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Bahn-Experte stellt oberbayerischem Schienennetz katastrophales Zeugnis aus – „Total marode“

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Von: Carina Zimniok

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Nach dem Zugunglück in Peiting entbrennt die Diskussion um das Schienennetz im Oberland erneut. Bahn-Experte Moy sieht viel Nachholbedarf.

Peiting – Wäre die Entgleisung, wie sie in Peiting passiert ist, vermeidbar gewesen? Der Münchner Merkur sprach darüber mit Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn Oberbayern.

Herr Moy, kann man in Bayern noch ohne Angst Zug fahren?

Moy: Ja. Wenn man einen kühlen Blick in die Statistik wirft, ist Bahnfahren nach wie vor am sichersten. Im Straßenverkehr sterben bundesweit täglich acht bis zehn Menschen. Und selbst wenn mit einem Zug etwas passiert, geht es nicht immer schlimm aus – das sieht man jetzt in Peiting.

Dort scheint eine Schiene gebrochen zu sein.

Moy: Ja, das legt der Augenschein nahe. Das passiert durchaus öfter. Eine Schiene kann aber auch gerade durchbrechen, dann ruckelt der Zug etwas, aber er entgleist nicht gleich.

Bahn-Experte Norbert Moy äußert sich zu dem Zugunglück bei Peiting.
Bahn-Experte Norbert Moy äußert sich zu dem Zugunglück bei Peiting. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Marcus Schlaf

Die Strecke wurde über Wochen saniert. Kann es sein, dass eine marode Schiene nicht auffällt?

Moy: Ein Schienenbruch kann auch sehr plötzlich eintreten.

Wurden nach dem Unglück von Burgrain die Strecken nicht gecheckt?

Moy: Burgrain kann man mit Peiting schwer vergleichen. Die Gleise in Peiting wurden erst vor Kurzem erneuert, auch die Weichen sind neu – die Rückfallweiche ermöglicht, dass Züge automatisiert aneinander vorbeifahren können. Ausgerechnet in einem frisch sanierten Bereich ist das jetzt passiert.

Der Rest der Pfaffenwinkelbahn gilt als extrem sanierungsbedürftig …

Moy: Auf jeden Fall. Im letzten Sommer gab es dort massive Probleme, viele Langsamfahrstellen, zwischen Weilheim und Peißenberg waren zum Teil nur 20 km/h erlaubt. Das ist ein Bereich, in dem einfach sehr lange nichts saniert worden ist. Die ganze Pfaffenwinkelbahn ist auf einem Stand, wie er heute nicht mehr sein dürfte. Auch, was zum Beispiel unbeschrankte Bahnübergänge angeht. Aus unserer Sicht hätte die Linie aber großes Potenzial.

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Wo gibt’s in Oberbayern noch Sanierungsbedarf?

Moy: Oh, da gibt es viele Stellen. Im Oberland braucht es dringend die Elektrifizierung, das ganze Werdenfelsnetz ist ein Sanierungsfall. Die Strecke Murnau – Oberammergau ist total marode, da können die Züge nicht einmal mehr die frühere Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h fahren.

Sollte es nach der Katastrophe in Burgrain nicht etwas schneller gehen mit den Sanierungen?

Moy: Ja, ich würde mir mehr Druck wünschen. Aber bei der Eisenbahn dauert immer alles sehr lang. Dass die Bahn 80 Millionen Euro in das Werdenfelsnetz steckt, ist ein Zeichen. Aber wir sind unzufrieden, dass man das auf zwei Jahre ausdehnt. Wieder Baustellen, Sperrungen – das sind die Fahrgäste einfach leid.

Das Interview führte Carina Zimniok.

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