Barriere-Bahnhof: Kaputte Lifte müssen warten

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Gewohntes Bild am Freisinger Bahnhof: Die Aufzüge stehen still, körperlich beeinträchtigte Passagiere haben das Nachsehen.

Freising - Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderung wächst sich der Freisinger Bahnhof zur Katastrophe aus: Die Lifte zu den Bahnsteigen, die seit Wochen kaputt sind, sollen erst 2012 ausgetauscht werden.

Dass die Aufzüge schon mehrere Wochen defekt sind, weiß Clemens Vos aus Freising. Nach seiner Nachfrage bei der Bahn kam die Antwort: Die Lifte seien nicht mehr reparabel und würden ausgetauscht. Eine Inbetriebnahme ist aber erst 2012 geplant. Vos zum FT: „Es inakzeptabel, dass die Aufzüge nicht repariert, sondern für Monate außer Betrieb genommen werden.“

Nach dem Vorfall mit Rollstuhlfahrerin Gerda Pamler, die am Mittwoch wegen der kaputten Bahnhofs-Lifte von der Feuerwehr zum Bahnsteig getragen werden musste, wurde nicht nur Vos hellhörig. Gestern meldeten sich weitere Betroffene beim FT, die wegen der kaputten Lifte teilweise wahre Irrfahrten hinter sich haben.

So war für Gerhard Fredel aus Freising am Mittwoch Endstation am Bahnhof. Er ist auf seinen Elektro-Rollstuhl angewiesen und steckte am Nachmittag nach der Rückkehr mit der S 1 aus Neufahrn am Freisinger Bahnsteig fest: „Tragen geht bei mir nicht. Mein Rollstuhl ist 85 Kilo schwer.“

Also musste er „umkehren“ und mit der nächsten Bahn bis Feldmoching zurückfahren, um erst dort in die S 1 Richtung Flughafen steigen zu können, denn: „In Neufahrn ist für mich die Rampe zum Bahnsteigwechsel zu steil.“ Vom Flughafen aus nahm er den Bus nach Freising: „Das war ein Umweg von einer Stunde.“

Am Abend erwischte es Albert Steindle aus Freising. Er saß mit seinem behinderten Sohn Robert eine Stunde lang fest. „Nach der Rückkehr mit der S-Bahn aus München war niemand da, der Steindle den Rollstuhl von Robert tragen half“, erzählt Schwägerin Edeltraud Türk: „Nach vielen Telefonaten hat er einen Angehörigen erreicht, der den beiden vom Bahnsteig half.“

„Wir versuchen die definitiv verbrauchten Aufzüge schnellstens provisorisch zu reparieren“, meldete Bahnsprecher Franz Lindemair. Das Thema sei inzwischen Chefsache. Man wolle zudem alles versuchen, dass neue Aufzüge schnellstens installiert werden. Ob das noch vor 2012 geht? Lindemair: „Es wird schwierig, weil wegen des „Barrierefrei“-Projekts der Bahn bereits für mehrere Bahnhöfe Lifte bestellt wurden: „Die Lieferzeiten haben sich deshalb verlängert.“

Die Irrfahrten der Passagiere seien bedauerlich, meint Lindemair: „Wir können die Betroffenen nur bitten, Ausweichrouten ins Auge zu fassen“ – und da gäbe es nur Neufahrn oder Feldmoching.

Wolfgang Schnetz

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