Bairische Sprache: Wie sich der Dialekt verändert

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Wos jetz? Kracherl oder Limo? Nur eine Generation liegt zwischen Opa und Enkel.

Markt Schwaben - Ein Haus, zwei Welten: Gottfried Huber, 76, aus Markt Schwaben redet Bairisch. Kompromisslos. Und manchmal verwendet er alte bairische Ausdrücke, die sein Enkel Stephan Kraus, 19, nicht versteht. Eine Hörprobe.

Stephan Kraus ist ein anständiger bayerischer Bursche. Einer, der sich im Burschenverein engagiert, und oft in voller Montur Tracht durch Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg strawanzt. Er sagt „Servus, Griaß di und Pfia God“. Und fast könnte man meinen, dass er ganz nach seinem Opa kommt. Aber: Auf der Straße schaut der 19-Jährige nicht den „Bixn“ hinterher, so wie es sein Großvater Gottfried Huber früher gewagt hat, sondern den Mädchen. Das ist in diesem Fall reine Anbandel-Strategie: „Das Wort ,Bixn’ kommt bei den Frauen nicht so gut an“, weiß er.

Doch manchmal verirrt sich sein Opa in Seitengassen des bairischen Dialekts. Der 76-Jährige isst „Topfa“ anstatt „Quark“. Dazu trinkt er ein „Kracherl“ und kein „Limo“. Sein Enkel zuckt bei diesen Begriffen nur mit den Schultern, weil er sie einfach nicht versteht. Und das, obwohl er wie sein Opa sein ganzes Leben in Markt Schwaben verbracht hat. Der Grund: Es sind Wörter aus einer anderen Zeit, die in Bayern meist nur noch die Alten in den Mund nehmen. Wenn der 19-Jährige mit seinen Freunden einen Heben geht, hat er einen „Rausch.“ Sein Opa begrüßt ihn dann mit: „Mei, du hast aber einen ganz schönen Suri.“

Trotz einiger Missverständnisse weiß Senior Huber, was er an seinem Stephan hat. Etwas aus der Art schlägt nämlich seine Enkelin Cornelia, 25. Kein Mensch weiß so recht, welches Gespenst in ihrem Sprachzentrum herum spukt. „Sie redet nach der Schrift“, sagt ihr Großvater. Früher war die Welt noch in Ordnung. Als Kind hat Cornelia nur Bairisch geplaudert. „Vielleicht ist es beruflich bedingt“, überlegt der 76-Jährige. Schließlich arbeitet sie in einer Steuerkanzlei. Naja, und dann wohnt die 25-Jährige mitten in München. Und die Stadt verdirbt den Dialekt. Wenn Cornelia sich von ihrem Opa mit einem fröhlichen „Tschüss“ verabschiedet, kann er ganz schön grantig werden. „Das heißt ,Pfiad di’“, schimpft er.

Allerdings mussten die Enkel dem Opa auch ein paar Begriffe beibringen, für die es bislang keine bairische Übersetzung gibt. Neumodische Wörter wie Flatscreen-Fernseher, Handy, PC - für die der Opa nur ein „Hah?“ übrig hatte. Ein Dorn im Auge sind dem Senior Zuagroaste, die kein Wort Mundart reden: „Die müssten sich eigentlich anpassen, wenn sie nach Bayern ziehen.“ Hinter dieser ruppigen Weltanschauung des Markt Schwabeners versteckt sich eine Befürchtung: „Wenn das Bairische aussterben würde, würde mir was fehlen.“

Marlene Kadach

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