefahrentabelle jeweils ein großes E. E wie Entfernen.

Bär in Bayern gesichtet: Wo gibt es in Europa überhaupt noch Bären?

Die größten Bärenpopulationen findet man in Skandinavien mit etwa 3400 Tieren, in den Karpaten (7200), in Karelien (1700) und im Dinarischen Gebirge (3070). Kleinere Populationen gibt es in Kantabrien, den Pyrenäen, den Alpen, im Ost-Balkan und im Baltikum. „Die uns nächsten Bären leben in den italienischen Alpen, im Trentino“, sagt Agrarbiologin Stefanie Morbach, Bärenexpertin bei der Gregor Louisoder Umweltstiftung in München.

Bär in Garmisch gesichtet: Wie weit können Bären wandern?

Im Gegensatz zu Luchs und Wolf wandern Bären gerne. „Sie sind nicht so territorial“, sagt Morbach. Gerade junge Männchen wandern. Finden sie ein passendes Gebiet, bleiben sie dort. Die Streifgebiete von Bären sind, je nach Nahrungsangebot, 100 bis 1000 Quadratkilometer groß. 20 bis 30 Kilometer zurückzulegen, tags oder nachts, ist für die Tiere kein Problem.

Bär in Bayern gesichtet: Gibt es in Bayern genug Lebensraum für Bären?

„Grundsätzlich wäre der bayerische Alpenraum geeignet“, sagt Morbach. Wenn es hier völlig ungeeignet wäre, wäre der jetzige Bär nicht über eine längere Zeit hier.

Was braucht der Bär: Nahrung, Rückzugsraum für den Winter und die Jungenaufzucht. Außerdem wird er sich früher oder später auf Partnersuche begeben. Wenn er nicht fündig wird, ist das Gebiet aus seiner Sicht wohl ungeeignet.

Bär in Garmisch gesichtet: Wie verhalten sich Bären gegenüber Menschen?

„Im Regelfall wird ein wilder Bär dem Menschen ausweichen“, sagt Morbach. „Dennoch sind es Wildtiere, die an der Spitze der Nahrungskette, wie wir auch, stehen. Er muss nicht panisch vor uns fliehen.“ Sollte er sichtbar sein, so Morbach, heiße das also noch nicht, dass er sich anormal verhält. „Gefährlich werden alle Wildtiere immer dann, wenn sie sich bedroht fühlen und nicht ausweichen können. Gefährlich ist es auch, wenn Menschen bewusst die Nähe suchen oder gar versuchen, die Tiere zu füttern.“ Aus Rumänien gibt es immer wieder Berichte über Angriffe auf Menschen.

Bär in Bayern gesichtet: Was fressen Bären?

„Braunbären ernähren sich überwiegend pflanzlich“, sagt Morbach. Auch Würmer und Larven gehören zum Nahrungsspektrum. Der Bär könne aber auch Wildtiere oder Nutztiere reißen. So griff ein Bär 2017 in den Pyrenäen eine Schafherde an. In Panik stürzten 209 Tiere in eine Schlucht.

Bär in Garmisch gesichtet: Wie verhält man sich richtig, wenn man einen Bären trifft?

Laut Stefanie Morbach gilt das Gleiche wie bei jedem Wildtier: respektvollen Abstand halten. „Den Bären nicht überraschen oder erschrecken, auf sich aufmerksam machen und sich ruhig zurückziehen.“

Bär in Bayern gesichtet: Werden Bären in Europa bejagt?

Teilweise. In Schweden zum Beispiel werden nach Angaben des World Wide Fund For Nature (WWF) pro Jahr 200 bis 300 Bären geschossen. Ebenfalls erschossen wurde 2006 der „Problembär“ Bruno, der sich in die bayerischen Wälder verirrt hatte.

Bär in Garmisch gesichtet: Wie groß können Braunbären werden?

Je nach Vorkommen, Geschlecht und Alter haben Braunbären in etwa ein Stockmaß von einem Meter und eine Länge von zwei bis 2,50 Meter. Die Gewichtsspanne ist groß, etwa bis 150 Kilo bei Weibchen und 300 Kilo bei den Männchen.

Bär in Bayern gesichtet: Wie lange dauert der Winterschlaf?

Die Winterruhe ist etwa von November bis April. „Das kommt auf die Temperaturen und die Schneelage des Winters an“, sagt Morbach.

Alles bisher Wissenswerte zu dem „neuen Bären“ in Bayern, finden Sie auch in unserem ersten Artikel.

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