Hoffentlich passiert da nichts

Das ist die wohl sinnloseste Rettungstür aller Zeiten

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Die Tür in der Lärmschutzwand ist nur über einen Acker zu erreichen.

Gernlinden - Eine Tür hat nur dann einen Sinn, wenn es einen Weg zu ihr gibt. Eigentlich logisch, nur in Gernlinden an der Bahnstrecke verhält sich das ein wenig anders.

Eine Notfallöffnung für Feuerwehr und Rettungskräfte in der Lärmschutzwand ist nur über freies Feld zu erreichen – ein Unding im Katastrophenfall.

Lärmschutzwände säumen die Bahnstrecke München – Augsburg unter anderem bei Gernlinden. Alle 500 Meter sind Türen eingebaut, damit im Notfall Rettungskräfte Zugang zum Gleis haben und umgekehrt Passagiere das Gleisbett verlassen können. Soweit die Theorie. In der Praxis ist eine der Türen von außen praktisch nicht zugänglich und nützt im Ernstfall gar nichts.

Wollen Feuerwehrleute zur Notfalltür Merianstraße gelangen, müssen sie zu Fuß querfeldein und dann eine steile Böschung hinab. „Das ist unmöglich“, sagt Kommandant Ric Unteutsch. „Die Tür wurde in den Acker gebaut.“ So müssen die Einsatzkräfte entweder von der Nordseite der Bahn anrücken und dabei das Hochgeschwindigkeitsgleis überqueren, auf dem die ICEs fahren. Oder sie kommen über den Bahnsteig des S-Bahnofs und laufen 400 Meter an den Schienen entlang durch den Schotter. So geschehen unter anderem bei einem Einsatz im Jahr 2013, als es auf dem Gleis in Höhe Merianstraße zu einem Personenunfall kam. Bei einer Ortsbegehung vor etwa acht Jahren habe man die Bahn auf den Missstand aufmerksam gemacht, geschehen sei bis dato aber nichts, so Unteutsch. Dies, obwohl damals Verbesserungen zugesagt worden seien. „Die Zeiträume sind schon bemerkenswert.“ Die Bahn indes behauptet, seinerzeit gebaut zu haben, was das Eisenbahn-Bundesamt verlangte.

 Das Unternehmen selbst sieht sich deshalb offenbar nicht in der Pflicht, Nachbesserungen vorzunehmen, geschweige denn zu bezahlen. „Wenn jetzt noch nachträglich Wünsche kommen, müsste zwischen den Beteiligten abgeklärt werden, wer dafür die Kosten trägt“, so ein Bahn-Sprecher. Beim Eisenbahnbundesamt (EBA) spielt man den Ball zurück. Das EBA habe seinerseits die Planungen nur genehmigt, sie aber nicht selbst vorgenommen, heißt es auf Tagblatt-Anfrage. Das EBA zitiert aus seiner Begründung zur Genehmigung aus dem Jahr 1989: „Im Rahmen der Ausführungsplanung ist die Anordnung der Service- und Fluchttüren sowie deren Anbindung an öffentliche Verkehrsflächen mit den Fachdiensten der Bahn und dem bayerischen Innenministerium abzustimmen.“ Sprich: Das EBA kann nichts dafür, wenn die Bahn das nicht berücksichtigt.

„Die Bahn macht nur, wozu sie verpflichtet ist“, kommentierte unlängst Maisachs Bauamtsleiterin Michaela Meinhold. Man sei offenbar der Meinung, im Notfall könne der Gleisbereich auch über eine Wiese evakuiert werden. Dennoch will sich die Gemeinde nun noch einmal an die Bahn wenden und einen Weg zur Rettungstür Merianstraße einfordern. Das EBA kommentiert: „Aktivitäten der Bahn, welche dazu beitragen, die Sicherheit ihres Betriebs fortzuentwickeln, sind selbstverständlich begrüßenswert."

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