Angeklagter erzählte kuriose Geschichte

Bauchschuss löst Großeinsatz aus: Prozess

Forstinning - Nächtliche Schießübungen haben einen jungen Mann vor das Ebersberger Schöffengericht gebracht. Am Ende war da ein Bauchschuss. Doch das war noch längst nicht das einzige Delikt, für das sich der Forstinninger verantworten musste.

Vorsätzlicher unerlaubter Erwerb, Besitz und Führen einer Waffe, Vortäuschen einer Straftat, Diebstahl und Brandstiftung - das alles stand in der Anklageschrif. Für den 21-jährigen Thomas R. (Name geändert) ging es um viel: Gefängnis oder Bewährungsstrafe?

Das war geschehen: Am Abend des 15. November 2011 bricht Thomas R. gemeinsam mit einem Kumpel eine Kassette im Haus seiner Mutter und deren Lebensgefährten auf. Er weiß: In der Kassette befindet sich eine Waffe. Mit der halbautomatischen Kurzwaffe, einer Walther PPK, fahren die beiden in den Wald und beginnen munter mit Schießübungen. Als Thomas R. wieder zuhause ist, gönnt er sich zufrieden ein paar Bier. Mit 2,0 Promille im Blut schnappt er sich abermals die Waffe, geht auf einen Feldweg und ballert in die Luft. In der Annahme, die Pistole sei gesichert, schiebt er sie sich in den Hosenbund. Dabei löst sich ein Schuss. „Ich dachte, das ist nur eine Brandblase“, so Thomas R. vor Richterin Susanne Strubl. Zuhause trinkt er weiter, schläft schließlich ein. Als er nachts wieder aufwacht, merkt er, dass die vermeintliche Brandblase eine handfeste Schussverletzung ist. Seine Mutter fährt ihn in die Kreisklinik Ebersberg. Hier geht die Polizei dem Fall nach. Der junge Mann behauptet, ein Kumpel habe ihn angeschossen. Nachdem ihm diese Aussage nicht geglaubt wird, tischt er den Polizisten eine wirklich hanebüchene Lügengeschichte auf: In der Münchner Hansastraße habe man auf ihn geschossen. Folge: Beamten des Kriminaldauerdienstes Erding und des Münchner Morddezernats werden mobilisiert, um in der Hansastraßen nach Hinweisen zu suchen. Schließlich bricht auch dieses Lügengerüst zusammen.

Weitere Delikte des Angeklagten: zweimal bricht er in die Schreinerwerkstatt seines ehemaligen Arbeitgebers ein und stiehlt Werkzeug im Wert von rund 6000 Euro. Außerdem pirscht er sich mit einem mit Benzin gefüllten Gefrierbeutel an das Auto eines Kumpels heran und steckt einen Reifen in Brand. Grund: der Kumpel habe angeblich keinen Unterhalt für sein Kind gezahlt.

Thomas R. gestand alle Taten vor Gericht. Seinen größten Fürsprecher hatte er überraschenderweise in dem geschädigten Schreinermeister. „Ich mag ihn. Der Thomas ist eigentlich ein guter Mensch und sehr talentiert. Nur vom Kopf her passt es halt nicht“, so der Zeuge.

Nach einer langen Beratung mit den Schöffinnen, sprach Strubl schließlich das Urteil: Zwei Jahre Gefängnisstrafe, die drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt ist. Zudem muss Thomas R. mindestens 15 Bewerbungen im Monat schreiben, 40 Stunden Sozialdienst monatlich ableisten, drei Alkoholberatungsgespräche besuchen und Leberwerte vorweisen. Außerdem bekommt er einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

„Es war eine unendliche Gefährlichkeit, blind und blöd mit einer Waffe in den Wald zu rennen. Wenn Sie nochmal hierher zu mir kommen, sperre ich Sie ein“, sagte Strubl zum Abschluss der Verhandlung.

Tanja Beetz

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